Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) – Deutsche Forscher entwickeln erstes wirksames Medikament

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15. Juli 2021 – 15:21 Uhr

Bisher waren Verzicht und Diät die einzigen Mittel

Die Darmerkrankung Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Häufig ist die sogenannte Glutenunverträglichkeit mit Schmerzen und Blähungen verbunden. Bisher war das einzige Mittel für Betroffene, um das zu vermeiden: eine strenge glutenfreie Diät. Das schränkt Menschen, die an Glutenunverträglichkeit leiden, enorm ein. Jetzt könnte Forschern in Mainz der Durchbruch gelungen sein. Sie haben einen Wirkstoff entwickelt und sind damit die ersten.

“Stark schützende Wirkung”

Transglutaminase-Hemmer ZED1227 heißt der medikamentöse Wirkstoff, den ein Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz federführend entwickelt und getestet hat. Es basiert auf einem erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus. Tests der Mainzer Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen hätten gezeigt, dass der Wirkstoff “eine starke schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut hat und die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der Betroffenen verbessert”, heißt es in einer Mitteilung der Unimedizin Mainz. Damit sei es das erste Medikament gegen Zöliakie, dessen klinische Wirksamkeit belegt werden könne.

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Medikament soll Betroffenen Lebensqualität zurückgeben

“Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Lebensqualität ermöglicht”, erläutert Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Leiter der Klinik-Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz.

Auf dessen Forschung basiert der neue therapeutische Ansatz mit dem Medikament. “Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Entdeckung des körpereigenen Enzyms Transglutaminase (TG2), das im gesamten Darm vorkommt. Zöliakiepatienten entwickeln gegen die Transglutaminase sogenannte TG2-Antikörper. Im Blut von Zöliakiepatienten mit aktiver Erkrankung sind diese stark erhöht”, heißt es in der Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz. Der neu entwickelte Wirkstoff solle die überschießende Aktivität des Enzyms TG2 in der Dünndarmschleimhaut hemmen “und so die durch Gluten herbeigeführte Entzündung […] unterbinden.” Für Herbst 2021 ist eine größere Folgestudie angesetzt, die mit einer besonders belasteten Patientengruppe, die nicht auf die glutenfreie Diät anspricht, durchgeführt werden soll. Bis das Medikament marktreif ist, kann es allerdings noch Jahre dauern.

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Was ist Zöliakie?

Links gesunde Darmzotten, rechts die abrasierten eines Zöliakie-Patienten.

© iStockphoto

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten verursacht wird. Das Eiweiß befindet sich in verschiedenen Getreiten wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Symptome sind beispielsweise Durchfall und Bauchschmerzen. Frauen leiden etwa doppelt so häufig unter der Erkrankung wie Männer. (mol)

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