Tipps zur nachhaltiger Ernährung – Ihre SZ

Die Ernährungsökologie befasst sich seit Jahrzehnten mit den Konsequenzen des globalen Lebensmittelkonsums. Bekannt ist, dass tierische Fette im Übermaß nicht nur Fettleibigkeit, sondern auch Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfälle oder Bluthochdruck verursachen. Eine nachhaltige Ernährung minimiert solche gesundheitlichen Risiken. Mit einer überwiegend pflanzlichen Kost, ökologisch, regional und fair produzierten Lebensmitteln lassen sich zudem die weltweiten Lebens- und Umweltbedingungen positiv beeinflussen. Eine Umstellung der eigenen Essgewohnheiten verlangt etwas Disziplin. Doch nicht unbedingt müssen dafür höhere Kosten anfallen. Wie man in kleinen Schritten einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum finanzierbar macht.

1. Langsam herantasten

Viele Menschen haben Probleme, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Deswegen ist es trotz der Dringlichkeit auch bei der Umstellung auf nachhaltige Ernährung gestattet, kleine Schritte zu gehen. Es gibt viele Stellschrauben, die Nachhaltigkeit beim Essen fördern, aber es ergibt für die meisten Verbraucher keinen Sinn, an allen gleichzeitig drehen zu wollen, weil die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern, ungleich größer wird. Es ist erlaubt, zu “sündigen”, statt seine gesamten Essgewohnheiten von heute auf morgen ändern zu wollen. Andernfalls kann es sein, dass nachhaltige Ernährung zur Qual und zur Quelle von Unzufriedenheit wird. An diesem Punkt ist es dann meistens nur eine Frage der Zeit, ehe man die guten Vorsätze ganz über Bord wirft.

2. Selbst kochen

Wenig Zeit, wenig Muße, keine Erfahrung: Das sind alles plausible Gründe, weshalb Menschen oft zu Fertigprodukten oder Fast Food greifen, statt ihr Essen selbst zuzubereiten. Doch in den seltensten Fällen sind Mikrowellen-Gerichte oder das Angebot im Schnellrestaurant nachhaltig, geschweige denn gesund. Oft sind diese Angebote auch relativ teuer oder nur deswegen billig, weil Nachhaltigkeit bei ihrer Produktion eine untergeordnete Rolle spielt. Wer sich bewusst darüber wird, dass man am eigenen Herd die Kontrolle über Herkunft und Inhalte der Lebensmittel bewahrt, die man verzehrt, begreift gleichzeitig auch die Vielfalt, die zur Verfügung steht.

3. Bewusst einkaufen

Für Bio-Lebensmittel fallen höhere Preise an. Umso wichtiger ist die Organisation der Einkäufe, um zu verhindern, dass man verderbliche Ware im Überfluss zu Hause hat. Wer den Überblick behält, wirft weniger weg und kann das gesparte Geld in bessere Qualität investieren. Deswegen ist zum Beispiel auch eine Bestandsaufnahme der Vorräte vor dem Einkauf ratsam.

4. Saisonale und regionale Produkte nutzen

Dreh- und Angelpunkt einer nachhaltigen Ernährung ist der Verzehr regionaler Produkte. Wenn in Industrienationen vornehmlich das gegessen würde, was in den jeweiligen Regionen angebaut, gepflückt oder gezüchtet wird, würde das globale Transportaufkommen und damit der Ausstoß schädlicher CO₂-Emissionen deutlich sinken. Das bedeutet auch, dass viele Zutaten nur saisonal erhältlich sind. Wer jedoch das ganze Jahr über Erdbeeren möchte, sollte außerhalb der Saison eher auf importierte Früchte aus Südeuropa zurückgreifen, statt auf Ware aus deutschen Gewächshäusern. Forscher des Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg fanden heraus, dass der Import, beispielsweise aus Spanien, weniger CO₂ produziert als die künstlich geschaffenen Bedingungen in den Gewächshäusern.

5. Verpackungsmüll vermeiden

Der Einkauf frischer Ware kann wesentlich dazu beitragen, den Verpackungsmüll zu reduzieren. Das gilt für Fleisch und Fisch ebenso wie für Obst und Gemüse. Deshalb ist es ratsam, sein Fleisch, Aufschnitt oder Käse am besten auf dem Frischmarkt oder an der Theke im Supermarkt zu kaufen, statt aus dem Kühlregal zu nehmen. Auch dann werden die Lebensmittel zwar verpackt, aber meistens ohne Styropor und Cellophan. Wer sich gut organisiert, kann seine eigenen Behälter zum Fleischer mitbringen. Was man mindestens tun kann, ist, auf geschnittene Obststücke oder gar ganze Bananen, die in Plastik gehüllt sind, zu verzichten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnte sogar davor, dass solche Verpackungen Brutstätten für Bakterien oder Schimmelpilze sein können. In der Regel sind Produkte mit aufwendigen Verpackungen auch teurer.

6. Maßvoll konsumieren

Manche unserer Essgewohnheiten sind so tief verankert, dass es schwierig wird, ständig auf sie zu verzichten. Dazu gehört zum Beispiel der Konsum von Fleisch, Butter, Kaffee, Käse oder Südfrüchten. Große Steaks oder Schnitzel lassen sich auch etwas kleiner und dafür mit mehr Beilagen servieren. Das schont auch den Geldbeutel. Nudelsaucen schmecken auch mit 30 Prozent weniger Hackfleisch oder mit veganem statt tierischem Hack. Butter lässt sich ersetzen durch Margarine aus Rapsöl oder Olivenöl. Wer fünf Tassen Kaffee oder mehr pro Tag trinkt, könnte versuchen, zwei davon durch Tee zu ersetzen.

7. Fairtrade- und Biosiegel prüfen

Ökologische Lebensmittelproduktion und fairer Handel (Fairtrade) spielen eine zunehmende Rolle, weil sie eine größere soziale Gerechtigkeit schaffen können und zum Erhalt der Bio-Diversität beitragen. Der Trend zu fair und bio ist auch den großen Lebensmittelkonzernen nicht verborgen geblieben. Deswegen ist es kein Wunder, dass es immer mehr Zertifikate und Gütesiegel gibt. Die Standards sind dabei höchst unterschiedlich. Um sicher zu gehen, dass die Siegel halten, was sie versprechen, ist es ratsam, sich gut zu informieren.

8. Kinder aufklären

Niemand muss perfekt sein, um einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Und niemand braucht sich moralisch über Menschen zu erheben, die sich weniger nachhaltig ernähren. Es ist aber durchaus erlaubt, die eigenen Kinder frühzeitig mit der Bedeutung eines nachhaltigen Lebensstils zu konfrontieren – auch wenn man selbst nicht alle Bedingungen erfüllt. Das bedeutet nicht, Kindern den Fast-Food-Burger zu verbieten, wenn das Nachbarmädchen davon schwärmt. Es geht eher darum, die gute Auffassungsgabe von Kindern zu nutzen, um ihnen die Problematik zu verdeutlichen. Dann haben Kinder die Chance, sich selbst zu entscheiden und nach Alternativen zu suchen. Schließlich geht es auch um ihre Zukunft.