Neues Buch von Cornelia Diesenreiter: Raus aus der (nachhaltigen) Diät-Falle

„Nachhaltig gibt’s nicht“: Cornelia Diesenreiter räumt in ihrem ersten Buch mit Plastik-Scham und Vegan-Terror auf.

WIEN. Angefangen hat alles mit der Fernseh-Premiere von „Ein Schweinchen namens Babe“ und der acht-jährigen Cornelia zu Weihnachten 1995: „Damals wurde mir so richtig bewusst, dass mein Schnitzel und mein Schinken den Tod eines fühlenden Lebewesens bedeuten. Und dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen Haus- und Nutztieren gibt“, so Cornelia Diesenreiter. Der Entschluss, Vegetarierin zu werden, wurde noch während des Abspanns gefasst – hielt aber dank begnadeter Köchinnen traditioneller Hausmannskost in ihrer Familie genau zwei Tage lang. Positive Gefühle und Genuss versus der Tatsache zu wissen, was es bedeutet, Fleisch zu essen: Ganze sieben Jahre sollte es noch dauern, bis Diesenreiter tatsächlich Vegetarierin wurde.

„Ich wollte einfach schon als Kind niemand Leid zufügen – nicht Menschen, nicht Tieren, nicht der Natur. Erst viel später habe ich gemerkt, dass das Nachhaltigkeit heißt“. Drei Studienabschlüsse, ein ökosoziales Unternehmen zur Rettung von überschüssigem Obst und Gemüse und ganze 25 Jahre später gesteht Diesenreiter sich ein, dass sie an diesem Ziel gescheitert ist – und hat genau darüber ihr erstes Buch geschrieben.

Die Gretchenfragen der Nachhaltigkeit

„Nachhaltig gibt’s nicht“ prangt in dicken Lettern am Cover. Eine extreme Aussage, um Extreme geht es Diesenreiter aber keinesfalls in ihrem 157 Seiten starken Werk. Vielmehr darum „dass Nachhaltigkeit alle Menschen braucht. Denn nur gemeinsam können wir wirklich was bewegen.“ Das Ziel: nachhaltig werden – ohne erhobenen Zeigefinger oder Mode-Erscheinungen wie „Flight Shaming“. „Denn wer auf zu viel verzichtet, hat den Diät-Effekt: Das hält man nicht lange durch und Spaß macht das schon gar keinen.“ Sprich: Jeder muss schauen, was er oder sie in ihrem oder seinem Leben braucht. „Wenn ich das Vollbad am Abend brauche, um mich zu entspannen, wird’s mir nix bringen, wenn ich auf die energieeffiziente Dusche umsteige.“

Oder wie Diesenreiter von sich selbst sagt: „Wenn ich noch Reste vom Mittagessen im Kühlschrank habe, eine Freundin mich aber spontan zum Abendessen einlädt, werd ich das nicht absagen. Da ist das soziale Bedürfnis größer als der Wunsch, möglichst keine Lebensmittel zu verschwenden.“

Ausnahmen sind also erlaubt und sogar erwünscht – in Mini-Schritten zum Erfolg quasi. Gescheitert ist auch Diesenreiter selbst bei ihrem Versuch, sämtlichen tierischen Produkten grundsätzlich zu entsagen. „Ich hab mir immer gedacht, dass ich vegan leben sollte. Aber meine Liebe zu Käse und vor allem Käse-Pizza verhindert das bis heute. Bin ich also kläglich gescheitert? Nein.“ Die Alternative: „Ich lebe lacto-vegetarisch, also mit Milch und Milchprodukten, aber ohne Eier. Jeder muss seine eigene Grenze kennen.“

Regional oder mit Plastikfolie kaufen?

Denn eines ist klar: Nachhaltige Konsequenzen hat alles – vom Material der Matratze, auf der man schläft, bis zur Frage, woraus das eigene Shampoo besteht. Lebensmitteln kommt jedoch ein besonderer Stellenwert in Sachen Nachhaltigkeit zu. Und die Frage, was man noch mit gutem Gewissen im Supermarkt kaufen kann, ist alles andere als einfach zu beantworten. Das allein sieht man schon am Beispiel der Gurke. „Regional zu kaufen, ist nicht alles. Im Winter Gurken in einem Glashaus in Österreich zu ziehen, bedeutet einen enormen Energie-Aufwand – vergleichbar mit dem, wenn das Gemüse per Schiff aus Süd-Italien kommt.“ Oder die Causa Plastik: „In Folie eingepackte Gurken haben den Vorteil, dass sie wochenlang haltbar sind. Lässt man die Folie einfach weg, wird die Gurke innerhalb kürzester Zeit schrumpelig und schlecht. So hilft Plastik, Lebensmittel nicht unnötig zu verschwenden.“

Nachhaltige Entscheidungen können also ziemlich schwierig sein. Diesenreiter will mit ihrem Buch – „kein Ratgeber, sondern ein Begleiter“, wie sie es selbst beschreibt – die Angst davor nehmen: „Wir sind nicht perfekt. Wichtig ist, einfach irgendwo zu beginnen. Jede nachhaltige Handlung ist besser als keine – ob das jetzt die Entscheidung ist, das erste Mal Fair Trade Kaffee zu kaufen oder mal Naturkosmetik auszuprobieren.“

Zur Sache: “Nachhaltig gibt’s nicht”

“Nachhaltig gibt’s nicht” hat 176 Seiten und ist im Molden Verlag erschienen. Das Buch gibt’s ab sofort um 22 Euro im Handel.