Nagold: Regionalität bleibt ein wichtiges Ziel – Nagold & Umgebung

Mit den Metzgermeistern Herbert Reinhardt aus Iselshausen (rechts) und Uwe Wiedmaier aus Glatten (links) traf sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel zum Fachgespräch.Foto: Büro Fuchtel Foto: Schwarzwälder Bote

Ernährung: Metzger mit eigener Schlachtung sehen sich vor Herausforderungen / Fuchtel vor Ort

Egal ob es ums Tierwohl, Hygiene oder gesunde Ernährung geht – die Debatten ums Fleisch werden oft emotional geführt. Dass das aktuell nicht die einzigen Herausforderungen für die kleinen regionalen Metzger sind, erfuhr Hans-Joachim Fuchtel bei einem Besuch bei zwei Metzgermeistern.

Nagold/Glatten. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel traf sich auf seiner jüngsten Wahlkreis-Tour in Nagold-Iselshausen mit Metzgermeister Herbert Reinhardt und dem Obermeister der Metzger-Innung Freudenstadt, Uwe Wiedmaier aus Glatten.

Den beiden Handwerkern, die den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) um das Gespräch gebeten hatten, ging es um regionale Wirtschaftskreisläufe, Tierhaltung und Schlachtung.

“Unsere Tätigkeit kann man nicht romantisieren”

“Landwirtschaft und schon gar nicht unsere Tätigkeit kann man nicht romantisieren”, meinte Obermeister Wiedmaier, in dessen Augen die Diskussion ums Schlachten zu emotional geführt wird. Er vermisse den Austausch von Sachargumenten.

Wiedmaier ist Betreiber eines eigenen Schlachthauses in Glatten, während Herbert Reinhardt sein Schlachthaus in Gündringen nutzt. Die beiden Metzgermeister berichteten dem CDU-Politiker, der noch bis Ende September den Wahlkreis Calw/Freudenstadt in Berlin vertritt, von intensiver Überwachung und Kontrolle der Betriebseinrichtungen, so dass der Verbraucher stets einwandfreie Lebensmittel beim örtlichen Metzger erwarten könne.

Themen des Gesprächs waren auch die Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern sowie die Initiative eines Metzgers aus dem Enzkreis zum fachlichen Austausch zwischen Behörde und Handwerk. Der kooperative Umgang sei entscheidend, sind sich die Metzgermeister einig. In der Gesamtregion funktioniere das unterschiedlich. Jedenfalls wollten Reinhardt und Wiedmaier über dieses Gespräch hinaus Signale senden, wie das eine oder andere verbessert werden könne.

Zur Frage des künftigen Fleischkonsums sagte Reinhardt: “Meine Überzeugung ist, dass das menschliche Wesen kein reiner Vegetarier ist.” Er sei der Meinung, dass “auch Fleisch zur gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört”.

Der ganzheitliche Ansatz ist ihm dabei wichtig: “Ich schlachte ein Tier und verarbeite es komplett.” Die Herausforderung für die lokalen Metzgereien mit eigener Schlachtung sei, dass die Gesamtverwertung in einer Region ohne den Export von einzelnen Bestandteilen, die hierzulande nicht so gerne verzehrt werden, schwierig sei. Andererseits waren sich die Metzger mit Hans-Joachim Fuchtel einig, dass die Regionalität ein ganz wichtiges Ziel ist, das unbedingt im Blick behalten werden müsse: “Wir wissen, wo das Vieh herkommt, stehen mit den Landwirten in engem Kontakt und versuchen die Transporte aus Gründen des Tierwohls kurz zu halten.”

In dieser Region sei die öffentliche Diskussion zu Tierhaltung und Schlachtung allerdings nicht so emotional aufgeladen, unterstrichen die beiden Vertreter ihres Handwerks. Nur ein vernünftiger Dialog werde die Weiterführung der Betriebe durch Motivation der nächsten Generation möglich machen.

Auf Bitten des CDU-Politikers tauschte man sich außerdem über Produktionsverfahren und Rezepturen für Wurstwaren aus, insbesondere in Bezug auf die Bestandteile. Es sei erforderlich, sich stärker mit der Überprüfung der Inhaltsstoffe zu befassen und auf sich ändernde Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung zu reagieren.

Hier sieht der Parlamentarische Staatssekretär ein weiteres Gesprächsfeld, das bis ins Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) führe, welches auch für das große Feld der Ernährung zuständig sei. Es gehe um die Reduktion von Fett, Salz und Zucker in Lebensmitteln.

“Es braucht eine enge Kooperation aller Beteiligten”

Fuchtel lud seine Gesprächspartner zum fachlichen Austausch mit dem Max-Rubner-Institut nach Karlsruhe ein, das seine Forschungen im Auftrag des Bundes auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz im Bereich Ernährung konzentriert. Dort könne man sich über die Gestaltungsspielräume aufgrund neuester Forschungsergebnisse austauschen.

Der Parlamentarische Staatssekretär würdigte abschließend das Engagement der Metzgermeister: “Das deutsche Metzgerhandwerk in der Fläche zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel. In der heutigen Zeit braucht es dazu tatsächlich die enge Kooperation aller Beteiligten.”