Lebensmittel wird knapp bei Edeka, Lidl und Aldi – der Grund ist kurios

Nach Speiseöl und Mehl droht das nächste Nahrungsmittel knapp und teuer zu werden. Auslöser dafür ist aber primär nicht der Krieg in der Ukraine.

Mannheim – Für immer mehr Alltags-Produkte müssen Verbraucher deutlich mehr zahlen, als noch 2021. Faktoren wie der Krieg in der Ukraine, aber auch Missernten und die Sanktionen gegen Russland treiben in vielen Bereichen die Preise massiv nach oben. Und ein Ende der Teuer-Welle ist laut Experten nicht in Sicht. Im Gegenteil: Im Rahmen einer Studie hatten Forscher ermittelt, dass die Verbraucher-Preise 2022 weiter anziehen werden, berichtet BW24.

Aldi, Lidl oder Edeka: Nächstes Lebensmittel droht knapp zu werden – Hartweizen fehlt

„Das Schlimmste kommt auf die Verbraucher erst noch zu“, sagt Aurélien Duthoit, Senior Volkswirt und Branchenexperte bei Allianz Trade, der an der Studie zur Entwicklung der Lebensmittel-Preise in Deutschland (mehr Verbraucher-News auf BW24) beteiligt war. Wie massiv solche Preisanpassungen ausfallen können, zeigte sich kurz nach Kriegsbeginn am knappen und teuren Speiseöl in allen Supermärkten und Discountern.

Für einen gewaltigen Shitstorm hatte etwa das fünf Euro teure Sonnenblumenöl von Kaufland gesorgt, das der Handelsriese in der 1-Liter-Flasche verkauft hatte. Ob den Verbrauchern bei vielen Nudelprodukten bald ähnliche Preissprünge begegnen? Die Mühlen-Gruppe Goodmills am Standort Mannheim hat im Moment ein Problem mit Hartweizen-Lieferungen. Gerade diese Zutat ist für die Produktion vieler Nudelsorten wichtig – und nicht leicht zu ersetzen.

Nudeln aus Hartweizengrieß könnten knapper werden: Mühlen-Chef verrät simplen Grund

Dabei hieß es, dass Deutschland bei Getreide nahezu Selbstversorger und damit von Importen unabhängig sei. Dies sei zwar der Fall, sagte Anne-Kristin Barth vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) vor wenigen Wochen im Interview mit BW24 zur angespannten Getreide-Situation in Deutschland. Doch bei gewissen Sorten wie Hartweizengrieß oder Hafer sei man auf ausländische Importe angewiesen.

Die kommen der Expertin zufolge aus Ländern wie Kanada oder Frankreich. Auch Goodmills bezieht seine Hartweizen-Lieferungen aus diesen Staaten – in großen Teilen aber aus Frankreich, wie Geschäftsführer Markus Schüler der Welt erklärt.

Jetzt müssen diese vielen Tonnen Weizen aber aus Frankreich nach Mannheim in Baden-Württemberg gebracht werden, wo sie von der Mühlen-Gruppe verarbeitet und an die Nudel-Produzenten ausgeliefert werden – und genau hier hakt es.

Seit Ausbruch des #Ukraine-Krieges sind die Weltmarktpreise für Weizen so stark gestiegen wie zuletzt in der Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008. Im #DashboardDeutschland zeigen wir tagesaktuell die Entwicklung. Ein Blick lohnt sich: https://t.co/aqWzTxkxem pic.twitter.com/rMctnxxwgs

— Statistisches Bundesamt (@destatis) June 24, 2022

Nächstes Lebensmittel wird knapp: Hartweizen hängt im Ausland fest wegen der Bahn

Bisher hatte das Unternehmen die Hartweizen-Lieferungen mit der Bahn nach Deutschland transportiert. Aber das geht nicht mehr, denn die Bahn-Gütersparte DB Cargo hat die Zusammenarbeit für den von Schüler verantworteten Mühlen-Standort in Mannheim aufgekündigt. Bisher war immer ein eigens gecharterter Zug zwischen Mannheim und Frankreich gependelt. Als Grund für das Aus nennt die DB Cargo die „aktuelle produktionelle Lage“.

In einer E-Mail der DB Cargo, die der Welt vorliegt, heißt es außerdem, dass ein sich noch in Frankreich befindlicher Zug mit 16 Wagen nach intensiver Prüfung abfahren werde. Für Schüler und seine Kollegen ist das nur ein schwacher Trost. Rund 5.000 Tonnen Hartweizen würden noch in Frankreich lagern. „Und die müssen schnellstmöglich abgeholt werden, denn die neue Ernte drückt schon in Kürze in die Lager“, sagt der Manager. An Lösungen wird gearbeitet.

Nudelpreise könnten bald steigen – „geben gestiegene Transportkosten weiter“

Schüler: „Wir versuchen nun Lkw-Kapazitäten und Kanalschiffe zu bekommen.“ Das Problem hier ist, dass kleinere Kanalschiffe oder Lkws lediglich einen Bruchteil der Menge eines Pendelzugs transportieren können. Zwischen 1.500 und 1.800 Tonnen Hartweizen sind pro Zugfahrt möglich. Zum Vergleich: Auf einem Schiff sind es rund 700 Tonnen pro Fahrt, im Lkw sogar nur 25. „Der Transport wird damit deutlich teurer“, sagt Schüler im Welt-Gespräch.

Und das werden am Ende auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen, wenn sie am Nudel-Regal stehen. Die Mühle gebe die gestiegenen Transportkosten bei den nächsten Vertragsabschlüssen an die Nudelproduzenten weiter, sagt Schüler. Diese wiederum werden dann voraussichtlich Aufpreise vom Lebensmitteleinzelhandel verlangen. Am Ende der Kette steht dann der Verbraucher, der pro Nudelpackung tiefer in die Tasche greifen muss.

Werden jetzt auch Nudeln bei Aldi, Lidl und Edeka knapp?

© Andre Lenthe Fotografie/Imago

Facebook-User entsetzt wegen Nudel-Problem – „Bevölkerung geht klauen“

„Abzock-Preise“ drohen, schreibt dazu ein Nutzer auf Facebook. Drastische Worte findet eine andere Userin, sie ist der Meinung: „Irgendwann geht die Bevölkerung klauen, weil man sich nichts mehr leisten kann.“ Schon heute seien die Nudeln teilweise doppelt so teuer, wie noch vor einem Jahr, so eine andere. Neben der Deutschen Bahn wird auf Facebook auch oft die Politik mit Blick auf das Nudel-Problem kritisiert. Der Staat müsse endlich tätig werden, lautet etwa ein Kommentar.

„Unsere Politiker leben wie die Made im Speck, wie man jetzt wieder bei den Kosten für den G7-Gipfel gut erkennen kann“, heißt es noch. Dazu ergänzt eine andere Facebook-Userin: „Die Bahn kann also nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden.“ Unklar ist noch, wie stark sich die Lieferprobleme in den Verbraucher-Preisen niederschlagen werden. Problematisch ist aber, dass aktuell mehrere Lebensmittel von teils massiven Preissprüngen betroffen sind.

Rubriklistenbild: © Andre Lenthe Fotografie/Imago