Was ändert sich 2022 …: … bei Ernährung und Gesundheit?


Was ändert sich 2022 …

… bei Ernährung und Gesundheit?

Einige wichtige Dinge in den Bereichen Gesundheit und Ernährung ändern sich wieder im Jahr 2022. Die meisten davon werden bei Verbrauchern für Erleichterung sorgen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen klärt über die wichtigsten Neuregelungen für das neue Jahr auf.

Einschränkung gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe in Tattoos

Ab dem 4. Januar werden in der gesamten EU mehr als 4000 potenziell für die Gesundheit gefährliche Chemikalien in Tätowierfarben und Permanent Make-up stark eingedämmt. Sie können Allergien, Erbgutschädigungen, Krebs und andere schädliche Auswirkungen haben. Das betrifft zum Beispiel Azofarbstoffe, karzinogene aromatische Amine oder Metalle. Zukünftig müssen alle Etiketten von Tinten für Tattoos und Permanent-Make-up den Verwendungszweck anzeigen, eine Liste der Inhaltsstoffe aufweisen und Sicherheitshinweise enthalten. Die bunten Tattoo-Farben Pigment Blau 15:3 und Pigment Grün 7 werden erst ab dem 4. Januar 2023 komplett verboten, da es für diese noch keine gesundheitlich unbedenklichen Alternativen gibt.

Finanzielle Entlastung im Bereich Pflege

Ab dem 1. Januar bekommen einige Bereiche der Pflege mehr Geld. Das betrifft zum Beispiel den Leistungsbeitrag in der Kurzzeitpflege, der um zehn Prozent angehoben wird. Weiterhin gibt es fünf Prozent mehr für die Pflegesachleistung ab Pflegegrad 2. Dabei handelt es sich um Hilfsmaßnahmen bei der Ernährung, Körperpflege und Mobilität, aber auch der häuslichen Versorgung des Pflegedienstes. Weiterhin werden auch in einem Pflegeheim lebende Menschen finanziell entlastet, da weniger Eigenanteil gezahlt werden muss. Pflegebedürftige Menschen haben außerdem bis zu zehn Tage lang Anspruch auf eine Übergangspflege in der Klinik, wenn keine anderweitigen Ressourcen für die pflegerische Versorgung zur Verfügung stehen. Weiterhin gibt es ab 2022 einen Zuschuss zu den Pflege- und Ausbildungskosten, der mit der Dauer der Pflege kontinuierlich ansteigt – bis auf 70 Prozent ab dem vierten Jahr.

E-Rezept wird Pflicht für verschreibungspflichtige Arzneimittel

Elektronische Rezepte werden ab dem 1. Januar Pflicht für gesetzlich Versicherte. Für die Einlösung des E-Rezepts benötigt man die E-Rezept-App, die elektronische Gesundheitskarte und eine PIN-Nummer von der Krankenkasse. In der Apotheke öffnet man dann den jeweiligen Rezeptcode per App. Nur noch bis Juni darf das bisherige Papierrezept in Arztpraxen ausgegeben werden. Besitzt jemand kein Smartphone, kann das E-Rezept inklusive des benötigten Codes zukünftig dennoch in der Praxis ausgedruckt werden. Perspektivisch soll das Rezept in elektronischer Form auch auf Heil- und Hilfsmittel ausgeweitet werden.

Neues Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei Organspende

Ab dem 1. März tritt ein neues Gesetz in Kraft, das durch Aufklärungs- und Informationsarbeit die Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende stärken soll. Weiterhin sollen die Möglichkeiten verbessert werden, die persönliche Entscheidung auch zu registrieren. Dazu zählt das Onlineportal organspende-register.de, auf dem Spendererklärungen abgegeben und auch widerrufen werden können. Die Abgabe der Erklärung für oder gegen eine Gewebe- oder Organspende ist ab dem 1. Juli dann auch per App möglich.

Verbot von Tötung männlicher Küken

Deutschland wird ab dem 1. Januar das erste Land sein, das die Tötung von männlichen Küken verbietet. Bisher mussten jährlich rund 45 Millionen Tiere sterben, weil sie keine Eier legen und daher ungeeignet für die Fleischproduktion sind. Zukünftig werden die Bruteier mit männlichen Embryonen direkt aussortiert oder die geschlüpften männlichen Küken als Bruderhähne gemästet. Aus dem Ausland importierte Eier dürfen dennoch weiterhin in Lebensmitteln verarbeitet werden.

Schnarcherschiene wird Kassenleistung

Ab dem 1. Januar bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine Unterkiefer-Protrusionsschiene für Menschen, die unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden. Dabei handelt es sich um eine Atmungsstörung im Schlaf, bei der es immer wieder zu Atemaussetzern kommt. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist allerdings, dass eine vergangene Überdrucktherapie nicht zum Erfolg führte.

Keine falschen Versprechungen mehr für Abnehmwillige

Prognosen auf Abnehmprodukten, die das Tempo und den Erfolg beim Abnehmen betreffen, wie beispielsweise “5 Kilo in 5 Tagen”, sind laut einer Gesetzesänderung der EU zukünftig tabu. Das betrifft auch Angaben zu Nährwerten und gesundheitlichen Vorteilen auf Produkten.

Preisreduzierung mit vereinfachtem Hinweis

Zukünftig muss nicht mehr der reduzierte Preis zusätzlich zum ursprünglichen Preis auf schnell verderblichen Waren oder Lebensmitteln mit kurzer Haltbarkeit angegeben werden. Es reicht ab Ende Mai ein vereinfachter Hinweis, wie beispielsweise die prozentuale Ersparnis.

Höchstgrenzen und Verbote für schädliche Inhaltsstoffe bei Lebensmitteln

Ab dem 1. Juli gelten für bestimmte natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen gesetzliche Höchstmengen für Lebensmittel in der gesamten EU. Der natürliche Fraßschutz bestimmter Pflanzen namens Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Lebensmitteln wie Kräutern, Tees oder pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln kann das Erbgut schädigen oder gar Krebs auslösen. Weiterhin wird ab Anfang 2022 ein Verbot des weißen Farbstoffs Titanoxid erlassen, der Farbe und Glanz in Lebensmitteln wie Speiseeis, Nahrungsergänzungsmitteln oder auch Kaugummis bringt. Der Zusatzstoff E171 hat das Potenzial, genetisches Zellmaterial zu verändern.