Pflanzliche Lebensmittel angeraten – Heilpraxis

Wie sich eine überwiegend pflanzliche Ernährung auf die Herzgesundheit auswirkt, wurde in zwei großen Langzeitstudien untersucht. (Bild: sonyakamoz/stock.adobe.com)

Risiko für Herzkrankheiten sinkt durch pflanzliche Ernährung

Eine Ernährung mit Fokus auf nährstoffreichere, pflanzliche Lebensmittel ist laut zwei aktuellen Studien mit einem geringeren Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen verbunden. Eine möglichst frühe Umstellung der Ernährung kann vor späteren Herzproblemen bewahren.

Forschende der American Heart Association stellen die Ergebnisse von zwei Ernährungsstudien vor, die kürzlich im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht wurden. In den zwei separaten Arbeiten wurden die Auswirkungen des Verzehrs gesunder pflanzlicher Lebensmittel auf die Herzgesundheit in verschiedenen Gruppen untersucht.

Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung

In der ersten Studie mit dem Titel „A Plant-Centered Diet and Risk of Incident Cardiovascular Disease during Young to Middle Adulthood“ untersuchte eine Arbeitsgruppe, ob eine langfristige pflanzenzentrierte Ernährung beziehungsweise eine Umstellung auf diese Ernährungsform mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Lebensmitte verbunden ist.

„Frühere Forschungen konzentrierten sich auf einzelne Nährstoffe oder einzelne Lebensmittel, aber es gibt nur wenige Daten über eine pflanzenbetonte Ernährung und das langfristige Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, berichtet Studienhauptautor Yuni Choi von der University of Minnesota School of Public Health in Minneapolis.

30 Jahre Beobachtung

Das Team um Choi dokumentierte die Ernährung und das Auftreten von Herzkrankheiten bei 4.946 Erwachsenen. Die Teilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Aufnahme in den Jahren 1985 und 1986 zwischen 18 und 30 Jahre alt und hatten zu diesem Zeitpunkt keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bis zum Jahr 2016 mussten alle Probandinnen und Probanden an acht umfangreichen Untersuchen in regelmäßigen Abständen teilnehmen.

Die Teilnehmenden erhielten in der rund 30-jährigen Beobachtungszeit keine Vorgaben oder Empfehlungen für einen bestimmten Lebensstil. Die Forschenden konnten auf diese Weise unvoreingenommene und langfristige Daten zu selbstgewählten Ernährungsgewohnheiten sammeln.

Einteilung nach Ernährungsgewohnheiten

Nach ausführlichen Interviews zur bevorzugten Ernährung aus 46 Lebensmittelgruppen ordneten die Forschenden anhand der sogenannten „A Priori Diet Quality Score (APDQS)“ die Teilnehmenden in Gruppen ein. Die erste Gruppe bestand aus Personen, die viele als gesund geltende Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Bohnen, Nüsse und Vollkornprodukte aßen. In der zweiten Gruppe waren Personen, die überwiegend Lebensmittel wie Kartoffeln, raffiniertes Getreide und mageres Fleisch konsumierten. Menschen mit Vorliebe für fettreiches rotes Fleisch, salzige Snacks, Gebäck und Softdrinks wurden in der dritten Gruppe zusammengefasst.

„Im Gegensatz zu bestehenden Bewertungen der Ernährungsqualität, die in der Regel auf einer geringen Anzahl von Lebensmittelgruppen beruhen, erfasst APDQS die Gesamtqualität der Ernährung anhand von 46 einzelnen Lebensmittelgruppen und beschreibt damit die gesamte Ernährung, die die Allgemeinbevölkerung üblicherweise zu sich nimmt“, betont Studienleiter Professor David E. Jacobs. Eine hohe Gesamtqualität wurde in erster Linie durch eine Ernährung erzielt, die überwiegend aus gesunden, pflanzlichen Lebensmitteln besteht.

Ergebnisse der ersten Studie

Nach der Auswertung der in der Studie gesammelten Daten kamen die Forschenden zu folgenden Kernergebnissen:

  • Während der über 30-jährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten 289 der Teilnehmenden an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, herzbedingte Brustschmerzen oder Arteriosklerose.
  • Die 20 Prozent der Teilnehmenden mit der besten Bewertung der Ernährungsqualität hatten ein um 52 Prozent geringeres Risiko als der Durchschnitt, eine Herzkrankheit zu entwickeln.
  • Diejenigen, die vor dem 50. Lebensjahr ihre Ernährung auf eine überwiegend pflanzliche Kost umstellten hatten ein um 61 Prozent geringeres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, als die Teilnehmenden, die sich überwiegend ungesund ernährten.

Tierische Produkte müssen nicht ausgeschlossen werden

Die Forschenden weisen darauf hin, dass es unter den Teilnehmenden nur wenige reine Vegetarierinnen und Vegetarier gab. „Eine pflanzenbetonte Ernährung ist nicht unbedingt vegetarisch“, erläutert Choi. Tierische Produkte in Maßen wie Geflügel, Fisch, Eier und fettarme Milchprodukte scheinen keine negativen Effekte zu haben.

Einschränkung der Studienergebnisse

Die Forschenden weisen darauf hin, dass es sich bei der Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt. Eine kausale Beziehung zwischen der Ernährung und der Entstehung von Herzkrankheiten könne in dieser Arbeit somit nur nahegelegt, nicht aber nachgewiesen werden.

Schutz vor Herzkrankheiten nach der Menopause

In der zweiten vorgestellten Studie mit dem Titel „Relationship Between a Plant-Based Dietary Portfolio and Risk of Cardiovascular Disease” untersuchte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Simin Liu, ob eine Ernährung, die überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht, mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Die Teilnehmenden waren alle Frauen nach der Menopause.

Was ist eine Portfolio-Diät?

Die sogenannte Portfolio-Diät umfasst überwiegend Nüsse, pflanzliches Eiweiß aus Soja, Bohnen oder Tofu, Ballaststoffe aus Hafer, Gerste, Okra, Auberginen, Orangen, Äpfeln und Beeren, Pflanzensterine aus angereicherten Lebensmitteln sowie einfach ungesättigte Fette aus Oliven- bzw. Rapsöl und aus Avocados. Bereits zwei randomisierte Studien haben zuvor nahegelegt, dass die Portfolio-Diät zu einer signifikanten Senkung des „schlechten“ LDL-Cholesterins führt und zwar in einem ähnlichen Maße, wie cholesterinsenkende Statine.

Die Studie umfasste 123.330 Frauen in den USA, die an einer nationalen Langzeitstudie teilnahmen, die sich mit Risikofaktoren, Prävention und Früherkennung schwerer Gesundheitsstörungen bei Frauen nach den Wechseljahren befasst. Die Teilnehmerinnen wurden zwischen den Jahren 1993 und 1998 in die Studie aufgenommen. Sie waren zu diesem Zeitpunkt zwischen 50 und 79 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betrug 62 Jahre. Alle Probandinnen hatten bei der Aufnahme keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Kohorte wurde bis zum Jahr 2017 beobachtet. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 15,3 Jahre.

Ergebnisse der zweiten Studie

Anhand von Ernährungsfragebögen wurde ermittelt, welche Probandinnen sich am ehesten an die Portfolio-Diät hielten. Bei der Auswertung kam das Team zu folgenden Ergebnissen: Im Vergleich zu Frauen, die die Portfolio-Diät weniger genau befolgten, hatten diejenigen mit der engsten Ausrichtung ein um elf Prozent geringeres Risiko für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein um 14 Prozent geringeres Risiko für eine koronare Herzkrankheit sowie ein um 17 Prozent niedrigeres Risiko für Herzinsuffizienz. Zudem gab es keinen Zusammenhang zwischen einer konsequenten Befolgung der Portfolio-Diät und dem Auftreten von Schlaganfällen oder Vorhofflimmern.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Portfolio-Diät Vorteile für die Herzgesundheit bringt“, resümiert der leitende Studienautor Professor Dr. John Sievenpiper. Die Forschenden vertreten die Ansicht, dass die Ergebnisse eine Möglichkeit aufzeigen, wie Herzkrankheiten verringert werden können, indem man Menschen dazu ermutigt, mehr pflanzliche Lebensmittel zu konsumieren.

Mehr hilft mehr

„Wir haben in unserer Studie auch eine Dosis-Wirkung-Beziehung festgestellt, was bedeutet, dass man klein anfangen kann, indem man jeweils eine Komponente der Portfolio-Diät hinzufügt, und dass man mehr Vorteile für die Herzgesundheit erhält, wenn man mehr Komponenten hinzufügt“, fügt Studienhauptautorin Andrea J. Glenn hinzu.

Einschränkung der Studie

Auch bei der zweiten Studie handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen kausalen Zusammenhang erklären kann. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass die Arbeit aufgrund des Studiendesigns den bislang zuverlässigsten Hinweis für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Herzgesundheit liefert.

Ernährungsempfehlung der American Heart Association

Die American Heart Association empfiehlt eine Ernährungsweise, bei der der Schwerpunkt auf einer Vielzahl von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten, Geflügel und Fisch, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie auf Pflanzenölen mit ungesättigten Fettsäuren liegt. Außerdem rät die Fachgesellschaft dazu, den Konsum von gesättigten Fetten, Transfetten, Natrium, rotem Fleisch, Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken stark einzuschränken. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • American Heart Association: The American Heart Association Diet and Lifestyle Recommendations (Stand: 15.08.2017), heart.org
  • Yuni Choi, Nicole Larson, Lyn M. Steffen, et al.: Plant‐Centered Diet and Risk of Incident Cardiovascular Disease During Young to Middle Adulthood; in: Journal of the American Heart Association, 2021, ahajournals.org
  • Andrea J. Glenn, Kenneth Lo, David J. A. Jenkins, et al.: Relationship Between a Plant‐Based Dietary Portfolio and Risk of Cardiovascular Disease: Findings From the Women’s Health Initiative Prospective Cohort Study; in: Journal of the American Heart Association, 2021, ahajournals.org
  • Journal of the American Heart Association Report: Eating more plant foods may lower heart disease risk in young adults, older women (veröffentlicht: 04.08.2021), eurekalert.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.