Teuerung schon bei 12,7 Prozent: Fast alle Händler planen Preiserhöhung für Lebensmittel


Teuerung schon bei 12,7 Prozent

Fast alle Händler planen Preiserhöhung für Lebensmittel

Das Leben in Deutschland ist inzwischen so teuer, dass einkommensschwache Haushalte auf den Einkauf mancher Nahrungsmittel verzichten, um sich Energie leisten zu können. Eine Entspannung ist zunächst nicht in Sicht. Der Einzelhandel will laut einer Ifo-Umfrage die Preise weiter anheben.

Bundesbürger müssen sich in den kommenden Monaten auf weiter steigende Lebensmittelpreise einstellen. Fast jeder Händler plant höhere Preise, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts ergab. Das entsprechende Barometer für die Preiserwartungen der Einzelhändler für Nahrungs- und Genussmittel lag demnach im Juni bei 98,9 Punkten. Die Punkte bei den Ifo-Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. Auch in den übrigen Sparten des Einzelhandels ist dies laut der Befragung bei einer Mehrheit der Fall: Dort stiegen die Preiserwartungen auf 78,6 Punkte, von zuvor 75,5.

“Damit dürften die Inflationsraten vorerst weiter hoch bleiben”, fasste Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser die Ergebnisse der Umfrage zusammen. “Allerdings gibt es auch erste Anzeichen dafür, dass die Inflationsrate im späteren Verlauf des Jahres allmählich wieder sinken könnte.” So seien die Preiserwartungen in einigen Wirtschaftszweigen, deren Produktion dem Konsum vorgelagert ist, bereits das zweite Mal in Folge gesunken. Dazu zählen Industrie, Baugewerbe und Großhandel. Nur bei den Dienstleistern blieben die Preiserwartungen weitgehend unverändert.

Die Verbraucherpreise sind im Juni um 7,6 Prozent gestiegen, nachdem die Inflationsrate im Mai mit 7,9 Prozent den höchsten Stand seit der ersten Ölkrise im Winter 1973/74 erreicht hatte. Für die leichte Entspannung sorgten Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket, die von der Bundesregierung für die Monate Juni, Juli und August eingeführt wurden.

Experten rechnen damit, dass die Teuerungsrate nach deren Auslaufen im September wieder nach oben geht. Preistreiber Nummer eins ist Energie, die sich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stark verteuert hat. Nahrungsmittel kosteten im Juni im Schnitt mehr 12,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte der Deutschen mit niedrigerem Einkommen will daher einer Studie zufolge weniger Lebensmittel einkaufen. Rund 52 Prozent der Erwerbspersonen mit einem relativ niedrigen Haushaltseinkommen bis 2000 Euro netto im Monat sehen sich genötigt, sich wegen der gestiegenen Preise vor allem für Energie bei Nahrungsmitteln einzuschränken, so das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).