Studie: Warum viele Menschen ihr Essen gesünder einschätzen als es ist

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Die meisten Menschen können nicht genau einschätzen, wie gesund ihre Ernährung ist, zeigen die Ergebnisse einer Studie des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der University of Central Arkansas.

Laut der Studienautoren schätzten 85 Prozent der rund 10.000 Teilnehmer ihre eigene Ernährung falsch ein. Was die Experten als ungesund einstuften, stuften viele als gesundes Essen ein.

Dabei mangelte es den meisten Teilnehmern an der Studie an Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Meeresfrüchten, um sich gesund zu ernähren.

Die meisten Menschen liegen in der Regel falsch, wenn sie einschätzen sollen, wie gut sie sich ernähren. Vor allem dann, wenn sie glauben, dass sie sich besonders gesund ernähren, so die Ergebnisse einer Studie, die auf der Jahrestagung der „American Society for Nutrition“ im Juni vorgestellt wurden.

Forscher und Forscherinnen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der University of Central Arkansas untersuchten die Daten von 9.757 erwachsenen Amerikanern, die gebeten wurden, eine Ernährungsumfrage auszufüllen und ihre Ernährung auf einer Skala von „schlecht“ bis „ausgezeichnet“ zu bewerten. Die Forscher bewerteten dann die Essgewohnheiten der Teilnehmer und vergaben Punkte für den Konsum von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Eiweiß sowie für die Menge an verarbeiteten Lebensmitteln, raffiniertes Getreide, Zucker und gesättigten Fetten.

Sie fanden heraus, dass 85 Prozent der Teilnehmer ihre eigene Ernährung falsch einschätzten. Fast alle Probanden hatten ihre Ernährung gesünder geschätzt, als sie tatsächlich war. „Die meisten Erwachsenen überschätzen ihre Ernährungsangewohnheiten“, sagte Jessica Thomson, Hauptautorin der Studie und Forschungsepidemiologin beim US-Landwirtschaftsministerium, in einer Pressemitteilung.

Viele Menschen essen zu wenig Vollkornprodukte, Grünzeug, Hülsenfrüchte und Meeresfrüchte

Etwa 71 Prozent der Teilnehmer stuften ihre Ernährung selbst als „gut“, „sehr gut“ oder „ausgezeichnet“ ein, sechs Prozent der Teilnehmer bewerteten ihre Ernährung mit „sehr schlecht“. Experten hingegen bewerteten nur 12 Prozent der Essgewohnheiten der Teilnehmer als gesund, 70 Prozent der Ernährungsweisen gaben sie die niedrigste mögliche Note, also „sehr schlecht“. Folglich stellten die Forscher fest, dass die Menschen eher richtig lagen, wenn sie ihre Ernährungsgewohnheiten als schlecht einstuften.

Auffällig bei den Studienergebnissen: Oft mangelte es den Teilnehmern an Vollkornprodukten, Grünzeug, Hülsenfrüchten, Meeresfrüchten und pflanzlichem Eiweiß, um sich gesund zu ernähren. Stattdessen ernährten sich viele von zu viel Natrium und gesättigten Eiweißen oder Produkten mit hohem Eiweißgehalt.

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Frühere Untersuchungen zeigten außerdem, dass Hilfsmittel zur Bewertung von Diäten, wie beispielsweise Kalorienangaben, sehr ungenau sein können. Das heißt, selbst die Verpackungsangaben oder Kalorienhinweise bewahren einen oft nicht vor ungesundem Essen. Laut Studienautorin Thomson ist jedoch unklar, warum es Menschen so schwerfällt, ihre eigene Ernährung richtig einzuschätzen. Mögliche Gründe könnten ihr zufolge sein, dass ihnen die richtigen Informationen fehlen würden oder das eigene Wunschdenken überwiege.

„Solange wir nicht verstehen, was der Einzelne bei der Beurteilung der Gesundheit seiner Ernährung berücksichtigt, wird es schwierig sein, zu bestimmen, wie man die Selbsteinschätzung verbessern kann“, so Thomson in der Pressemitteilung.

Es gibt keine genaue Vorgabe für eine gesunde Ernährung, aber es gibt Richtlinien

Die in der Studie untersuchten Ernährungsweisen wurden danach eingestuft, wie eng sie mit den amerikanischen Ernährungsrichtlinien übereinstimmen. Zu den Ernährungsmustern, die mit langfristiger Gesundheit und Wohlbefinden in Verbindung gebracht werden, gehört eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln wie Grünzeug, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Obst ist.

Verarbeitete Lebensmittel werden durchweg mit schlechteren Gesundheitsergebnissen in Verbindung gebracht, beispielsweise einem höheren Risiko für Herzkrankheiten, Krebs und Entzündung. Zu den gesündesten Ernährungsweisen zählen beispielsweise die Mittelmeer-Diät mit Fokus auf viel frischem Gemüse und Fisch, die Blue Zones Diät, die bis zu 95 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht, und die Flexitarier-Diät, bei der an drei oder mehr Tagen in der Woche auf Fleisch verzichtet wird.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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