Politik will Segeberger Tafeln helfen

Kreis Segeberg. Die Tafeln im Kreis Segeberg arbeiten am Limit. Seit Beginn des Ukraine-Krieges verspüren sie einen starken Anstieg von Bedürftigen, gleichzeitig werden sinkende Lebensmittelspenden von den Supermärkten registriert. Zusätzlich wird die ehrenamtliche Hilfe durch steigende Energiekosten belastet. Die Kreispolitik will den vier Tafeln im Kreis Segeberg unter die Arme greifen, die Frage ist: Wie?

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Allein bei der Tafel in Kaltenkirchen war die Zahl der Bedürftigen seit Anfang des Jahres von wöchentlich 650 auf fast 1000 im Mai gestiegen. In Bad Bramstedt gibt es inzwischen einen Aufnahmestopp. In Bad Segeberg sind es bereits mehr als 1200 pro Woche. Auch fast vier Monate nach Kriegsbeginn in der Ukraine kommen immer noch weitere Bedürftige dazu, berichtet Bad Segebergs Tafel-Vorsitzende Kirsten Tödt. “Jede Woche werden neue Familien registriert.” Die vierte Tafel im Kreis ist in Norderstedt ansässig.

Steigende Preise: Segeberger Tafeln erwarten weitere Bedürftige

Zwar hat allgemein der Zustrom von Geflüchteten aus der Ukraine nach Deutschland abgenommen, mit einer Entspannung rechnet Tödt in Bad Segeberg sobald nicht. Wegen der stetigen Preissteigerung und der Inflation rechnet sie mit weiteren bedürftigen Segebergern in den kommenden Monaten, die sich an die Tafel wenden werden.

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Aktuell seien die Lebensmittelspenden „okay“, sagt Tödt. Das Kühlhaus ist zwar fast leer, es fehlt an Mehl, allgemein sinken die Spenden aus den Supermärkten, aber bisher habe man immer allen Kunden etwas geben können. „Das ist immer eine Momentaufnahme und wir wissen nicht, was noch kommt.“

Das Kühlhaus der Bad Segeberger Tafel ist fast leer. “Bisher können wir noch allen Bedürftigen etwas mitgeben”, sagt Vorsitzende Kirsten Tödt. Die Segeberger Tafeln stehen unter Druck – durch Flüchtlinge aus der Ukraine und hohe Energiekosten.

Die Kreispolitik möchte den vier Tafeln im Kreis Segeberg bei ihrer Arbeit helfen. Auf Initiative der CDU im Kreis-Sozialausschuss und der Unterstützung der anderen Fraktionen im Gremium, wurde die Verwaltung beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten, wie den Tafeln geholfen werden könne. Innerhalb eines Kostenrahmens von 50.000 Euro. Diese schlägt nun vor, jeder Tafel 10.000 Euro zur Verfügung zu stellen – für Lebensmittelgutscheine oder innerbetriebliche Aufwendungen, die nicht durch Spenden abgedeckt werden.

Kreispolitik will Tafeln mit bis zu 50.000 Euro helfen

“Es ist toll, dass man an uns denkt und uns helfen will”, sagt Kirsten Tödt. Da die Tafeln in erster Linie Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten, aber nicht zukaufen sollen laut eigenem Leitbild, wünscht sich Kirsten Tödt aus Bad Segeberg Unterstützung bei den Energieausgaben. “Wir geben bisher im Monat 400 Euro für Strom und Wärme aus”, sagt Tödt. Für den Kühl- und Gefrierraum sowie die Wallbox für den E-Transporter. Angesichts der steigenden Energiepreise macht sie sich Sorgen um Nachzahlungen.

Mit einer Photovoltaikanlage könnte Energie gespart werden, das würde am Ende allen helfen, sagt sie. Hier könnte die Tafel einen Zuschuss gebrauchen, denn der Verein lebe ausschließlich von Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Aber auch eine Waschmaschine für die Arbeitskleidung würde helfen oder wetterfestes Mobiliar. Seit der Pandemie erfolgt die Lebensmittelausgabe an der Efeustraße hauptsächlich im Außenbereich.

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Lebensmittel zukaufen widerspricht dem Leitbild der Tafeln

Aus Kaltenkirchen und Bad Bramstedt kommt vor allem der Ruf nach Unterstützung bei der knappen Lebensmittelversorgung. „Wir sind sehr von den zurückgehenden Lebensmittelspenden bei gleichzeitig stark ansteigenden Kundenzahlen betroffen“, meldet etwa die Bad Bramstedter Tafel auf eine Bedarfsabfrage durch die Kreisverwaltung zurück. Ähnlich äußern sich die Kaltenkirchener. Sie wünschen sich daher Hilfe bei der Versorgung der Bedürftigen, etwa durch gemeinsame Einkäufe beim Großhändler. Auch wenn das Leitbild der Tafeln eigentlich keine Zukäufe vorsieht.

Wenn eine Geldzuwendung an die Tafel mit dem Hinweis „Zuschuss für Lebensmittel“ versehen ist, sei es möglich, Nahrung zuzukaufen, argumentieren die Bad Bramstedter. Das bestätigt auch Kirsten Tödt in Bad Segeberg. So machten es Privatspender, die etwa Mehl abgeben wollen, aber nicht persönlich vorbei bringen können und stattdessen Geld überweisen mit Zweckbindung.

Sozialausschuss diskutiert Hilfe für Segeberger Tafeln

Kurz vor den Beratungen im Sozialausschuss am Donnerstag, 16. Juni, 18 Uhr im Kreistagssitzungssaal in Bad Segeberg, hat die CDU einen eigenen Antrag zur möglichen Mittelverteilung eingereicht. Er zielt deutlich auf Lebensmittelzuschüsse ab: Statt jeder der vier Tafeln 10.000 Euro zuzusprechen, möchte die Fraktion die Tafeln prozentual in Abhängigkeit zur Kundenzahl unterstützen mit insgesamt bis zu 40.000 Euro.

Der Kreis solle eine Kostenübernahmeerklärung ausstellen, mit der die Tafeln dann Lebensmittel einkaufen können, lautet der Vorschlag. Zusätzlich sollen jeder Tafel im Kreis jeweils 2500 Euro für innerbetriebliche Ausgaben zur Verfügung gestellt werden.

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Egal wie sich die Kreispolitiker entscheiden: „Wir sind für jede Hilfe dankbar“, sagt Tödt.