Klimawandel: Die Ernährung, die die Welt retten soll

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Der Weg zu den Klimazielen führt über weniger Fleisch

Würden sich hingegen alle Menschen zu einem größeren Anteil pflanzlich ernähren und die Emissionen aus allen anderen Sektoren gestoppt, hätte die Welt eine 50-prozentige Chance, das Klimaziel von 1,5 Grad zu erreichen. Und wenn nicht nur die Ernährung selbst verändert, sondern auch noch einige andere Dinge verbessert werden würden – beispielsweise weniger Lebensmittel verschwendet werden würden – würde die Chance, das Ziel zu erreichen, auf 67 Prozent steigen.

Solche Erkenntnisse sind bei der Fleischindustrie unbeliebt. Als beispielsweise das US-Landwirtschaftsministerium 2015 wie alle fünf Jahre seine Ernährungsrichtlinien überarbeitete, hatten die Verantwortlichen kurz überlegt, auf die Bitte von Forschenden aus diesem Bereich die Umwelt mit einzubeziehen. Die Idee wurde jedoch verworfen, angeblich als Reaktion auf den Druck der Industrie, sagt Timothy Griffin, Wissenschaftler für Lebensmittelsysteme an der Tufts University in Boston, der zuvor versucht hatte, das Ministerium zu überzeugen. Nichtsdestotrotz wurde der Versuch zur Kenntnis genommen. »Die größte Errungenschaft ist, dass dem Thema Nachhaltigkeit viel Aufmerksamkeit zuteil wurde«, sagt er.

Die EAT-Lancet-Kommission, die von der britischen Wohltätigkeitsorganisation Wellcome finanziert wurde, stärkte die Argumente. Ernährungswissenschaftler werteten die Literatur aus und erstellten ein Konzept für eine gesunde Ernährung aus Vollwertkost. Dann legte das Team Umweltgrenzwerte für die Ernährung fest, einschließlich der Kohlenstoffemissionen, des Verlusts der biologischen Vielfalt und der Nutzung von Süßwasser, Land, Stickstoff und Phosphor. Die Überschreitung solcher Umweltgrenzen könnte den Planeten für den Menschen unwirtlich machen.

Ist nachhaltige Ernährung für alle praktikabel?

Das Ergebnis war ein vielfältiger, hauptsächlich pflanzlicher Speiseplan. Die maximale Menge an rotem Fleisch, die ein 30-Jähriger, der 2500 Kalorien pro Tag zu sich nimmt, in einer Woche essen darf, beträgt 100 Gramm, also eine Portion rotes Fleisch. Das ist weniger als ein Viertel von dem, was ein durchschnittlicher Amerikaner zu sich nimmt. Ultra-verarbeitete Lebensmittel wie Softdrinks, Tiefkühlgerichte und rekonstituiertes Fleisch, Zucker und Fette werden weitgehend vermieden.

Diese Ernährungsweise würde nach Schätzungen der Kommission jedes Jahr das Leben von etwa 11 Millionen Menschen retten. »Es ist möglich, zehn Milliarden Menschen gesund zu ernähren, ohne die Ökosysteme weiter zu zerstören«, sagt Tim Lang, Forscher für Ernährungspolitik an der City University of London und Mitautor des EAT-Lancet-Berichts. »Ob es den Hardlinern der Rinder- und Milchindustrie nun gefällt oder nicht, sie stehen wirklich auf verlorenem Posten. Ein Wandel ist jetzt unvermeidlich.«

Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass die EAT-Lancet-Diät für wohlhabende Länder gut geeignet ist, in denen die durchschnittliche Person 2,6 Mal mehr Fleisch isst als in Ländern mit niedrigem Einkommen, und deren Essgewohnheiten nicht nachhaltig sind. Andere wiederum bezweifeln, dass die Ernährung für Menschen in Ländern mit geringeren Ressourcen nahrhaft genug ist. Ty Beal, ein in Washington DC ansässiger Wissenschaftler der Global Alliance for Improved Nutrition, hat die Ernährung in unveröffentlichten Berechnungen analysiert und festgestellt, dass sie 78 Prozent der empfohlenen Zink- und 86 Prozent der Kalziumzufuhr für Personen über 25 Jahre und nur 55 Prozent des Eisenbedarfs für Frauen im gebärfähigen Alter deckt.