Flaschenpost liefert jetzt auch Lebensmittel

BerlinSie heißen Gorillas, Flink, Wolt oder Foodpanda und empfehlen sich als die Supermärkte im Smartphone-Format. Bei ihnen können Lebensmittel per Touchscreen-Tipp bestellt werden. Geliefert wird oft binnen weniger Minuten. Berlin ist in diesem Geschäft der wichtigste Markt in Deutschland. Hier fangen Neueinsteiger an und versuchen, groß zu werden. Mittlerweile sind allein in der Stadt schätzungsweise weit über 7000 Kuriere für die neuen Lebensmittellieferdienste unterwegs. Zum Vergleich: Rewe beschäftigt in seinen 150 Berliner Supermärkten knapp 6000 Mitarbeiter. Und nun steigt auch noch der Getränke-Lieferant Flaschenpost ist das Geschäft mit Tiefkühl-Pizza und frischen Äpfeln ein.

Lieferung in ganz Berlin

In den vergangenen Wochen hatte das Unternehmen dafür seine drei Depots in Tempelhof, Charlottenburg und Hohenschönhausen aufgerüstet. Von dort aus soll fortan in nahezu das gesamte Stadtgebiet geliefert werden. „Man muss nicht in der Torstraße wohnen, um unser Angebot nutzen zu können“, sagt ein Sprecher. Außerdem liefere man mehr als nur Zahnpasta und neue Windeln, sondern könne den gesamten Wocheneinkauf übernehmen.

Eigenen Angaben zufolge hat Flaschenpost insgesamt 3500 Artikel im Sortiment. 500 Produkte kämen direkt von der Frischetheke. Geliefert wird spätestens zwei Stunden nach Bestellung. Eine Liefergebühr gibt es nicht; dafür aber einen Mindestbestellwert von 25 Euro. 1500 Mitarbeiter hat Flaschenpost in Berlin. Die hiesige Flotte umfasst 400 Transporter. „Unser bewährtes Logistik-Konzept musste nur minimal angepasst werden“, sagt Flaschenpost-Chef Stephen Weich.

Das Unternehmen Flaschenpost wurde 2016 in Münster gegründet und im Oktober vergangenen Jahres vom Oetker-Konzern für angeblich eine Milliarde Euro übernommen. Der Pudding-Hersteller hatte den Konkurrenten geschluckt, der dem eigenen Lieferdienst Durstexpress im Wege stand. Im Januar verkündete man dann das Ende von Durstexpress. Das gesamte Getränke-Liefergeschäft sollte unter dem Namen Flaschenpost laufen. In der folgenden Fusion beider Unternehmen brodelte es insbesondere unter den über 1000 Berliner Beschäftigten von Durstexpress. Denn die Lager in der Tempelhofer Teilestraße und in der Gehrenseestraße in Hohenschönhausen sollten geschlossen werden. Die Beschäftigten dort wurden tatsächlich entlassen. Ihnen wurde angeboten, sich ganz neu bei Flaschenpost zu bewerben.

Wie viele der seinerzeit 500 betroffenen Mitarbeiter in Berlin am Ende wirklich zu Flaschenpost wechselten, will man nicht sagen. Erfreulicherweise hätten viele dieses Angebot angenommen, heißt es. Detaillierte Zahlen dazu würden nicht kommuniziert. Tatsächlich gibt es aber weiterhin Kritik an den Beschäftigungsverhältnissen, die allerdings typisch sind für die neue deutsche Einzelhandelssparte. So beziffert ein Firmensprecher den Grundstundenlohn eines Lagerarbeiters bei Flaschenpost auf 10,10 Euro. Fahrer erhielten „durchschnittlich zwölf Euro“, während Mitarbeiter von 10,60 Euro berichten.

Zudem werden neue Mitarbeiter grundsätzlich befristet eingestellt, wobei sich das Unternehmen auf die Möglichkeit des Teilzeit- und Befristungsgesetzes beruft, „um schwankende Auftragslagen und saisonale Spitzen bestmöglich abfedern zu können“. Dabei ist Flaschenpost längst kein kleines Start-up mehr, sondern beliefert Kunden in über 180 Städten, bearbeitet sieben Millionen Bestellungen pro Jahr und bringt täglich rund 150.000 Getränkekisten bis an die Haustür.