Kritik an Mobilfunknetz: Ist 5G gefährlich für die Gesundheit?

Der Ausbau der fünften Generation des Mobilfunkstandards, oder kurz 5G, schreitet rasch voran. 5G soll den Austausch größerer Datenmengen als bisher und eine deutlich schnellere Übertragung ermöglichen. Doch mit jedem neuen Sendemast steigt auch die Zahl der Bürgerinitiativen, die sich der neuen Technologie entgegenstellen. Die Bandbreite der Kritik ist groß: Sie reicht von ernst zu nehmenden Bedenken bis hin zu absurden Verschwörungstheorien.

Doch was ändert sich mit 5G? Zunächst einmal wenig. Es nutzt derzeit Frequenzen von 700 Megahertz bis zu 3,7 GHz und damit Bereiche, die schon längst im Mobilfunk oder für WLAN zum Einsatz kommen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit inzwischen gut erforscht sind.

In Zukunft sollen deutlich höhere Frequenzen verwendet werden. Eine höhere Frequenz bedeutet aber auch, dass die Reichweite abnimmt. Daher wird das 5G-Netz mehr, dafür aber auch kleinere Sender mit geringerer Leistung verwenden als die bisherigen Mobilfunknetze.

Expertin: Strahlenexposition eher geringer als höher

Nach Meinung von Experten wie Dr. Blanka Pophof vom Bundesamt für Strahlenschutz bleibe die Strahlenexposition dadurch im Vergleich zu bisherigen Netzen eher weniger bis gleich, da die Strahlung besser verteilt wird. Darüber hinaus kommt bei 5G erstmals das sogenannte “Beamforming” zum Einsatz: Dabei werden wie Funkwellen nicht wie bei herkömmlichen, passiven Antennen einfach gleichmäßig in alle Richtungen verteilt, sondern gebündelt auf ein bestimmtes Ziel gerichtet.

Trotzdem bleibt eine der Hauptsorgen der Kritiker: Die permanente Exposition durch elektromagnetische Strahlung könnte Krebs auslösen. Viele Studien haben sich mit dieser Frage befasst. Laut Blanka Pophof ist das Ergebnis nicht immer eindeutig.

“Strahlung der Basisstationen nicht krebserregend”

“Man kann definitiv sagen, dass die Exposition durch Basisstationen nicht krebserregend ist, die Intensität reicht dafür nicht aus,” so Pophof. “Wenn Krebs diskutiert wird, dann im Zusammenhang mit dem Handy, und zwar mit Handy am Ohr.” Wenn das Handy aber schon mit dem Headset verwendet würde, könne man davon ausgehen, dass keine Gefahr drohe. Nur zum Handy am Ohr gebe es einige epidemiologische Studien, die einen Anstieg von Hirntumoren zeigten, es gebe aber auch epidemiologische Studien, die das nicht zeigten, so Pophof.

Eine abschließende Beurteilung dazu gebe es noch nicht. Allerdings zeigten die Krebsraten der vergangenen Jahrzehnte auch keinen signifikanten Anstieg, der einen Zusammenhang von Krebs und Handystrahlung nahelegt. Keine Sorgen muss man sich derzeit über die Frage machen, ob Mobilfunkstrahlung das Erbgut schädigt: Die Energie dieser Strahlung ist dafür viel zu gering. Allerdings können die Mikrowellen des Mobilfunks auch das, was das Mikrowellengerät in der Küche kann: Dinge, die Wasser enthalten, erhitzen – also auch den menschlichen Körper. Bei 5G gibt es hier allerdings strenge Grenzwerte.

Körpererwärmung im natürlichen Schwankungsbereich

“Der thermische Grenzwert liegt bei einem Grad, das verträgt ein gesunder Mensch problemlos”, sagt Strahlenexpertin Pophof. Und davon sei der tatsächliche Grenzwert bei Basisstationen mit einem Reduktionsfaktor von 50 abgeleitet, “das heißt, die tatsächliche Erwärmung, die entstehen kann, ist nur ein fünfzigstel Grad, und die ist tatsächlich unbedenklich”, so Pophof.

Selbst bei einer extremen Strahlenexposition läge die Erwärmung des Körpers also immer noch im Bereich der natürlichen Schwankung der Körpertemperatur. Insgesamt lässt sich sagen: Viele Ängste rund um 5G sind aus wissenschaftlicher Sicht unbegründet, doch es herrscht immer noch Forschungsbedarf.