Warum der Hunger durch Sonnenlicht steigt

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Erstellt: 25.07.2022, 11:58 Uhr

Von: Jan-Frederik Wendt

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Ernährung im Sommer: Sonnenlicht regt den Appetit an – zumindest bei Männern. (Symbolfoto) © Alberto Bogo/Imago

Sommer-Ernährung: Nicht nur ein leerer Magen verursacht Hunger. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Offenbar auch Sonnenlicht – zumindest bei einem Geschlecht.

Kassel – Im ersten Moment klingt es nach dem selbstverständlichsten Vorgang der Welt: Wir haben Hunger, wir ernähren uns und sind satt. Allerdings ist die Frage, wie Hunger im Körper entsteht, wissenschaftlich nicht hinreichend beantwortet, schreibt geo.de.

Klar ist: Die zugrundeliegenden physiologischen Vorgänge gehen weit über einen leeren Magen hinaus. Vielmehr liegt die Steuerungszentrale für Hunger und Sättigung im Gehirn – genauer gesagt: im Hypothalamus, der jeweils entsprechende Hormone ausschüttet. Auch im Magen und Fettgewebe werden Hunger- und Sättigungshormone produziert. Zudem beeinflussen genetische Faktoren, wie viel Hunger jemand hat. Darüber hinaus spielen Essgewohnheiten, Portionsgrößen und der Geschmack eines Nahrungsmittels für die Ernährung eine Rolle. Und nun auch – zumindest für das männliche Geschlecht – das Sonnenlicht.

Ernährung im Sommer: Männliche Probanden nahmen täglich 300 Kilokarien zu

Sonnenlicht wirkt bei Männern appetitanregend. Das ist das neueste Ergebnisse einer Studie, die Forschende im Fachblatt Nature Metabolism publiziert haben. Verantwortlich dafür sei ein Hormon, das im Fettgewebe der Haut ausgeschüttet wird. Bei Frauen hingegen verhindere das Sexualhormon Östrogen diese Ausschüttung.

Das Team um Carmit Levy von der Tel Aviv University stellte bei einer Auswertung epidemiologischer Daten von etwa 3000 Personen in Israel eine signifikante Wechselwirkung zwischen Geschlecht und Jahreszeit fest. Männer aßen im Sommer mehr – wenn die Sonneneinstrahlung am höchsten war. Konkret nahmen die männlichen Probanden zwischen März und September im Durchschnitt täglich 300 Kilokalorien mehr zu sich als in den Wintermonaten. Bei Frauen blieb die Kalorienaufnahme über das Jahr nahezu gleich.

Italienische Pizza mit Schinken, Mozzarella und Tomaten.Fotostrecke ansehen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bekräftigten den entdeckten Zusammenhang durch Experimente mit Freiwilligen, die sich in der Sonne aufhielten. Demnach fühlten sich Männer nach Sonneneinstrahlung deutlich hungriger, während Frauen keinen verstärkten Appetit hatten. Zudem zeigte die Analyse der Blutproben: Männer wiesen mehr Veränderungen bei Proteinen auf, die mit dem Fettstoffwechsel in Verbindung stehen. Zudem waren bei ihnen die Werte des sogenannten Hungerhormones Ghrelin erhöht.

Die folgenden Untersuchungen mit Mäusen stützen diese Ergebnisse nicht nur – sie deckten sogar einen Mechanismus auf, der den Effekt erklären könnte. Eine tägliche UV-B- Bestrahlung über zehn Wochen führte dazu, dass die männlichen Tiere mehr fraßen. Zudem hätten sie verstärkt nach mehr Nahrung gesucht. Bei diesen Mäusen wiesen die Forschenden einen Ghrelin-Anstieg nach. Überlicherweise wird dieses Hormon im Magen produziert – auch bei Menschen. Allerdings stimulierte die Lichtbestrahlung bei den männlichen Nagern die Ghrelin-Freisetzung in den Fettzellen der Haut.

Patienten könnten von neuen Erkenntnissen profitieren

Bei den weiblichen Mäusen war dieser Effekt abgeschwächt, da das Geschlechtshormon Östrogen die Ghrelin-Freisetzung in den Adipozyten behinderte. In einem weiteren Versuchsaufbau zeigte sich nach einer fünftägigen UV-B-Bestrahlung männlicher menschlicher Hautproben ebenfalls eine erhöhte Ghrelin-Expression.

Jedoch sei Ghrelin nur ein Faktor, der im Zusammenspiel von Sonnenlicht und Hunger eine Rolle spielt, schreiben die Studienautoren. Weitere Forschungen seien notwendig. Dennoch: Die Arbeit lege nahe, dass die Anregung der Ghrelinproduktion bei Appetitlosigkeit helfe. So könnten etwa Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, von einer ergänzenden Lichttherapie profitieren.

„Verschiedene Fettdepots schütten unterschiedliche Hormone und andere Stoffe aus, die in der Lage sind, das Essverhalten zu regulieren, aber über die metabolische Wirkung des Hautfettgewebes ist viel zu wenig bekannt“, schreiben die spanischen Ernährungsmediziner Carlos Dieguez und Ruben Nogueiras. Insgesamt werde die aktuelle Studie „sicherlich den Weg für weitere Studien über die Rolle der Haut bei der Energie- und Stoffwechselhomöostase ebnen, ein Bereich, der bislang weitgehend übersehen wurde“, ziehen die Experten ein Fazit. (Jan Wendt)

Mit Diäten können Übergewichtige ihre überschüssen Pfunde loswerden. Die britische Herzogin Kate hält sich mit einer speziellen Diät in Form. In einer anderen Studie haben Forschende den Zusammenhang zwischen Heißhungerattacken und Nährstoffmangel untersucht.