Tafel-Chef Lampe: „Werden demnächst Menschen versorgen, die noch gar nicht wissen, dass sie bald Tafelkunden sind“

Deutschland Tafel-Chef Lampe

„Werden demnächst Menschen versorgen, die noch gar nicht wissen, dass sie bald Tafelkunden sind“

Stand: 11:33 Uhr

Inflation in Deutschland erreicht höchsten Stand seit knapp 50 Jahren

Kräftige Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel haben die Teuerungsrate in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren getrieben. Im Mai lagen die Verbraucherpreise um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

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Immer mehr Tafeln in Deutschland kommen an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Laut einem Tafel-Landesverbands-Chef mussten einige bereits einen Aufnahmestopp für neue Gäste verhängen. Mit der stark steigenden allgemeinen Inflation wird sich die Situation in Zukunft weiter verschärfen.

Die stark gestiegene Nachfrage unter bedürftigen Menschen bringt die Lebensmittel-Tafeln in Niedersachsen und Bremen an ihre Grenzen. Mehrere Tafeln hätten bereits einen Aufnahmestopp für neue Gäste verhängt, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln, Uwe Lampe, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst. Sie könnten gespendete Lebensmittel aus Supermärkten oder Bäckereien vorübergehend nur noch an registrierte Kunden ausgeben. Hauptursachen seien der starke Andrang von Geflüchteten aus der Ukraine und die steigenden Preise für Lebensmittel. In Niedersachsen und Bremen gibt es insgesamt 106 Tafeln.

„Wahrscheinlich werden demnächst noch mehr Tafeln an den Rand ihrer Möglichkeiten kommen“, sagte Lampe. Natürlich wollten die Tafeln dies vermeiden. „Aber die Kolleginnen und Kollegen können sich im Augenblick nicht anders helfen.“ Vor dem Krieg in der Ukraine hätten die Tafeln des Landesverbandes im Schnitt rund 150.000 regelmäßige Kunden gehabt. „Jetzt sind es nochmal 70.000 mehr.“ Die Tafeln unterstützen Bedürftige mit übrig gebliebenen Lebensmitteln, die noch genießbar sind, aber nicht mehr verkauft werden können. Diese Menge lasse sich aber nicht beliebig steigern, erläuterte Lampe.

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Auch die stark steigende allgemeine Inflation mache sich unmittelbar bei den Tafeln bemerkbar. „Wenn die Energieversorger demnächst die neuen Bescheide mit den Preisen für Gas und Strom hinausschicken, werden wir einen noch ungeahnten Zustrom von all denen erleben, die erkennen, dass das für sie jetzt ein Problem wird“, sagte Lampe, der die Tafel in Springe bei Hannover leitet. „Da können wir die Uhr nach stellen.“ Der Vorsitzende prognostizierte: „Wir werden demnächst Menschen versorgen, die im Moment noch gar nicht wissen, dass sie bald Tafelkunden sind.“

Für den einzelnen Kunden könnten sich die Mengen der abgeholten Lebensmittel dann verringern. Das könne vor Ort rasch zu Spannungen führen. Durch den wachsenden Andrang würden auch die rund 6.000 überwiegend älteren ehrenamtlichen Helfer stärker belastet, erläuterte Lampe. Sie müssten dadurch länger arbeiten und würden auch psychisch belastet, wenn sie den Gästen nicht mehr so viele Lebensmittel ausgeben könnten wie früher.

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Wer Lebensmittel von einer der Tafeln erhalten will, muss in der Regel seine Bedürftigkeit nachweisen. Das kann laut Lampe mit einem Hartz-IV-Bescheid geschehen, einer Asylberechtigung oder einem Rentenbescheid, wenn die Rente nicht mehr als 900 Euro beträgt. Von Unberechtigten missbraucht würden die Tafeln selten, betonte der Vorsitzende: „Wer zur Tafel geht, ist in der Regel wirklich bedürftig.“