Lebensmittel: 78% wollen unabhängige Schweiz

Mit der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine werden bei Schweizerinnen und Schweizern Überlegungen zu Ernährungssicherheit und -kosten wichtiger. Fast 4 von 5 Stimmberechtigten (78 Prozent) wünschen sich eine von Lebensmittelimporten unabhängige Schweiz.

So ist sich auch die Mehrheit einig, dass sie lieber teurere lokale Produkte als billigere Importprodukte einkaufen. «Nur wenn die Ware auch tatsächlich im Inland hergestellt wurde, sehen 70 Prozent den teureren Preis der Produkte auch als gerechtfertigt», heisst es im 9. Monitor Ernährung und Bewegung. Der Meinung, dass die Bevölkerung der Schweiz einen Preisunterschied von 50 Rappen dagegen nicht merkt, ist lediglich eine Minderheit der Befragten.

Jüngere wollen nicht mehr bezahlen

Es gibt grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen: Je älter die Generation, desto grösser das Sicherheitsbedürfnis, desto niedriger die Preissensitivität und desto stärker das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Ernährung.

Die jüngste Generation Z tickt ähnlich wie die Kriegsgeneration, wenn es um die Unabhängigkeit von ausländischen Importen geht. «Das ist aber offenbar nur so lange der Fall, wie es nicht das Portemonnaie betrifft», heisst es im Bericht.

Um die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln ganz grundsätzlich sicherzustellen, muss die Schweiz in den Augen der meisten Stimmberechtigten möglichst unabhängig von ausländischen Importen sein.
GFS

Ältere Generationen hätten auch eine klare Vorstellung davon, wie sie den zunehmenden Unsicherheiten begegnen wollen, heisst es in einer Mitteilung zum Monitor vom Montag. Viele von ihnen bereiten sich mit einem Notvorrat auf den Ernstfall vor. 54 Prozent der Befragten gaben an, über einen solchen zu verfügen.

Der Generation Z fehlt dagegen eine klare Strategie. Den Notvorrat findet sie unnötig und für lokal produzierte Güter möchte sie nicht mehr bezahlen. 

Eigenverantwortung statt Gesetze

Ganz allgemein wünscht sich die Bevölkerung nach wie vor eine Gesellschaft, in der Eigenverantwortung, Information und Aufklärung vor staatlichen Interventionen, Steuern und Gesetzen stehen. Eingriffe wie eine Preiserhöhung für zucker-, fett- und salzhaltige Lebensmittel oder das generelle Verbot vermeintlich ungesunder Lebensmittel sind nicht mehrheitsfähig.

In den letzten Jahren lasse sich jedoch eine Verschiebung hin zu einer grösseren Akzeptanz staatlicher Massnahmen beobachten, heisst es in der Mitteilung. Mit den Massnahmen im Rahmen der Pandemie habe sich diesbezüglich eine gewisse Normalität eingeschlichen.

Ernährung: Mehr Kompetenz 

Zwar interessiert sich heute eine Mehrheit der Stimmberechtigten für Ernährungs- und Bewegungsthemen, findet diese wichtig, fühlt sich informiert und gibt von sich selber an, sich ausgewogen zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Der Trend über die letzten rund zehn Jahre geht jedoch eindeutig in Richtung weniger breit verankerte Kompetenzen –insbesondere im Bereich Ernährung, aber auch bei Bewegungsfragen. So hat sich beispielsweise der Anteil täglich konsumierter frischer Nahrungsmittel (Früchte, Gemüse) pro Person in den letzten zehn Jahren deutlich reduziert. Millennials und Jüngere sind ein wichtiger Treiber dieser allgemeinen Entwicklung.

Während sich 77 Prozent der Frauen gut über das Thema Ernährung informiert fühlen, sind es bei den Männern nur 61 Prozent. Beim Thema Bewegung fällt der subjektive Wissensstand ähnlich aus: Auch hier fühlen sich mehr Frauen gut informiert (73%) als Männer (65%).

Einkaufstourismus: Keiner will es sein

Gemäss Schätzungen kauft die Schweizer Bevölkerung vor der Pandemie jedes Jahr für rund zehn Milliarden Franken im Ausland ein. Das spiegelt sich aber nicht in der Befragung von GFS wieder. Denn die wenigsten geben an, selber regelmässig für Einkäufe ins nahe Ausland zu fahren. Nur gerade jede fünfte Person tut dies mindestens ab und zu. 66 Prozent geben dagegen an, nie für Einkäufe über die Grenzen ins nahe Ausland zu fahren.

Der Einkaufstourismus hängt auch vom Einkommen ab. Bei Haushalten mit einem Monatseinkommen von mehr als 5’000 Franken ist der Gang über die nahen Grenzen zum Einkaufen deutlich weniger verbreitet. Und in der Romandie und im Tessin ist der Einkaufstourismus zudem deutlich stärker verbreitet als in der Deutschschweiz. Die GFS führt das auf die geografische Nähe der lateinischen Schweiz mit Frankreich respektive Italien zurück.

Der Monitor Ernährung und Bewegung wurde im März 2022 von gfs.bern zum 9. Mal für die Informationsgruppe Erfrischungsgetränke durchgeführt. Die Daten wurden in einer repräsentativen Umfrage mit rund 1›000 stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizern erhoben.