Ratgeber: Binge-Eating-Störung: Bin ich schon krank? – News

Bin ich schon krank? Foto: pexels

Heißhungerattacken, bei denen vielleicht eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Chips verdrückt werden, kennt fast jeder. Auch an Weihnachten oder im Urlaub wird gern mal über die Stränge geschlagen. Bei Menschen mit “Binge-Eating” wird das Überessen jedoch zur Gewohnheit und lässt sich vor allem nicht kontrollieren. Innerhalb kurzer Zeit wird in Essanfällen eine große Menge an meist kalorienreichen Nahrungsmitteln verzehrt.

Anders als viele es vielleicht vermuten, ist nicht die Magersucht oder die Bulimie die häufigste Essstörung. Tatsächlich sind etwa 4 % der Bevölkerung im Alter zwischen 20 und 30 Jahren von der Binge-Eating-Störung betroffen. Das macht sie zur häufigsten der drei Erkrankungen im Bereich der Essstörungen.
Wir klären, was Sie über die Binge-Eating-Disorder wissen sollten und welche Symptome sie mit sich bringt.

Binge-Eating-Störung Definition: Woran erkennt man sie?

Binge-Eating oder Binge-Eating-Störung (englisch: Binge-Eating-Disorder) bezeichnet eine krankhafte Essstörung. Der englische Begriff “binge” bedeutet etwa “verschlingen” oder “vollstopfen”. Bei Menschen mit Binge-Eating kommt es zu immer wieder auftretenden Essattacken, bei denen in kurzer Zeit übermäßig viel gegessen wird. Betroffene haben das Gefühl, die Kontrolle über das Essverhalten zu verlieren. Sie können weder kontrollieren was, noch wie viel sie essen. Daher kommt es zum Exzess, in dem häufig 4000 oder mehr Kalorien gegessen werden. Die verzehrten Nahrungsmittel sind meistens sehr kalorienhaltig und haben einen hohen Anteil an Fett oder Zucker.

In der Regel sind Binge-Eating-Patienten auch von Übergewicht oder Fettleibigkeit betroffen. Doch auch Normalgewichtige können eine Binge-Eating-Störung haben.

Anders als bei der Bulimie oder Magersucht, bei denen es vor allem um kompensierende Verhaltensweisen geht (z.B. Abführen, Erbrechen, übermäßig viel Sport), steht beim Binge-Eating die unkontrollierte Nahrungsaufnahme im Vordergrund. Die verzehrten Kalorien nach einer Essattacke (umgangssprachlich: Fressattacken) werden von den Betroffenen nicht kompensiert. Häufig wird versucht, die Störung über eine Diät oder normal große Portionen zu regulieren. Das führt oft nur dazu, dass weitere Essanfälle ausgelöst werden.

Die psychische Störung wird anhand der ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) als atypische Bulimia nervosa (F 50.3) bzw. als Essanfällen bei anderen psychischen Störungen (F 50.4) klassifiziert.

Anders als bei anderen Essstörungen, von denen vor allem Frauen und Mädchen betroffen sind, zeigt sich die Binge-Eating-Störung bei Männern und Frauen etwa gleichverteilt.

Binge-Eating-Störung: Symptome

Binge-Eating zeigt sich hauptsächlich durch die wiederkehrenden Essanfälle. Die Betroffenen können bei einem Anfall nicht mehr aufhören zu essen und haben keine Kontrolle über ihr Essverhalten.
Diese Essanfälle treten meist in Episoden auf, die sich folgendermaßen kennzeichnen: 

Verzehr von Nahrungsmengen in einem abgegrenzten Zeitraum (z.B. 3 Stunden), die größer sind als die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum oder unter ähnlichen Bedingungen essen würden
Kontrollverlust über das konsumierte Essen während der Essattacke (Gefühl, dass man nicht aufhören oder bestimmen kann, was man isst)

Die Kriterien, wann es sich um eine Binge-Eating-Störung handelt, werden im DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen) festgesetzt.

Folgende Binge-Eating Symptome werden dort definiert:

mind. 1 Essanfall pro Woche über einen Zeitraum von mind. 3 Monaten
Leiden aufgrund des Binge Eatings
keine Kompensation
während der Essattacke: Kontrollverlust und Verzehr einer großen Menge an Nahrung
 
Ergänzend müssen mindestens drei der folgenden Symptome zutreffen:
schnelles, hektisches Essen (schlingen / stopfen)
Essen bis zu einem starken Völlegefühl
Verzehr großer Nahrungsmengen ohne Gefühl von Hunger
alleine essen (aufgrund von Scham)
nach den Essattacken: Ekel vor sich selbst, Schuldgefühle und/oder Depressionen 
 
Personen mit einer Binge-Eating-Störung versuchen in der Regel, das gestörte Essverhalten zu verschweigen. Das hängt auch damit zusammen, dass während der Fressattacken keinerlei Genuss oder Hunger empfunden wird und sie häufig mit negativen Gefühlen verbunden sind. Auch Familienangehörige und Freunde wissen von der Erkrankung meist nichts.
 
Auffällig ist auch, dass sich das Leben der Betroffenen rund um Figur und Gewicht sowie die Essanfälle dreht. Episoden, in denen Fressattacken auftreten, wechseln sich mit Phasen ab, in denen versucht wird, das Gewicht gezielt zu kontrollieren. Das gezügelte Essverhalten wiederum führt zu Hunger, wodurch das Auslösen eines weiteren Essanfalls wahrscheinlich ist. Häufig ziehen sich die Patienten immer weiter aus ihrem Sozialleben zurück und vermeiden es, in Gesellschaft essen zu gehen – aus Angst, dass es zu einem Essanfall kommt oder das Umfeld die Störung bemerkt.

Welche Ursachen hat Binge Eating?

Auch wenn Binge-Eating die häufigste Essstörung ist, ist die Erkrankung bislang kaum erforscht. Während Essstörungen wie Magersucht und Bulimie schon frühzeitig beginnen können, entwickelt sich eine Binge-Eating-Störung meist erst im späteren Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.
Warum manche Menschen eine Binge-Eating-Disorder entwickeln, ist ungeklärt.
Vermutlich wirken verschiedene psychologische, biologische und soziale Faktoren zusammen, die sich auch untereinander beeinflussen können. 

Häufige Diäten

Menschen, die unzufrieden mit ihrem Körper sind und deshalb oft Diäten machen, sind für die Entstehung von Binge-Eating gefährdet. Durch vermeintliche Schönheitsideale, die in den Medien und von der Gesellschaft vorgelebt werden, neigen immer mehr Menschen dazu, den eigenen Körper abzuwerten und ein niedriges Selbstwertgefühl zu entwickeln. Durch krampfhafte Diäten und ein gezügeltes Essverhalten versuchen sie, die Ideale zu erreichen. Doch der Verzicht auf Nahrung steigert das Verlangen nach Essen und fördert so die Entstehung von Essattacken.

Auch ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI), der oft ursächlich für das Durchführen einer Diät ist, zählt als Einflussfaktor. 

Familiäre Einflüsse

Der familiäre Hintergrund ist vermutlich eine der Hauptursachen für die Entstehung einer Binge-Eating-Störung. Einerseits sind Menschen gefährdet, die eine allgemeine Anfälligkeit für psychische Störungen zeigen. Auslöser hierfür sind oftmals bestehende psychische Erkrankungen innerhalb der Familie, aber auch traumatische Erlebnisse wie Missbrauch und ein negatives Selbstwertgefühl. 
Letzteres wird häufig gefördert, wenn die Unterstützung innerhalb der Familie nur sehr gering ist. Übergewicht in der Kindheit in Kombination mit Kränkungen der Familie bezüglich des Äußeren und der wahrgenommenen Attraktivität sind oft die Ursachen von Binge-Eating.
Ein weiterer kritischer Faktor auch, ist wenn von den Eltern oder Familienmitgliedern ein kritisches Essverhalten vorgelebt wird. Vergangenheiten mit Essstörungen können sich hier auswirken.
Auch strenge Ernährungsvorschriften seitens der Eltern können sich negativ auf das Essverhalten der Kinder auswirken. Sie lernen nicht, ihre Hungergefühle zu kontrollieren, wenn die Nahrungsmenge immer seitens der Eltern vorgegeben wird. Das Kind weiß nicht, wann es satt ist. Das fördert die spätere Entstehung von Binge-Eating.

Gestörte Selbstwahrnehmung

Bei Personen, die eine Binge-Eating-Störung entwickeln, stecken häufig Probleme bei der persönlichen Entwicklung dahinter. Das äußere Erscheinungsbild wird oft überbewertet und es kommt wie eingangs erwähnt zu einer Unzufriedenheit mit Figur und Gewicht, die sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken kann.

Welche Faktoren können Essattacken auslösen?

Binge-Eating hat für die betroffenen Personen nichts mit Genuss oder Hunger zu tun. Häufig gibt es einen Zusammenhang zwischen einer andauernden psychischen Belastung bzw. Stress und der Entstehung von Essanfällen. Das Essen wird als Ausweg betrachtet, um mit Gefühlen wie Überforderung, Einsamkeit oder Wut fertig zu werden. Bei einer Anspannung oder depressiven Verstimmungen bewirkt das Essen eine kurzzeitige Entspannung und dient als Bewältigungsmechanismus.
Kritisch ist vor allem, dass die Betroffenen nach der Essattacke häufig Gefühle wie Scham oder Ekel empfinden, die sich wiederum verschlechternd auf das sowieso schon geringe Selbstwertgefühl auswirken. Das kann wiederum neue Essanfälle auslösen.
Wie bereits erwähnt fördern häufige Diäten die Entstehung einer Binge-Eating-Störung. Lebensmittel, die sehr kalorienreich sind und viel Fett oder Zucker beinhalten, werden von Binge-Eating-Patienten außerhalb der Episoden oft gemieden. Der Verzicht auf Kohlenhydrate fördert aber die Entstehung von Stress. Außerdem sorgt das Kaloriendefizit dafür, dass das Hungergefühl sich verstärkt und erhöht so die Gefahr für unkontrolliertes Essen.
Die Theorie der Konditionierung vermutet, dass der Anblick, Duft und Geschmack von Lebensmitteln in Kombination mit Gefühlen von Einsamkeit oder Depressionen eine physiologische Reaktion bewirkt, die bei Binge-Eating-Betroffenen ein erhöhtes Verlangen nach Essen auslöst. Kommt es nun zu einer Essattacke, verknüpft diese sich mit den jeweiligen Reizen und Gefühlen. Das sorgt dafür, dass ähnliche Empfindungen und Reize eine erneute Essattacke bewirken.

Welche Folgen hat eine Binge-Eating-Störung?

Die häufigste Folge von Binge-Eating ist die Fettleibigkeit (Adipositas). Betroffene haben demnach einen BMI von über 30. Etwa 40 Prozent der Menschen mit einer Binge-Eating-Störung gelten als stark übergewichtig.

Das Übergewicht wirkt sich erheblich auf die allgemeine körperliche Gesundheit aus. Vor allem das Herz-Kreislauf-System leidet unter dem zu hohen Gewicht. Die Folge sind häufig Krankheiten wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und eine Verkalkung der Arterien, die wiederum das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts stark erhöhen. 
Auch die Gelenke und die Wirbelsäule leiden unter der Belastung durch das Übergewicht.
Oft kommt es außerdem zu Schlaf- und Atemstörungen.
Neben den körperlichen Folgen hat das Binge-Eating vorwiegend psychische Auswirkungen. Durch den Verlust der Kontrolle während der Essanfälle kommt es oft zu Selbsthass.
Außerdem wirkt sich die Binge-Eating-Störung wesentlich auf die allgemeine Stimmung und den Antrieb aus. Auftretende psychische Erkrankungen sind hier Depressionen, bipolare Störungen und Manien. Viele Betroffene leiden außerdem unter Angststörungen. Die Essstörung kann die Probleme stark verschlechtern, ebenso wie die psychischen Erkrankungen sich umgekehrt negativ auf den Verlauf der Binge-Eating-Disorder auswirken können.
In extremen Fällen führt die Binge-Eating-Störung zum Tod. Zwar ist das Risiko zu sterben geringer als bei der Magersucht, doch deutlich höher als bei gesunden Menschen. Insbesondere, wenn weitere psychische Störungen vorliegen, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Selbstmord.

Binge-Eating überwinden: Wie kann man die psychische Störung behandeln?

Je früher die Binge-Eating-Störung behandelt wird, desto größer ist auch die Chance, sie gut zu überwinden. Ziel der Behandlung ist es, ein normales Essverhalten herzustellen und die Bewältigung von Konflikt- und Beziehungssituationen zu verbessern. Die Auslöser für Essanfälle sollen identifiziert werden, um alternative Bewältigungsmaßnahmen zu erlernen.
Liegt ein Übergewicht vor, spielt bei den Betroffenen auch die Gewichtsabnahme eine wichtige Rolle in der Therapie. 

Je nachdem, wie stark ausgeprägt die Binge-Eating-Störung ist, erfolgt die Therapie entweder ambulant, in einer Tagesklinik oder mithilfe eines stationären Aufenthaltes. Die Kognitive Verhaltenstherapie und die Interpersonelle Therapie sind bei Binge-Eating effektive Therapiemaßnahmen. Es kann auch nach der Behandlung immer wieder zu Rückfällen kommen. Daher ist die Nachsorge bei der Therapie von Binge-Eating äußerst wichtig.

Kognitive Verhaltenstherapie

In der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es vor allem darum, das gesunde Essverhalten und Kontrollempfinden wieder zu erlernen. An dieser Stelle kommt oftmals ein Ernährungstagebuch zum Einsatz, in dem zusätzlich auch die Gefühle dokumentiert werden. Auslöser der Essanfälle wie Stress oder aufkommende negative Gefühle sollen so ermittelt werden. Gleichzeitig wird mit dem Patient an einer ausgewogenen und regelmäßigen Ernährung gearbeitet. 

Auf psychologischer Ebene soll das Selbstwertgefühl verbessert werden. Außerdem werden den Patienten Stressbewältigungsmaßnahmen näher gebracht, die anstelle des Essens genutzt werden sollen. So erlangt die betroffene Person nach und nach die Kontrolle über die Handlungen zurück und kann die Essstörung bekämpfen. Die Maßnahmen richten sich danach aus, selbst wieder Verantwortung zu übernehmen und Fähigkeiten zur Selbsthilfe zu erlernen.

Interpersonelle Therapie

Die Interpersonelle Therapie betrachtet vor allem die sozialen Faktoren, die eine Binge-Eating-Störung verursachen können. Es geht darum, eventuell gestörte zwischenmenschliche Beziehungen wieder zu verbessern. Auch die Konfliktlösung im Umgang mit anderen wird erlernt. Durch die gesteigerte soziale Kompetenz soll das Verlangen verringert werden, Probleme durch unkontrollierte Essattacken zu kompensieren. 

Kann man Binge-Eating mit Medikamenten behandeln?

Liegen neben der Binge-Eating Störung auch affektive Störungen wie Depressionen vor, ist es ratsam, diese zu behandeln. In der Regel wird die Erkrankung vor der eigentlichen Essstörung therapiert, da beispielsweise ein Patient mit starken Depressionen nicht in der Lage ist, seine Essstörung aktiv zu überwinden.

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zählen zu den Medikamenten, die einerseits antidepressiv wirken sowie den Antrieb verbessern und andererseits auch die Häufigkeit der Essattacken verringern.

Wer starke Schwierigkeiten hat, sein Essverhalten zu regulieren oder aufkommende Heißhungerattacken zu kontrollieren, kann in Absprache mit einem Arzt auch auf Nahrungsergänzungsmittel wie Vitalrin Sonnenkomplex zurückgreifen. Die Vitalrin Kapseln sorgen für ein schneller auftretendes und langanhaltendes Sättigungsgefühl und versorgen den Körper gleichzeitig mit allen wichtigen Vitaminen und Nährstoffen. Vielen fällt es so leichter, ihr Essverhalten in den Griff zu bekommen und Übergewicht zu reduzieren, ohne auf geregelte Mahlzeiten verzichten zu müssen.

Werden die Medikamente wieder abgesetzt, erhöht sich jedoch die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall. Daher sollte die Essstörung nicht ausschließlich medikamentös, sondern auch psychotherapeutisch behandelt werden.

Binge-Eating Test: Bin ich schon krank?

Im Internet finden sich zahlreiche Selbsttests, die darauf abzielen eine Essstörung zu erkennen. Sie können einen Anhaltspunkt darstellen, um mögliche Störungen wie Binge-Eating zu identifizieren, ersetzen aber keinesfalls die Diagnose durch einen Arzt!

Hinweis: Leiden Sie an einer Essstörung oder haben Personen in ihrem Umfeld, die vermutlich an einer Essstörung leiden, scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen. Oftmals ist auch der Kontakt per E-Mail möglich, wenn Sie den persönlichen Kontakt vermeiden möchten.