Lebensmittel, Strom, Medikamente: Sri Lanka am Rande des Kollaps

Mangel an Nahrungsmitteln führt zu gewaltigen Protesten gegen die Regierung. Denn die derzeitige Misere ist weitgehend hausgemacht.

Colombo. Die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten katapultiert die Ferieninsel Sri Lanka zurück in dunkle Zeiten der Gewalt: Lebensmittelknappheit, fehlende Medikamente, Stromausfälle und steigende Preise schüren im Ex-Bürgerkriegsland den Hass auf die Regierung. Seit Wochen fordern Demonstranten den Rücktritt des kleptokratischen Rajapaksa-Clans. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit Verletzten und Toten. Nun gilt eine Ausgangssperre, das Militär hat grünes Licht, auf „Plünderer“ zu schießen.

Pandemie und Ukraine-Krieg haben die Wirtschaftsmisere beschleunigt, die Ursachen sind jedoch hausgemacht: Misswirtschaft, Nepotismus und Verschwendung führten das asiatische Land an den Rand des Kollaps. Sinnlose Infrastrukturprojekte, wie der Airport in Hambantota (Heimat der Rajapaksas) zeigen, wie Steuergeld verschleudert wird. Auf dem „leersten Flughafen der Welt“ landen kaum Flugzeuge. Und der Hafen der Stadt wurde auf Pump mit chinesischen Krediten finanziert. Peking konfiszierte ihn, als Colombo Schulden nicht zurückzahlte.

Schulden und Knappheit

Als die Rajapaksas nach einer Pause 2019 wieder an die Macht kamen, sorgten sie mit Steuergeschenken für ein noch größeres Budgetloch. Dann kam Corona, mit mehr Ausgaben und dem drastischen Einbruch von Einnahmen aus Tourismus und Überweisungen der Sri Lanker im Ausland. Die Regierung weigerte sich, IWF-Hilfe zu beantragen. Stattdessen verschuldete sie sich weiter bei Indien und China, druckte Geld. Es wurde absurder: Um den Abfluss von Devisen zu stoppen, verbot Colombo 2021 Importe von chemischem Dünger und propagierte natürliche Düngemittel. Es folgten Ernteausfälle, Nahrungsmittel mussten importiert werden, was die Devisenknappheit weiter verschlimmerte. Dann kam der Ukraine-Krieg: Dünger, Lebensmittel und Treibstoff wurden noch teurer. Die Katastrophe ist perfekt.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 14.05.2022)