Lebensmittel: Schul- und Kitaessen: Anbieter wollen Preise nachverhandeln

Lebensmittel
Schul- und Kitaessen: Anbieter wollen Preise nachverhandeln

Schüler beim Mittagessen in der Mensa. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

© dpa-infocom GmbH

Kartoffeln, Nudeln und Tomaten – viele Lebensmittel sind deutlich teurer geworden. Anbieter von Schul- und Kitaessen müssen aber weiterhin mit festgelegten Preisen auskommen. Das bringt sie an Grenzen.

Anbietern von Schul- und Kitaessen in Berlin und Brandenburg fällt es angesichts der Inflation immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. «Die Einkaufspreise sind in den vergangenen Monaten um 20 bis 35 Prozent gestiegen. Das war beim Abschluss der Ausschreibungen überhaupt nicht vorhersehbar gewesen», sagte Ralf Blauert, Vorsitzender des Verbands Deutscher Schul- und Kitacaterer, der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Mittwoch treffen sich demnach Verbandsmitglieder aus ganz Deutschland in Wildau (Dahme-Spreewald), um nach Lösungen in der Krise zu suchen. 

«Wir wollen beim hohen Qualitätsstandard, den wir nach jahrelanger, mühevoller Arbeit erreicht haben, keine Rückschritte machen. Niemand möchte an der Qualität seines Essens sparen», betonte der Potsdamer Caterer Blauert. Köche müssten kreativ werden, doch der Speiseplan lasse sich nicht grundlegend ändern. «Wir setzen zu und verzichten auf Gewinn», sagte der Vorsitzende. 

In Berlin liegt der Preis seit August 2021 für ein Schulessen bei 4,36 Euro und ist noch bis Ende Juli 2024 festgelegt. Die außergewöhnlichen Umstände durch den Krieg in der Ukraine erforderten nun eine Anpassung der Verträge. Wie viel Geld zusätzlich nötig sei, sei noch unklar. Dies müsse in Gesprächen erörtert werden. Einigen Caterern in Brandenburg und anderen Bundesländern sei es bereits gelungen, nachzuverhandeln. 

«In Berlin ist die Situation verfahren. Der Senat gibt vor und überlässt die Umsetzung den Bezirken. Das ist bei Problemlagen nicht so förderlich. Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen. Und wir stehen dazwischen», kritisiert Blauert. Es gebe Bemühungen, mit den Bezirksämtern und Senatsverwaltungen in Kontakt zu kommen und Lösungswege zu ermitteln. Aus einigen Bezirken seien wohlwollende Signale gekommen und Gesprächsbereitschaft angekündigt worden. 

«Die Verträge mit den Schulcaterern haben die einzelnen Bezirke als Schulträger abgeschlossen. So ist es üblich in Berlin», erklärt der Sprecher der Schulverwaltung, Martin Klesmann. «Zur jeweiligen Vertragsausgestaltung können wir öffentlich keine Auskunft geben, weil wir nicht der Vertragspartner sind. Ratsam aus unserer Sicht wäre in dieser Frage ein geschlossenes Auftreten der Bezirke», so Klesmann weiter.

Der Bezirk Neukölln kündigte auf Nachfrage an, das Thema werde mit den anderen Bezirken und der Senatsverwaltung besprochen. Ein Sprecher des Bezirks teilte mit: «Eine Änderung der Verträge ist nicht ohne weiteres möglich, auch der Haushalt ist faktisch beschlossen und bietet adhoc keinen Spielraum. Dennoch muss eine berlinweite Lösung gefunden werden, um weiterhin hochwertiges Essen an den Berliner Schulen anzubieten.» Aus der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hieß es: «Seit Monaten kocht was hoch an unseren Schulen und Kitas: Nicht nur steigende Preise, auch der Berliner Mindestlohn von 13 Euro pro Stunde versalzen Caterern die Kalkulation.» Senat und Bezirke schöben sich gegenseitig den «Schwarzen Peter» hin und her.

Der Verband der Caterer hatte bereits im April einen Brandbrief veröffentlicht, um auf die schwierige Lage aufmerksam zu machen. Es sei an der Zeit, dass der Staat eingreife, hieß es dort. Und: «Verträge zwischen Caterern und der öffentlichen Hand müssen flexibel und unbürokratisch nachverhandelt und den gegebenen Umständen angepasst werden. Und zwar nicht nächsten Monat oder nach den Sommerferien, sondern jetzt!»

dpa

#Themen