Gehirnfunktion verbessern durch Nahrungsergänzungsmittel? – Heilpraxis

Helfen Nahrungsergänzungsmittel die Gesundheit des Gehirns zu schützen und das Risiko für Demenz zu reduzieren? (Bild: freshidea/stock.adobe.com)

Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Gehirn

Können Nahrungsergänzungsmittel durch ihre Einnahme zu einem besseren Gedächtnis, besserer Konzentration und einem geringeren Risiko für Demenz beitragen oder hat die Einnahme keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns? Die Ernährungsberaterin Maxine Smith von der Cleveland Clinic erläutert, wie sich Nahrungsergänzungsmittel auf das Gehirn auswirken.

Es gibt Sicherheitsbedenken

„Wir haben noch nicht die Daten, die wir brauchen, um zu sagen, dass Nahrungsergänzungsmittel für das Gehirn funktionieren. Und es gibt einige Sicherheitsbedenken“, berichtet die Expertin in einer aktuellen Pressemitteilung.

Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln unklar

Viele der Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln für das Gehirn wurden in irgendeiner Weise mit der Gesundheit des Gehirns in Verbindung gebracht. Ein Großteil der Beweise stammt laut Smith jedoch aus der Lebensmittel- und Ernährungsforschung, nicht aus der Forschung über Nahrungsergänzungsmittel.

Nahrungsergänzungsmittel kein Allheilmittel

„Es gibt mehr als 25.000 bioaktive Substanzen in der Nahrung, die zusammenarbeiten, um den Körper zu schützen, einschließlich des Gehirns und der Prozesse, die das Gehirn beeinflussen“, so die Ernährungsberaterin. Die Einnahme von nur einem oder zwei dieser Vitamine oder Inhaltsstoffe sei daher kein Allheilmittel.

Zusammenhang zwischen Inhaltsstoffen und Hirngesundheit?

Typische Nahrungsergänzungsmittel für das Gehirn enthalten Omega-3-Fettsäuren. Diese sind eine Art von gesunden Fetten, welche für verschiedene Körperfunktionen wichtig sind. Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für die Gesundheit des Herzens und derzeit wird noch untersucht, ob sie auch für das Gehirn von Nutzen sein könnten, erläutert die Expertin.

Omega-3-Fettsäuren aus Nahrung zu sich nehmen

„Es gibt jedoch nicht genügend Forschungsergebnisse, um sagen zu können, dass ein Nahrungsergänzungsmittel die gleichen Vorteile hat wie Omega-3-Fettsäuren aus der Nahrung”, berichtet Smith weiter. Wahrscheinlich sei es besser, Omega-3-Fettsäuren aus normaler Nahrung aufzunehmen, wie beispielsweise fettem Fisch, Schalentieren und pflanzlichen Quellen wie Walnüssen und Leinsamen.

Schützen B-Vitamine die Kognition?

Der Zusammenhang zwischen Kognition und den Vitaminen B6, B9 und B12 wurde bereits wissenschaftlich erforscht. Bislang gebe es jedoch keine Beweise dafür, dass B-Vitamine die kognitiven Fähigkeiten verbessern oder Demenz vorbeugen. Smith merkt außerdem an, dass die meisten Menschen über ihre Ernährung ausreichend B-Vitamine aufnehmen.

Einige ältere Erwachsene hätten jedoch einen Mangel an B12. In diesem Fall könnte eine Nahrungsergänzung der allgemeinen Gesundheit, einschließlich der Gesundheit des Gehirns, zugute kommen. „Wenn Sie ein tägliches Multivitaminpräparat einnehmen, enthält es wahrscheinlich genug B12, aber es ist immer am besten, wenn Sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrem Arzt besprechen”, erklärt die Ernährungsberaterin.

Schutz vor Demenz dank Vitamin E?

Vitamin E ist ein Antioxidans, welches die Zellen vor Schäden schützt. Bei Menschen, die bereits an Demenz erkrankt sind, kann ein tägliches Vitamin-E-Präparat die Geschwindigkeit des Verfalls durchaus verlangsamen. Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen, welche viel Vitamin E zu sich nehmen, seltener an Demenz erkranken. Es ist jedoch nicht klar, ob Nahrungsergänzungsmittel denselben Nutzen haben, so die Expertin.

Höheres Sterberisiko durch Vitamin-E-Präparate

Smith warnt davor, dass zu viel Vitamin E schädlich sein kann und hohe Dosen von Vitamin-E-Präparaten sogar mit einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung gebracht werden. Anstelle von Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt die Ernährungsberaterin eine Vitamin-E-reiche Ernährung mit Lebensmitteln wie Nüssen, Samen, dunkelgrünem Blattgemüse und Pflanzenölen wie Sonnenblumen- und Maisöl.

Auswirkungen anderer enthaltener Vitamine

Die Vitamine A, C und D sind häufig in Produkten enthalten, die angeblich dem Gehirn zugute kommen sollen. Diese Vitamine sind zwar wichtig für die allgemeine Gesundheit, es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass sie das Gedächtnis, die Kognition oder die Gesundheit des Gehirns fördern, erläutert Smith. Davon abgesehen würden viele Menschen nicht ausreichend Vitamin D aufnehmen. Daher sei es durchaus ratsam, sich ärztlich zu Vitamin D beraten zu lassen.

Schützt Ginkgo biloba die Gehirnfunktionen?

Ginkgo ist schon lange als Nahrungsergänzungsmittel für die kognitive Gesundheit beliebt. Eine große Studie mit mehr als 3.000 Teilnehmenden ergab nach Aussage der Expertin jedoch, dass Ginkgo bei älteren Erwachsenen nicht besser vor Demenz schützt als ein Placebo. Bei Menschen, welche bereits an Demenz erkrankt waren, trug Ginkgo nicht dazu bei, die Geschwindigkeit des kognitiven Abbaus zu verlangsamen, fügt Smith hinzu. Zusätzlich könne Ginkgo negative Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.

Nahrungsergänzungsmittel für das Gehirn einnehmen?

Die Behauptungen, dass frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel vorteilhaft für das Gehirn sind, sollten laut der Expertin daher mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden. Von Herstellern durchgeführte Studien seien nicht immer gut konzipiert. Einige Nahrungsergänzungsmittel würden möglicherweise Inhaltsstoffe in einer schädlichen Dosierung enthalten. „Sie könnten sogar mit Schadstoffen wie Schwermetallen verunreinigt sein, die gefährlich sein können”, fügt Smith hinzu.

Wie lässt sich die Gehirngesundheit fördern?

Die Ernährung ist eine der besten Möglichkeiten, das Gehirn zu schützen. Die Expertin empfiehlt eine Ernährung, die reich an Gemüse und gesunden Fetten aus Olivenöl, Nüssen und Samen sowie fettem Kaltwasserfisch ist. „Achten Sie auf eine farbenfrohe Ernährung mit dunklem Blattgemüse sowie orangefarbenem und rotem Obst und Gemüse. Farbenfrohe Lebensmittel enthalten Antioxidantien, die das Gehirn schützen können“, so Smith.

Weniger Alkohol und mehr Bewegung

Der Alkoholkonsum sollte einschränkt werden, da zu viel Alkohol das Risiko eines kognitiven Rückgangs erhöhen kann. Vorteilhaft sei dagegen körperliche Aktivität. „Regelmäßige Bewegung steht in engem Zusammenhang mit der Vorbeugung von kognitiven Problemen”, berichtet die Ernährungsberaterin und rät dazu, dass Menschen sich mindestens 150 Minuten pro Woche bewegen sollten.

Rolle von Schlaf und sozialer Interaktion

Auch der Schlaf spiele eine wichtige Rolle. Schlafmangel wird mit kognitivem Verfall in Verbindung gebracht, daher sollte der Schlaf durchaus wichtig genommen werden. Außerdem stehe soziale Interaktion eng mit dem Erhalt der kognitiven Funktionen im Alter in Verbindung. „Versuchen Sie, Zeit mit anderen zu verbringen und sich nicht zu isolieren. Wann immer Sie können, nehmen Sie an gemeinsamen Mahlzeiten mit Freunden und Familie teil“, rät Smith.

Demenz durch chronische Erkrankungen

Chronische Gesundheitsprobleme wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck können das Risiko eines kognitiven Rückgangs und einer Demenzerkrankung erhöhen. Daher sollte man sich ärztlich untersuchen lassen, um mögliche vorhandene Erkrankungen zu behandeln.

Gesunder Lebensstil schützt das Gehirn

„Da wir immer länger leben und unsere Bevölkerung immer älter wird, machen sich immer mehr Menschen Gedanken über den Schutz ihrer kognitiven Fähigkeiten”, berichtet Smith. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass es keine Wunderpille gibt, aber ein gesunder Lebensstil sich sehr vorteilhaft auf das Gehirn auswirken kann. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Cleveland Clinic: Do Brain Supplements Actually Work? (veröffentlicht 07.10.2021), Cleveland Clinic

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.