Ist die Zeit der günstigen Lebensmittel endgültig vorbei?

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15. Juni 2022 – 12:04 Uhr

Es ist noch nicht lange her, da gab es einen Preiskampf im Supermarkt: Hier wurden die Preise gesenkt, da wurde unterboten. Die Zeiten sind angesichts von Krieg und Inflation vorbei. Die Preiskurve geht nach oben. Aber war es das generell mit günstigen Lebensmitteln? Deutschland gehörte im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn immer zu den Ländern, in denen Lebensmittel vergleichsweise günstig waren.

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“Lebensmittel sind mehr wert”

Ist sie also vorbei, die Zeit der billigen Lebensmittel? Wenn es nach den Bauern geht – ja. Landwirte brauchen die höheren Preise sogar, um zu überleben, sagt der Bauernverband. “Letztendlich muss bei uns Bauern, unseren Bauernfamilien, mehr ankommen. Lebensmittel sind mehr wert und das muss stärker zu den Bauern durchgereicht werden,” so der Präsident Joachim Rukwied.

Landwirt Johannes Scherrer ächzt unter den hohen Energiepreisen. Auch wenn Lebensmittel teurer werden – Dünger, Diesel und Futter für seine Schweine werden es auch. Unterm Strich also nichts gewonnen.

Rentabel wäre die Zucht nur über höhere Preise. “Aktuell ist das so, dass wir bei 1 Euro 80 Preis für das Kilo Schweinefleisch nicht kostendeckend arbeiten. Dafür müssten wir 2 Euro pro Kilo Schwein realisieren,” rechnet Scherrer vor.

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Verbraucher wollen fair – können es sich im Moment aber oft nicht leisten

Das Problem aber ist: In Umfragen sind Verbraucher gern für faire Entlohnung der Bauern – in der aktuellen Not aber kaufen sie streng nach Preis.

“Das heißt: weniger bio, weniger regionale Produkte. Das ist natürlich alles entgegen dem eigentlichen Trend, dass die Leute versuchen, bewusster zu leben und nachhaltiger”, sagt Marktforscherin Elena Bergmann-Eggeling.

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir gibt sich dennoch als Partner der Bauern. Er würde gerne mehr Staatsgeld locker machen für bessere Ställe. Alles besser jedenfalls als eine Extra-Abgabe fürs Kilo Fleisch, die Verbraucher weiter belasten würde.

“Die Lebensmittelpreise werden hoch bleiben. Ich habe dazu einen Vorschlag gemacht”, sagt Özdemir. Özdemir würde gerne die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse streichen. Das würde die Preise wohl wirklich mal senken – wie in guten alten Zeiten. Aber ob die Preise generell bald wieder sinken – da will der Minister keine wirkliche Prognose treffen: “Das kann ich nicht sagen, weil ich nicht weiß, wie lang der Krieg noch geht. Aber zur Ehrlichkeit gehört: Die Folgen ungeschehen machen, das können wir nicht, das kann auch der deutsche Agrarminister nicht”, so Özdemit im RTL-Interview. (eku/psc)

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