Zwei Bücher, die auf grünem Terrain die Lust auf Lebensmittel wecken. – Kultur

Pflanzen, speziell wenn sie essbar sind: ein schwieriges Thema bei einigen Kindern. Obst, Gemüse und Kräuter, dazu manches, das in keine der Kategorien fällt und trotzdem manchmal auf dem Teller landet – darüber soll man auch noch etwas lesen? Genügt es nicht, das ganze Grünzeug essen zu müssen?

Der spanische Autor Iban Eduardo Muñoz und der chilenische Illustrator Alberto Montt wissen um die Vorbehalte ihrer Zielgruppe. Weshalb sollten sich junge Leserinnen und Leser also für ihr Buch “Essbare Pflanzen und ihre Geschichte(n)” interessieren? In ihrer Einleitung haben die zwei selbst keine rechte Antwort: “Schließlich ist eine Pflanze als Superheld schwer vorstellbar.”

Keinesfalls wollen Muñoz und Montt den Eindruck erwecken, mit der Tür ins Gewächshaus zu fallen.

Muñoz und Montt wissen, dass sie ihr Publikum zum Lachen und zum Staunen bringen müssen. Mit Quatschgeschichten und überraschenden Fakten. Mit witzigen Illustrationen, auf denen Bienen Geldbündel entgegennehmen fürs Bestäuben, Menschen Wolken schütteln, damit aus ihnen das Wasser tropft und alle Pflanzen so aussehen, als wären sie meschugge und kämen von einem anderen Planeten.

Keinesfalls wollen Muñoz und Montt den Eindruck erwecken, mit der Tür ins Gewächshaus zu fallen. Obwohl sie genau darauf scharf sind. Iban Eduardo Muñoz ist Molekularbiologe und Biochemiker. Er ist besessen von Pflanzen, vor allem von ihrer Genetik. Und will, was auf der Erde und speziell durch dieses Buch wuchert, seinem Publikum, nun ja: eben schmackhaft machen. Mit Vorträgen über Vitamine ist da wenig zu holen.

Schon eher mit Geschichten, die bei den Leserinnen und Lesern Frankenstein-Fantasien anregen. Es geht ums Züchten und Zurechtwachsen von Pflanzen und ihren Früchten. Und ein bisschen geben sich die Figuren in dem Buch den Anschein vom verrückten Professor. In dieser Kulisse geht es dann spielerisch, aber inhaltlich überaus ernsthaft darum, wie über die Jahrhunderte aus bestimmten Pflanzen Lebensmittel wurden. Und welche Dynamik diese Entwicklung zuletzt bekommen hat durch neue Möglichkeiten der Wissenschaft. Hinzu kommen Anleitung für Experimente auf der eigenen Fensterbank.

Den Laborkittel ziehen sich die Autorin Laura Gladwin und die Illustratorin Zoë Barker nicht über. Auch wenn sich die beiden ebenfalls für die Herkunft von Speisen interessieren. In ihrem Buch “Was uns schmeckt” erzählen sie vielmehr etwas über die geografische und auch historische Herkunft von Lebensmitteln – und weniger über Veränderung und Manipulation.

Zoë Barker zeichnet Käse und Kuchen, Schoten und Saucen, Nüsse und Nudeln auf naturalistische Weise. Ihre Illustrationen erinnern an Zeichnungen, die auf wissenschaftlichen Expeditionen früherer Jahrhunderte gemacht wurden, um Pflanzen und Tiere möglichst getreu wiederzugeben. Laura Gladwin sortiert all diese Leckereien nach Gruppen: Zitrusfrüchte, Pilze und Trüffel, Mehl und Maisgrieß …

Überall muss sie sich auf eine Auswahl beschränken, sie wählt das Typische und häufig ein, zwei exotischere Beigaben. So lenkt sie den Blick immer wieder vom Vertrauten zu Neuem, macht somit neugierig auf Speisen und Zutaten anderer Weltregionen. Und verweist auf Ähnlichkeiten – auf die Fladenbrote in Indien, Äthiopien und Iran etwa – und auf Verbindungen, die man nicht auf Anhieb erkennen mag. So ist die Zucchini ein Sommerkürbis.

An diesem Punkt kommen die beiden Bücher einander am nächsten. Muñoz und Montt etwa stellen unter anderem diese Rätselfrage: Wie bestimmt man am besten Tomaten? Denn weder sind alle Arten rot noch rund noch etwa faustgroß oder gleichmäßig glatt.

Laura Gladwin, Zoë Barker: Was uns schmeckt. Ein Atlas der Köstlichkeiten. Aus dem Englischen von Ursula Heinzelmann. Insel Verlag, Berlin 2021. 92Seiten, 24 Euro.

Iban Eduardo Muñoz, Alberto Montt: Essbare Pflanzen und ihre Geschichte(n). Aus dem Spanischen von Edmund Jacoby. Verlagshaus Jacoby und Stuart, Berlin 2021. 40 Seiten, 16 Euro.