Warum nicht jede Küchenrolle für Kontakt mit Lebensmitteln geeignet ist

Testverfahren

Wir haben 18 Küchenrollen in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und bei Discountern eingekauft. Gab es von den Marken eine Altpapiervariante, so haben wir diese genommen – falls nicht griffen wir zur Zellstoffvariante, die direkt aus Holz gemacht ist. Zudem wählten wir ein Produkt aus Bambus-Zellstoff aus, dass als “nachhaltig” beworben wird.

Wir wollten wissen, wie alltagstauglich die Küchentücher sind. Deshalb hat ein Praxislabor für uns getestet, wie saugfähig die Produkte sind, wie reißfest im trockenen und nassen Zustand und schließlich wie gut sie nass und trocken einer punktuellen Belastung standhalten (“Festigkeit im Gebrauch”). Lassen sich die Blätter problemlos abreißen? Natürlich haben wir alle Produkte auch im Labor auf Problemstoffe analysieren lassen, etwa auf Formaldehyd. Zudem ließen wir auf gefährliche Chlorpropanole prüfen. Sie können mit Epichlorhydrinharzen hineinkommen, die Küchenrollen gegen Nässe stabil machen: Löst sich das Chlorpropanol 3-MCPD, wenn die Prüfer Küchenkrepp in kaltes Wasser legen?

Wir wollten auch wissen: Sind die Produkte aus Altpapier hergestellt? Kommt das Material von hier oder weiter her? Welche Holzarten stecken in den Zellstoffpapieren? Notenabzüge gibt es für frische Fasern, fehlende Angaben zur Materialherkunft und für Schadstoffe im und aus dem Papier. Das Testergebnis Inhaltsstoffe fließt zu 60 Prozent ins Gesamturteil ein, die Praxisprüfung zu 40 Prozent.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Richtwert für lösliches 3-MCPD von 12 μg/l nach der XXXVI. BfR-Empfehlung für Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt überschritten. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Produkt besteht nicht zu 100 % aus Altpapier. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 mg/kg halogenorganische Verbindungen; falls nicht schon wegen 3-MCPD um vier Noten abgewertet wurde; b) keine vollständige Angabe zur Herkunft des Materials.

Bewertung Testergebnis Praxisprüfung: In das Testergebnis Praxisprüfung gehen zu je 20 % die Reißfestigkeit und die Nassreißfestigkeit, zu je 15 % die Festigkeit im Gebrauch und die Nassfestigkeit im Gebrauch, zu 20 % die Saugfähigkeit und zu 10 % das Abreißen der Blätter ein. Die Ergebnisse werden kaufmännisch gerundet.

  1. Reißfestigkeit: sehr reißfest = sehr gut; reißfest = gut; noch reißfest = befriedigend. In die Reißfestigkeit gehen zu 60 % die Bruchkraft längs und zu 40 % die Bruchkraft quer ein: Bruchkraft längs in Newton (N): > 25 = sehr gut; 20 bis 25 = gut; 15 bis 19,9 = befriedigend. Bruchkraft quer in N: > 12 = sehr gut; 8 bis 12 = gut; 6,0 bis 7,9 = befriedigend.
  2. Nassreißfestigkeit: sehr nassfest = sehr gut; nassfest = gut; noch nassfest = befriedigend. In die Nassreißfestigkeit gehen zu 60 % die Nassbruchkraft längs und zu 40 % die Nassbruchkraft quer ein: Nassbruchkraft längs in Newton (N): > 5,5 = sehr gut; > 3,5 bis 5,5 = gut; > 2,5 bis 3,5 = befriedigend. Nassbruchkraft quer in N: > 2,5 = sehr gut; > 1,5 bis 2,5 = gut; > 0,9 bis 1,5 = befriedigend.
  3. Die Festigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit in Newton: > 7,0 (sehr stabil) = sehr gut; > 5,0 bis 7,0 (stabil) = gut; 3,5 bis 5,0 (noch stabil) = befriedigend.
  4. Die Nassfestigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit in Newton: > 3,0 (sehr nass-stabil) = sehr gut; > 1,4 bis 3,0 (nass-stabil) = gut; > 0,9 bis 1,4 (noch nass-stabil) = befriedigend.
  5. Saugfähigkeit: sehr saugfähig = sehr gut; saugfähig = gut; noch saugfähig = befriedigend: In die Saugfähigkeit gehen zu 60 % die Wasseraufnahmekapazität und zu 40 % die Absinkdauer ein: Wasseraufnahmekapazität in g/g: > 9,5 = sehr gut; 8,0 bis 9,5 = gut. Absinkdauer in Sekunden: < 2 = sehr gut; 2 bis 5 = gut; > 5 = befriedigend.
  6. Abreißen der Blätter: Die Effektivität der Perforation beruht auf der Perforationseffizienz in %: 55 und mehr (leicht) = gut.

Das Gesamturteil beruht zu 60 % auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 % auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es wird kaufmännisch gerundet. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als “mangelhaft”, wenn das Testergebnis Inhaltsstoffe “mangelhaft” ist.

Testmethoden 

Inhaltsstoffe: 3-MCPD / 1,3-Dichlor-2-propanol: GC/MS nach in situ Derivatisierung und Kaltwasserextraktion gemäß DIN EN 645:1994-01, abweichend wurde zur Herstellung des Wasserextrakts 1 g Probenmaterial auf 250 ml gemäß der amtlichen Methode B80.56 verwendet. Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser mit der Soxhlet-Apparatur eluiert; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd: Qualitativer Nachweis mit Carbazol/Schwefelsäure. Glyoxal: Phenylhydrazin/Schwefelsäure/Eisen(III)chlorid. Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Praxisprüfung: Die Proben wurden in Anlehnung an die Norm DIN EN 20187 bei 23 °C ± 1 °C und bei 50 % ± 5 % relativer Luftfeuchtigkeit klimatisiert.
Reißfestigkeit: Bestimmung der breitenbezogenen Bruchkraft in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-4 an jeweils 10 Proben in Maschinenrichtung und Maschinenquerrichtung mit einer Breite von 50 mm. Die Einspannlänge der Proben betrug 100 mm. Die Prüfung wurde mit einer Prüfgeschwindigkeit von 50 mm/min an einer Materialprüfmaschine durchgeführt.
Nassreißfestigkeit: Bestimmung der breitenbezogenen Nassbruchkraft mithilfe der Finch-Eintauchvorrichtung und in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-5 an jeweils 10 Proben in Maschinenrichtung und in Maschinenquerrichtung mit einer Breite von 50 mm. Der Abstand zwischen der Oberkante des Stabes der Finch-Eintauchvorrichtung und der Unterkante der Oberen Klemme des Zugprüfgerätes wurde auf (43,5 ± 1) mm voreingestellt. Die Gesamteinspannlänge der trockenen, unter dem Stab herumgeführten Probe betrug (100 ± 2) mm. Die halbe Länge entspricht der wirklichen Einspannlänge. Die Prüfung wurde mit einer Prüfgeschwindigkeit von 50 mm/min an einer. Materialprüfmaschine durchgeführt. Die Eintauchzeit betrug 15 Sekunden, Vorkraft von 0,05 N.
Festigkeit im Gebrauch: Bestimmung der Berstkraft in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-9 an jeweils 10 Proben. Die Proben wurden in mechanisch fixierbare Durchstoßplatten mit Bohrung eingespannt. Eine Kugel von 16 mm Durchmesser durchstößt mit einer Geschwindigkeit von (125 ± 5) mm/min senkrecht eine kreisförmige Prüffläche (Bohrung) von 50 mm Durchmesser.
Nassfestigkeit im Gebrauch: Bestimmung der Nass-Berstkraft in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-11 an jeweils 10 Proben. Die Proben wurden in mechanisch fixierbare Durchstoßplatten mit Bohrung eingespannt. Die Probe wurde mit (5,0 ± 0,1) ml deionisiertem Wasser (elektrische Leitfähigkeit max. 0,25 mS/m bei 25 °C) in 3 s bis 4 s mit Hilfe einer Pipette befeuchtet. Eine Kugel von 16 mm Durchmesser durchstößt mit einer Geschwindigkeit von (125 ± 5) mm/min senkrecht eine kreisförmige Prüffläche (Bohrung) von 50 mm Durchmesser.
Abreißen der Blätter: Bestimmung der breitenbezogenen Bruchkraft der Perforation in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-12 an jeweils 10 Proben mit einer Breite von 50 mm. Die Einspannlänge der Proben betrug 100 mm. Die Prüfung wurde mit einer Prüfgeschwindigkeit von (50 ± 2) mm/min an einer Materialprüfmaschine durchgeführt.
Saugfähigkeit: a) Wasseraufnahmekapazität: Bestimmung der Wasseraufnahmekapazität mittels Drahtkorbtauchverfahren in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-8 an jeweils 5 Proben von 5 g bei einer Wässerungsdauer von 30 Sekunden und einer Abtropfzeit von 60 Sekunden. Die Wassertemperatur betrug 23 °C ± 1 °C. Maschenweite des Drahtkorbs 20 mm, Gewicht 2,7 g. b) Absinkdauer: Der Korb wird über seine Längsachse horizontal in einem Abstand von (25 ± 5) mm über die Wasseroberfläche gehalten und in den Wasserbehälter fallen gelassen. Gleichzeitig wird die Stoppuhr eingeschaltet. Die Zeit für das vollständige Durchfeuchten der Probe ist aufzuzeichnen. Die Stoppuhr ist anzuhalten, wenn die Probe vollständig ins Wasser eingetaucht ist.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 3/2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Jetzt Test-Ergebnisse kaufen!