Lebensmittel werden teurer – Landwirtschaft in MV unter Druck

Milch, Butter, Fleisch werden teurer. Die Verbraucher in MV müssen mit einer weiteren Preisspirale bei Lebensmitteln rechnen. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik stiegen die Nahrungsmittelpreise allein im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um sechs Prozent.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Neben der Inflation und steigenden Energiepreisen wirken nach Angaben der Verbraucherzentrale in MV weiter Lieferengpässe und die Corona-Pandemie als Preistreiber.

Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse?

„Im Sinne der Verbraucher, besonders der schwächsten, finden wir Preissteigerungen nicht gut“, sagt Antje Degner von der Verbraucherzentrale in Rostock. Die Politik habe dafür zu sorgen, dass sich alle Verbraucher eine gesunde Ernährung leisten können. Ein möglicher Weg: die Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse.

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Besonders betroffen von Preissteigerungen: Butter (+12,3 Prozent zwischen November 2020 und 2021), Molkereiprodukte und Eier (+6,4), Brot und Getreideprodukte (+ 5,3). Etwas geringer viel der Preisanstieg bei Fleisch (+ 4,7), Obst (+ 1,2) und Gemüse (+2,7) aus.

Erzeugerkosten der Landwirte steigen

Zugleich beklagen Landwirte in MV steigende Erzeugerkosten. Allein die Dieselpreise seien 2021 um bis zu 30 Prozent gestiegen, die Düngerpreise hätten sich verfünffacht, Lohnkosten würden steigen, so der Präsident des Landesbauernverbandes, Detlef Kurreck. Zwar würden die Endverbraucherpreise durch Handel und Zwischenhandel vorgegeben. Angesichts steigender Erzeugerkosten müssten die Preissteigerungen, die Verbraucher schmerzhaft an der Theke spüren, endlich beim Landwirt ankommen.

„Lebensmittel nicht mehr unter Einstandspreis verkaufen“

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hatte sich für höhere Preise für Agrarprodukte ausgesprochen. „Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima“, so Özdemir. Das Echo: zwiegespalten.

„Produkte dürften nicht mehr unter ihrem Wert verkauft werden“, sagt auch Kurreck. Hoffnungen setzt der Verband auf die nach massiven Bauernprotesten gegründete Koordinierungszentrale zwischen Handel und Landwirtschaft.

Agrarministerium für angemessene Preissteigerungen

Das Agrarministerium in Schwerin hält weitere Preissteigerungen für angemessen. „Bauern sind systemrelevant“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Wer ums nackte Überleben kämpfe, werde sich für Transformationsprozesse wie den Umbau der Tierhaltung kaum öffnen. Die Sorgen der Verbraucher wegen steigender Lebensmittelpreise sollten dennoch berücksichtigt werden.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, unverarbeitete Grundnahrungsmittel zu kaufen. Diese seien deutlich günstiger als Fertigprodukte, so Degner. Weitere Tipps: Leitungswasser statt teurem Mineralwasser trinken, Obst und Gemüse saisonal zu kaufen.

Von Martina Rathke