Warum Proteinpräparate für Kinder gefährlich werden können – Heilpraxis

In der Regel nehmen Kinder über eine ausgewogene Ernährung genügend Eiweiß zu sich. Eine Nahrungsergänzung mit Proteinpräparaten kann für sie gefährlich werden. (Bild: pilipphoto/stock.adobe.com)

Eiweiß: Kein zusätzliches Protein für Kinder

Proteine sind Hauptbausteine des Gewebes und der Organe im menschlichen Körper. Eiweiß hilft Muskeln aufzubauen, Hormone zu produzieren, Haut und Knochen zu stärken und Nährstoffe zu transportieren. Doch zu viel davon kann für Kinder auch gefährlich werden.

„Der Verzehr von zusätzlichem Protein – insbesondere aus Proteinpräparaten – ist nicht unbedingt gesund oder vorteilhaft“, erklärt die Sporternährungsspezialistin Diana Schnee in einem aktuellen Beitrag der renommierten Cleveland Clinic (USA). „Und das gilt besonders für Kinder. Tatsächlich führt eine übermäßige Proteinaufnahme nicht zu mehr Muskelaufbau, sondern kann Leber und Nieren belasten und das Risiko einer Dehydration erhöhen.“

Viele Kinder bekommen mehr Eiweiß als benötigt

„In den meisten westlichen Ländern bekommen Kinder bereits das Zwei- bis Dreifache des täglichen Proteinbedarfs“, sagt die Ernährungsberaterin. „Es ist ungewöhnlich, dass ein Kind extra Eiweiß braucht.“

Dennoch ist die Einnahme von Proteinpräparaten oder die Zugabe von Eiweißpulvern zu Lebensmitteln, Shakes oder Smoothies ein beliebter Trend bei heranwachsenden Kindern und Jugendlichen.

Wie viel Eiweiß braucht mein Kind täglich?

Wie viel Protein ist also genug? „Zehn bis 30 % der Kalorienzufuhr sollte aus Proteinen stammen“, empfehlen Fachleute.

Bei jüngeren Kindern wird die benötigte Zufuhr nach Alter aufgeschlüsselt: Kinder im Alter von vier bis neun Jahren benötigen täglich 19 Gramm Protein. Diejenigen zwischen neun und 13 Jahren brauchen 34 Gramm.

Bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren variiert es je nach Geschlecht: Jungen brauchen 52 Gramm und Mädchen 46 Gramm.

Insgesamt sollte bei Kindern der Grundbedarf an Eiweiß gedeckt sein, wenn sie zwei Portionen Protein wie mageres Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel, Fisch, griechischer Joghurt oder Fleischalternativen zu sich nehmen.

Alles, was zusätzlich an Proteinpräparaten hinzugefügt wird, übersteigt wahrscheinlich ihren täglichen Bedarf und ist unnötig.

„Für Kinder, die Sport betreiben, sollte der Fokus eher auf einer ausreichenden Aufnahme von Vollwertkost als auf Nahrungsergänzungsmitteln liegen“, empfiehlt Schnee. „Sie haben einen etwas höheren Proteinbedarf, aber nur Spitzensportler sollten in Erwägung ziehen, Proteinpräparate zu ihrer Ernährung hinzuzufügen, und nur, wenn sie älter als 18 Jahre sind.“

Gefahren durch Proteinpräparate

Anstatt zu helfen, kann die Gabe von zusätzlichem Protein aus Nahrungsergänzungsmitteln zur Ernährung Ihres Kindes langfristige Gesundheitsprobleme verursachen, einschließlich:

Gewichtszunahme: Überschüssiges Protein bedeutet überschüssige Kalorien. Wenn ein Kind die Kalorien nicht verbrennen kann, speichert der Körper sie als Fett.

Organschäden: Eine hohe Proteinzufuhr kann Nierensteine verursachen dazu beitragen, dass die Nieren mit der Zeit verschleißen. Die Verarbeitung von Protein erzeugt auch Stickstoff in der Leber. Ein hoher Stickstoffgehalt erschwert es dem Körper, Abfall und Giftstoffe zu verarbeiten. Ein hoher Stickstoffgehalt kann auch die Fähigkeit des Körpers verringern, Nährstoffe zu verarbeiten.

Probleme für Kinder mit geschwächtem Immunsystem: Für Proteinpräparate gibt es keine genaue Regulierung. „Viele Produkte kennzeichnen nicht alle ihre Inhaltsstoffe, sodass Sie nicht genau wissen, was Ihr Kind zu sich nimmt. Viele Proteinpulver enthalten Stimulanzien oder Substanzen, die das Verdauungssystem Ihres Kindes belasten können“, erklärt die Ernährungsspezialistin.

Wann womöglich zusätzliches Protein benötigt wird

„Es gibt spezielle Fälle, in denen ein Kind möglicherweise zusätzliches Nahrungsprotein benötigt. Aber selbst dann sind Proteinergänzungen oder Shakes nicht die besten Optionen“, sagt Schnee.

Ihr Kind benötigt möglicherweise zusätzliches Protein, wenn es:

untergewichtig ist: Das Anbieten eines Proteinshakes oder einer Nahrungsergänzung mag wie eine einfache Lösung erscheinen, aber seien Sie vorsichtig. „Man sollte Kindern keine Proteindrinks geben, nur weil sie untergewichtig sind“, so Schnee. „Verwenden Sie diese Produkte nicht ohne Rücksprache mit einem Kinderarzt.“

beim Essen übermäßig wählerisch ist: Was ist, wenn Ihr Kind kein Fleisch mag oder sich nur von Pasta oder Pizza ernähren möchte? „Sie verbrauchen vielleicht weniger Protein als andere Kinder, aber sie decken wahrscheinlich immer noch ihren Nährstoffbedarf“, erklärt die Ernährungsberaterin.

vegan oder vegetarisch lebt: Kinder, die kein Fleisch essen, nehmen häufig zu wenig Eiweiß zu sich. „Sie brauchen möglicherweise 10-15% mehr Protein, um die gleichen Vorteile wie Fleischesser zu erhalten“, sagt Schnee. Sie schlägt Erdnussbutter, Bohnen, Haferflocken und bestimmte Gemüse wie Erbsen, Brokkoli und Spinat als gute Proteinquellen vor.

eine Stoffwechselerkrankung hat: „Kinder mit Erkrankungen, die Proteinverschwendung verursachen, können auch von einer proteinreicheren Ernährung profitieren“, sagt Schnee.

Denken Sie daran, dass echte Lebensmittel – keine Proteinergänzungen – für wachsende Körper immer besser sind, insbesondere nach einem harten Training.

„Teenager und jugendliche Sportler fühlen sich nach dem Training manchmal von Proteinpräparaten angezogen“, so die Expertin. Aber sie brauchen eine Kombination aus Eiweiß und Kohlenhydraten, um die Muskeln aufzubauen. „Es ist immer das Beste für sie, eine Mahlzeit zu sich zu nehmen.“ (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Cleveland Clinic: Why Extra Protein for Your Child Is Unnecessary – and Possibly Dangerous, (Abruf: 17.08.2021), Cleveland Clinic

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.