Flavonoide könnten über das Mikrobiom den Blutdruck senken

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Belfast/Kiel – Lebensmittel, die Flavonoide enthalten, scheinen sich positiv auf den Blutdruck auszuwirken. Dabei soll die Vielfalt im Darmmikrobiom bis zu 15,2 % des Zusammenhangs erklären. Das zeigt eine Studie mit fast 1.000 Teilnehmenden, die aus der norddeutschen PopGen-Biobank stammen. Die Ergebnisse wurden in Hypertension veröffentlicht (DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.17441).

Studienteilnehmer, die den höchsten Verzehr an flavonoidreichen Lebensmitteln aufwiesen, hatten niedrigere systolische Blutdruckwerte sowie eine größere Vielfalt in ihrem Darmmikrobiom als die jene mit dem niedrigsten Verzehr.

Wer 1,6 Portionen Beeren pro Tag aß (eine Portion entspricht 80 Gramm oder einer Tasse), konnte seinen systolischen Blutdruck um durchschnittlich 4,1 mmHg senken. 12 % des Effekts erklären sich die Forsch­enden durch das Darmmikrobiom. Der Genuss von 2,8 Gläsern (125 ml Wein pro Glas) Rotwein pro Woche reduzierte den systolischen Blutdruck durchschnittlich um 3,7 mmHg. Den Einfluss des Mikro­bioms beziffern die Autoren dabei auf 15 %. Die American Heart Association rät dennoch davon ab, diesen Benefit als Anlass zu nehmen, Alkohol zu trinken.

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Ein besseres Verständnis der individuellen Variabilität des Flavonoid-Stoffwechsels könnte erklären, warum manche Menschen einen größeren Nutzen für den Herz-Kreislauf-Schutz durch flavonoidreiche Lebensmittel haben als andere, schätzt Aedín Cassidy, Seniorautorin vom Institute for Global Food Security an der Queen’s University Belfast.

Flavonoide sind beispielsweise in Obst, Gemüse und pflanzlichen Lebensmitteln wie Tee, Schokolade und Wein enthalten. Genaue Angaben können der Datenbasis des U.S. Departments of Agriculture entnommen werden. Das körpereigene Darmmikrobiom baut Flavonoide ab. Jüngste Studien haben einen Zusammenhang zwischen den Mikroorganismen im menschlichen Verdauungstrakt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK) festgestellt.

Die Teilnehmenden hatten in einem Fragebogen angegeben, wieviel und wie oft sie im vergangenen Jahr 112 verschiedene flavonoidreiche Lebensmittel konsumiert hatten. Das Darmmikrobiom und die Blutdruckwerte wurden zusammen mit anderen Parametern bei regelmäßigen Nachuntersuchungen analysiert.

Die Forschenden um Amy Jennings von der Queen’s University Belfast erfassten auch Informationen über den Lebensstil der Teilnehmer, einschließlich Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Medikamenteneinnahme und körperliche Aktivität, sowie die familiäre Vorbelastung durch koronare Herzkrankheiten, die Anzahl der täglich verzehrten Kalorien und Ballaststoffe, sowie Größe und Gewicht jedes Teilnehmers. © gie/aerzteblatt.de