Sport nach COVID | Nachrichten.at

Grundsätzlich ist Sport eine gute Medizin, doch gilt es bestimmte Vorgaben einzuhalten. Kurz gesagt: Nicht zu früh und besser langsam wieder einsteigen. In bestimmten Fällen sollte man vorher zum Arzt. Und beim Wiedereinstieg das eigene Befinden gut beobachten.

Langsam starten

Nach allen COVID-Infektionen gilt: Niemals von null auf hundert starten. Körperliche Aktivitäten langsam und vorsichtig beginnen. Der optimale Wiedereinstieg besteht im bloßen Gehen. Wenn das ohne Probleme möglich ist, kann man die Dauer und später auch die Intensität der Aktivität langsam steigern. Am ersten Tag beispielsweise 15 Minuten, am zweiten Tag 30 Minuten, am dritten Tag 45 Minuten. Klappt das ohne Probleme, kann man die Intensität langsam steigern, bis man binnen ein bis zwei Wochen wieder in seinen gewohnten Modus zurückkehrt.

Sich selbst beobachten

Beim Wiedereinstieg sollte man sich beobachten, ob man die Aktivitäten gut verträgt. Dabei kann das Führen eines Tagebuches hilfreich sein, indem man sich notiert, wie es einem bei Belastung geht. „Man sollte Geduld mit sich haben, es kann eine Weile dauern, bis man wieder so fit wie vor der Infektion bzw. Erkrankung wird. Sollten Beschwerden auftreten, sollte man mit dem Sport noch länger aussetzen und stattdessen bloß spazieren gehen, denn auch das ist besser als gar keine Bewegung. Verträgt man nicht einmal bloßes Gehen, sollte man einen Arzt aufsuchen“, sagt Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präventiv- und Angewandte Sportmedizin am Universitätsklinikum Krems.

Die Länge der Pause richtet sich nach dem Verlauf

Wie lange man nach einer COVID-Infektion mit sportlichen Aktivitäten zur Gänze pausieren soll, richtet sich nach der Schwere der auftretenden Beschwerden:

Asymptomatische Personen, also Menschen, bei denen anlässlich der Infektion keinerlei Beschwerden auftreten – das ist eine Minderheit aller Infizierten – können nach Ende der Isolation wieder vorsichtig starten, müssen allerdings auf die behördlich vorgeschriebene Verkehrsbeschränkung achten, um niemanden anzustecken.

Eine ärztliche Abklärung ist in diesen Fällen aber nicht nötig. „Fangen Sie vorsichtig an, also beispielsweise mit 15 Minuten leichter Bewegung und beobachten Sie, wie es dem Körper geht. Passt alles, können Sie nach und nach, jeden Tag ein wenig mehr, erst die Dauer und dann auch die Intensität steigern“, sagt Primaria Podolsky.

Bei leichten Beschwerden infolge einer COVID-Infektion (vergleichbar einer Verkühlung bzw. eines leichten grippalen Infekts mit Symptomen wie Schnupfen oder Fieber unter 38 Grad), gilt es zuerst abwarten, bis die Beschwerden völlig abgeklungen sind, bevor man körperlich wieder aktiv wird. Nach Ende der Isolierungspflicht ist ein vorsichtiger Wiedereinstieg unter Selbstbeobachtung wieder möglich.

Bei mittelscheren Verläufen mit Symptomen wie hohem Fieber (über 38 Grad), Bronchitis, Brustschmerzen, Brustenge, Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder Durchfall gilt es den Hausarzt zu kontaktieren, der entscheiden wird, ob eine fachärztliche Abklärung notwendig ist oder ein vorsichtiger Start nach hausärztlicher Abklärung vertretbar ist.

Bei schweren und schwersten Verläufen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ein Krankenhaus- oder gar ein Intensivstationsaufenthalt notwendig geworden ist, ist oft eine fachärztliche Freigabe und Beratung oder eine Rehabilitation sinnvoll.

Verzögerter Verlauf

Auch das persönliche Empfinden spielt eine Rolle, wann und in welchem Umfang man sportlich wieder aktiv wird. Denn eine COVID-Infektion kann sich individuell recht unterschiedlich auswirken. Anders als bei herkömmlichen Infekten leidet ein Teil der Betroffenen unter einem verzögerten Verlauf. Das heißt, die Beschwerden halten länger an oder treten Wochen nach der ursprünglichen Infektion wieder auf. Ist man davon betroffen, sollte man sich ebenfalls beim Hausarzt untersuchen lassen, um sicher zu gehen, dass nicht andere Gründe vorliegen, die die Beschwerden erklären. Wenn das nicht so ist, muss man Geduld aufbringen und kontinuierlich und regelmäßig in kleinen Schritten seine Kondition wiederaufbauen. Nicht selten dauert der Wiederaufbau deutlich länger als bei anderen Infekten.

Long-COVID

Normalerweise braucht es maximal vier Wochen, bis die Symptome einer COVID-Infektion weitgehend verschwunden sind. Bestehen sie länger, spricht man von Long-COVID. Das ist ein Sammelbegriff für Beschwerden verschiedenster Art, mehr als 50 Symptome werden darunter zusammengefasst – am häufigsten Erschöpfung, Müdigkeit, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Schwindel, Gelenkschmerzen, Husten und andere. Hierbei ist zunächst abzuklären, ob organische Probleme die Ursache sind (also zum Beispiel eine Blutdruckregulationsstörung, Herzerkrankung oder anderes). In vielen Fällen sind keine zu finden und die Beschwerden bestehen dennoch. In diesen Fällen ist die Inanspruchnahme einer Rehabilitation sinnvoll. Dort lernt man mit seinen reduzierten Kräften umzugehen und diese langsam wieder zu steigern.

Wann zum Arzt?

Während Profi-Sportler meist engmaschig medizinisch kontrolliert werden, müssen sich Hobbysportler selbst um ihr Wohlergehen kümmern. Das bedeutet auch, dass sie bei Beschwerden zum Arzt gehen und diese nicht leichtfertig übergehen sollen.

Folgende Beschwerden (sogenannte „Red-Flag“-Symptome) sollte man jedenfalls unbedingt abklären lassen, falls diese bei Belastung auftreten: Herzrhythmusstörungen (das Herz schlägt aus dem Takt); ein plötzlich deutlich schnellerer Herzschlag, der sich auch in Ruhe nicht beruhigt; Brustschmerzen während der Belastung; geschwollene Beine; eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit mit ungewöhnlicher Atemnot, die auch nach Ende der Belastung nicht endet. In all diesen Fällen sollte man jedenfalls eine rasche ärztliche Rücksprache halten und von sportlichen Selbstversuchen Abstand nehmen.

Myokarditis

Die größten Ängste rund um COVID und Sport beziehen sich auf das Herz, konkret fürchtet man sich vor Herzmuskelentzündungen (Myokarditis). Diese treten jedoch nur selten auf. Noch wesentlich seltener, aber doch zu beobachten ist, dass Herzmuskelentzündungen bei einigen wenigen auch nach einer COVID-Impfung auftreten können. Davon sind vor allem junge Männer betroffen. „Allerdings verlaufen diese Impfmyokarditiden meist sehr harmlos und stellen keinen Grund dar, sich nicht impfen zu lassen, weil das Risiko der wirklichen Erkrankung um ein Vielfaches höher ist als das der Impfung“, sagt Primaria Podolsky.

Herzmuskelentzündungen können Herzrhythmusstörungen verursachen, die wiederum im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen können. Die Symptome einer Myokarditis sind variabel und können sich als Brustschmerz, Leistungsschwäche, Atemnot, Herzklopfen, Beinschwellung äußern; manchmal liegen auch gar keine Beschwerden vor. Feststellbar ist eine Herzmuskelentzündung durch Blutabnahme, EKG und Herz-Ultraschall, ab und zu braucht man zusätzlich eine Magnetresonanz-Untersuchung des Herzens.

Nach einer diagnostizierten Herzmuskelentzündung wird je nach der Schwere der Erkrankung eine Ruhepause von drei bis sechs Monaten verordnet. Danach kann man nach einer sportmedizinischen Untersuchung wieder beginnen, sich dosiert zu belasten. Eigenbeobachtung und Wahrnehmen eventueller Beschwerden ist auch hier gefragt.

Vorsicht, aber keine Angst

Auch wenn man sich beim Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten beobachten und langsam und vorsichtig starten soll, bedeutet das nicht, dass man überängstlich jede körperliche Belastung vermeiden sollte. Wenn man keine Beschwerden spürt, kann und soll man wieder mit dem gewohnten Sport beginnen. Es ist nicht sinnvoll, gar nicht mehr zu sporteln, weil man sich plötzlich vor jeder Belastung fürchtet. „Weil das einen Teufelskreis hervorrufen würde: Tut man immer weniger, wird man auch immer weniger belastbar. Man wird immer schwächer, legt auch an Gewicht zu und die Gesundheit leidet auf vielen Ebenen. Man möge sich bitte vor Augen halten: Bewegung ist im Normalfall die beste Medizin“, sagt die Sportmedizinerin.

Einfluss von Impfungen

Ob jemand geimpft ist oder nicht, hat keinen direkten Einfluss darauf, wann und in welchem Umfang Sport nach der Infektion/Erkrankung wieder möglich ist. „Indirekt hat das aber insofern doch einen Einfluss, weil Geimpfte eine bessere Chance auf einen leichteren Verlauf haben und im Durchschnitt weniger schwer erkranken und weniger Symptome haben und daher auch wieder rascher ins Training kommen können“, sagt Primaria Podolsky.

Mehr Artikel zum Thema Gesundheit finden Sie auf der Seite meinegesundheit.at, die diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.

Dr. Thomas Hartl
Juni 2022

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