Welthungerhilfe: Lebensmittel-Exportstopps treiben Hunger | PULS 24

Die Welthungerhilfe beobachtet eine steigende Zahl von Ländern, die keine Nahrungsmittel mehr ausführen und den Zugang zu Lebensmitteln damit für Milliarden Menschen weiter erschweren. “Das führt zur Verknappung, das treibt die Preise nach oben, und das ist für die ärmsten Menschen auf dieser Welt ganz schlimm, weil sie können sich keine Nahrungsmittel mehr leisten”, so Generalsekretär Mathias Mogge am Dienstag im ZDF-“Morgenmagazin”.

“Wer nur knapp drei US-Dollar pro Tag zum Überleben hat, kann sich die Verdoppelung der Brotpreise einfach nicht leisten.” Die Weltgemeinschaft müsse dafür sorgen, dass die Märkte offen blieben, forderte Mogge. Als Folge von bewaffneten Konflikten, Klimaveränderungen und Entwicklungsdefiziten hungern weltweit aktuell etwa 811 Millionen Menschen. “Über viele Jahre waren kontinuierliche Verbesserungen in der Hungerbekämpfung zu verzeichnen, doch seit 2014 kehrt sich der Trend um: Multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen”, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Jahresbericht der Welthungerhilfe. Steigende Nahrungsmittelpreise verschärften die Ernährungsunsicherheit.

Schon 2021 seien die Preise für Lebensmittel weltweit teils um 28 Prozent gestiegen. “Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Situation weiter zugespitzt. Besonders dramatisch ist die Lage im Jemen, in Afghanistan und im Südsudan. Aber auch in Madagaskar und den Ländern Ostafrikas, wo massive Dürren die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise zeigen”, heißt es in dem Bericht weiter. Die Hilfsorganisation spricht von einem “Weckruf, endlich die Anstrengungen gegen den Klimawandel zu verstärken, der zu immer gravierenderen humanitären Notlagen führt”.

Die Diakonie berichtete am Montag von etwa 800.000 Menschen in Somalia, die wegen der Unbewohnbarkeit ihrer Heimat fliehen mussten. Das Welternährungsprogramm schätzt demnach die Anzahl an von Hungersnot betroffenen Menschen in Ostafrika auf 82 Millionen – ein Anstieg von 30 Millionen Menschen im Vergleich zum Vorjahr.

Bewaffnete Konflikte treiben immer mehr Menschen in Hunger und Not, auch in Europa: “Gemeinsam mit unserem europäischen Bündnis Alliance 2015 unterstützen wir Bedürftige in der Ukraine und Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern wie Polen und der Republik Moldau”, erläuterte Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme.

Die Verteilung von Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln stand demnach in den ersten Wochen nach Ausbruch des Krieges im Mittelpunkt, jetzt werde die Hilfe auch durch Bargeldverteilungen ausgeweitet.” Die Welthungerhilfe habe im vergangenen Jahr insgesamt 260 Millionen Euro für Projekte ausgeben können – die Hälfte davon sei in humanitäre Hilfe geflossen, die andere Hälfte in langfristige Projekte, etwa um die Menschen besser auf die “Widrigkeiten” des Klimawandels vorzubereiten.