Neuer Trend “Ketogene Diät”: Keto-Diät für Sportler und Patienten

Als Geheimtipp gilt die ketogene Diät unter Sportlern. Sie soll dabei helfen, Muskeln aufzubauen, die Leistung zu steigern und vor einem Wettkampf rasch das Gewicht reduzieren. „Für Leistungssportler ist diese Diät kurzfristig zu empfehlen, vor allem im Kraftsport“, sagt Kuno Hottenrott, Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft.

Wenn sich junge Sportler für ein paar Wochen auf diese Weise ernähren, profitieren sie tatsächlich: Die Muskeln werden dadurch zwar nicht aufgebaut – „diesen Effekt bewirkt ausschließlich Training“, sagt Hottenrott. Doch die Muskeln zeichnen sich besser unter der Haut ab, sind klarer definiert – einfach weil die ketogene Diät entwässert. Zusätzlich bildet der Körper mehr Kraftzellen.

Übersäuerung macht die Muskeln schlapp

Allerdings sollten Sportler das Risiko der Übersäuerung (Ketoazidose) beachten. Das bedeutet, die Muskeln machen schlapp. „Fett-Eiweiß-Diäten wie die ketogene Diät bergen dieses Risiko“, warnt auch Hottenrott.

Mehr Obst und Gemüse essen und viel Wasser trinken schützen davor. Sinnvoll sind natürliche Wässer mit einem hohen pH-Wert und reich an Hydrogencarbonat, die eine Übersäuerung abpuffern. Ähnlich wirken basische Mineralstoffe.

Ist die ketogene Diät auch im Ausdauersport sinnvoll oder für Freizeitsportler? Hottenrott, der sich auf Ernährung und Sport spezialisiert hat, sieht das kritisch. Für Dauerbelastungen, etwa langes Joggen oder eine Klettertour sollten die Glykogenspeicher in den Muskeln gut gefüllt sein – was ohne Kohlenhydrate nicht möglich ist.

Ketogene Diät in der Medizin – auch vegetarisch ist möglich

Eine ganz andere Rolle spielt die ketogene Diät bei manchen Krankheiten. „Dabei ist es jedoch wichtig, die richtige Zusammensetzung der Nährstoffe zu beachten“, erklärt Ulrike Kämmerer, Biologin von der Universitätsklinik Würzburg. Die tägliche Energiemenge (Kalorienmenge) soll sich am besten wie folgt zusammensetzen:

  • 70 Prozent Fett,
  • 30 Prozent Eiweiß und Kohlenhydrate, davon mehr Eiweiß

In Gewichtsangaben sind das exakt vier Gramm Fett auf eineinhalb Gramm Eiweiß und ein halbes Gramm Kohlenhydrate.

Das Fett sollte hochwertig sein. Als Fettlieferant eignen sich am besten:

  • Gute Pflanzenöle wie Rapsöl, Olivenöl und Kokosöl
  • Fette Nüsse wie Macadamia
  • Avocado
  • Vollfettprodukte wie Sahne

„Wenn Sie Blattsalat mit Olivenöl und einer Avocado anrichten, entspricht das etwa diesen Vorgaben“, erklärt Kämmerer. Mit den kalorienreichen Ölen wird rasch die entsprechende Energiemenge erreicht.

Gemüse und Obst sind zusätzlich wichtige Bestandteile dieser medizinischen ketogenen Diät. „Ketogene Diät kann also durchaus vegetarisch sein“, sagt Kämmerer. Dazu gehören Pflanzenöle, Nüsse, Gemüse, Obst und einige Milchprodukte sowie Eier.

Oft würde ketogene Diät jedoch missverstanden und Fett mit Bergen von Fleisch und Fisch gleichgesetzt. In diesem Fall würde durch die hohen Eiweißmengen Übersäuerung drohen.

Ketogene Diät gegen Epilepsie und vielleicht auch Alzheimer

Ketogene Diät ist beispielsweise bei Epilepsie anerkannt zur Unterstützung der Behandlung. „Manche Patienten werden mit der Fett-Diät sogar anfallsfrei“, sagt die Expertin. Die genaue Ursache dafür steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch, dass die Ketone…

  • in den Gehirnstoffwechsel eingreifen und die für Epilepsie typische Übererregung der Nervenzellen reduzieren.
  • eine wichtige Energiequelle für Neurone bilden, die damit besser arbeiten können.
  • Entzündungsreaktionen bremsen.

Auch für Alzheimer-Patienten könnte die ketogene Diät in Zukunft eine Rolle spielen. Denn das Gehirn braucht als Energiequelle Zucker – oder Ketonkörper. „Das Gehirn von Alzheimer-Patienten kann Zucker nicht mehr verwerten, Ketonkörper jedoch problemlos“, sagt Kämmerer.

Unter kohlenhydratreicher Kost würde das Gehirn also auf Dauer buchstäblich verhungern. Ketogene Diät könnte das verhindern.

Ketogene Diät als Krebs-Diät

Auch Krebspatienten könnten von ketogener Diät profitieren. Die Biologin forscht seit Jahren auf diesem Gebiet und schreibt der speziellen Fett-Diät mehrere positive Wirkungen bei Krebs zu:

  • Sie wirkt antientzündlich – bekanntlich spielen Entzündungsreaktionen bei Krebs eine große Rolle.
  • Weil sich der Stoffwechsel durch Krebs ändert, benötigen die Muskeln mehr Fett, mit dem sie eine ketogene Diät optimal versorgt.
  • Ketonkörper können vor allem aggressiv wachsende Krebszellen bremsen.

Selbstverständlich sei jedoch die Diät keine alleinige Therapie, sondern nur eine Ergänzung. Die Gefahr von Nebenwirkungen, die gerade unter längerer Durchführung der Diät drohen könnten, sieht Kämmerer kaum – wenn die Ernährung vernünftig erfolgt, also ohne zu viel Eiweiß von Fleisch und Fisch, dafür mit mehr gesunden Fettquellen.

Keto-Ernährung gegen Epilepsie

Kinder mit Epilepsie kommen mit der Diät gut zurecht, obwohl sie sich rund zwei Jahre lang auf diese Weise ernähren. Nach dieser Zeit ist die neurologische Krankheit oft verschwunden.

Krebspatienten führen die ketogene Diät meist kurmäßig durch, etwa in akuten Stadien für vier bis acht Wochen. Danach wechseln sie oft zu einer Low-Carb-Diät wie der Logi-Diät (Low Glycemic Index) – mit viel Obst und Gemüse, Fisch, Geflügel, Eiern, Milch- und Vollkornprodukten.

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