Viel Gewicht, wenig Bewegung: Dicker von Generation zu Generation

Im Jahr 1989 wog ein zwölfjähriges Mädchen durchschnittlich 39 Kilogramm. Dieser Wert ist mittlerweile auf rund 55 Kilogramm gestiegen. Im Vergleichszeitraum sind Zwölfjährige im Durchschnitt um fünf Zentimeter größer geworden.

“Mit dem Körperwachstum nach oben ist das Wachstum in die Breite also nicht erklärbar”, sagt Univ.-Prof. Walter Bonfig, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Die Tatsache, dass mittlerweile jedes vierte Kind übergewichtig und kein Ende dieses Trends absehbar ist, sei definitiv besorgniserregend, sagt der Kinderarzt. Die Gründe dafür sind bestens bekannt.

“Zu wenig Bewegung und zu viel Medienkonsum”, sagt Peter Kahr, Facharzt für Kinder und Jugendheilkunde sowie Fachgruppenvertreter Kinder- und Jugendheilkunde der Ärztekammer für Oberösterreich.

Durch diesen Lebensstil komme es schon in jungen Jahren zu einem Abbau von Muskeln und zu einem Aufbau von Fett.

Eine Stunde Bewegung: Die beiden Kinderärzte plädieren für mindestens eine Stunde Bewegung pro Tag und appellieren an die Eltern, das unter allen Umständen zu ermöglichen. “Kinder sollten unbedingt täglich draußen spielen, laufen, sporteln, Rad fahren oder auf dem Spielplatz herumtollen.” Als Faustregel gelte hier: je regelmäßiger, desto besser. “Die Risikofaktoren für Adipositas, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck eines Hundebesitzers, der seinen Vierbeiner täglich mindestens eine halbe Stunde Gassi führt, sind niedriger als bei jemandem, der einmal in der Woche eine Stunde laufen geht”, sagt Bonfig.

 

Zwei Stunden vor dem PC: Jugendliche sollten höchstens zwei Stunden am Tag vor einem Tablet, Notebook oder PC sitzen, Kinder nur 30 bis 60 Minuten.

Keine Diät im Wachstum: Mädchen sind normalerweise mit 15 Jahren ausgewachsen, Buben mit 17 Jahren. Bis zu dieser Zeit gleicht sich Übergewicht oft durch normales Wachstum aus, wenn es gelingt, das Gewicht konstant zu halten. Deshalb sollten in der Wachstumsphase primär keine Diäten ausprobiert werden. Viel besser ist es, die Essgewohnheiten der Kinder langfristig auf eine gesunde Ernährung umzustellen.

 

Selbst kochen: Frisch gekocht ist immer besser als Convenience- und Fast-Food. Als Daumenregel gilt, dass Fast-Food höchstens ein Mal pro Monat konsumiert werden sollte. Völlig verzichten sollte man bei Kindern auf gesüßte Getränke. Auch ein Apfelsaft gespritzt trägt unnötige Kalorien in sich.

 

Gesunde Jause: “Kaum ein Kind greift von sich aus zu Äpfeln oder zu Rohkost. Aber wenn man etwa Karotten in portionsgerechte Sticks schneidet oder Apfelschnitze anbietet, dann greifen Kinder oft freiwillig zu”, so Bonfig, der Eltern dazu rät, “hartnäckig zu bleiben”.