Ernährung – Vegan gewhoppert – Wiener Zeitung Online

Seit Dienstag bietet die Burger King-Filiale am Wiener Westbahnhof ausschließlich rein pflanzliche Produkte in Zusammenarbeit mit The Vegetarian Butcher an. Somit kann es auch zu keiner “Kontamination” mehr kommen, wie beispielsweise durch spritzenden Fleischsaft, wie das oft von Veganern und Vegetariern kritisiert wird. Egal ob Burger mit Rind- oder Hühnerfleisch, Nuggets, Käse, Speck und Soßen – laut Burger King ist wirklich alles komplett vegan.

Mit dem neuen Angebot möchte die Fastfood-Kette nicht nur Veganer ansprechen, sondern auch Vegetarier und Flexitarier. Dass eine Kette, die jahrzehntelang vorwiegend Fleisch verkauft hat, jetzt komplett auf vegan umsteigt, sei ein großer Schritt für die vegane Gesellschaft, erklärt Ernährungswissenschafterin Katharina Petter von der Vegane Gesellschaft Österreich (VGÖ) gegenüber der “Wiener Zeitung”. Die Nachfrage sei jedenfalls groß.

Wie lange das Pop-up am Westbahnhof auch rein vegan bleibt, ist davon abhängig, wie gut das Restaurant bei den Kunden ankommt, meint man bei Burger King. Da in Österreich die Anzahl der Veganer, Vegetarier und Flexitarier in den letzten Jahren zugenommen hat, sei es gut möglich, dass die Filiale in Wien erhalten bleibt, meint auch Petter.

4,6 Millionen Flexitarier

Laut einer Schätzung der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ), die am 10. März 2022 von Statista Research Department veröffentlicht wurde, ernährten sich im Jahr 2018 rund 80.000 Menschen in Österreich vegan. Seit dem Jahr 2021 sind es bereits 106.000 Personen. Im Jahr 2018 waren 765.000 Vegetarier in Österreich vertreten, seit dem Jahr 2021 liegt die Anzahl bei 840.000 Personen. Vor allem die Zahl der Flexitarier hat stark zugenommen. Im Jahr 2018 ernährten sich überwiegend 4.200.000 Personen vegetarisch. Die Schätzungen im Jahr 2021 belaufen sich auf 4,6 Millionen Menschen.

“Keine Modeerscheinung”

Die vegane Ernährung sei keine Modeerscheinung, betont Petter. Dass ein bewusster Umgang mit der Ernährung für immer mehr Menschen eine Rolle spielt, habe auch eine Lieferando-Umfrage gezeigt. Das Ergebnis: Ein Drittel der Österreicher (31 Prozent) kann sich vorstellen, tierische Produkte zu ersetzen, wenn es angemessene Alternativen gibt. “Mittlerweile gibt es wirklich alles auch schon in vegan”, erklärt Petter. “Man muss sich erst selbst durchprobieren und herausfinden, was einem schmeckt.”

Als Beweggründe für eine pflanzliche Ernährung nennen überzeugte Veganer oft den Klimawandel sowie auch den Umwelt- und Tierschutz. In Österreich halten 61 Prozent eine vegane Ernährung für wichtig im Kampf gegen den Klimawandel. Zudem geben 57 Prozent der Frauen an, dass eine vegane Ernährung besser für die Umwelt ist. Bei den Männern sind es nur 39 Prozent.

Forschungen zeigen, dass eine pflanzliche Ernährung weniger Treibhausgasemissionen zur Folge hat: So habe etwa die Studie der beiden Boku-Forscher Martin Schlatzer und Thomas Lindenthal (2020) deutlich gemacht, dass die Umstellung auf eine Ernährung mit wenig Fleisch oder vegane Ernährung einen deutlichen Vorteil für Klima, Flächenverbrauch und Gesundheit mit sich bringt.

“Die Ernährung hat mit einem Anteil von 20 bis 30 Prozent aller Treibhausgase einen großen Anteil an den klimarelevanten Emissionen in Österreich. Unser Ernährungsverhalten hat ebenso einen Einfluss auf den Landverbrauch und damit auch auf die Ernährungssicherheit”, so Martin Schlatzer.

Gut mit Sport vereinbar

Die Ernährung von heute auf morgen umzustellen, ist aber für viele eine Herausforderung. “Menschen, die jahrelang Fleisch gegessen haben, sind einfach daran gewöhnt und wollen den Geschmack nicht missen, aber gleichzeitig wegen dem Klima oder wegen der Tiere auf Fleisch verzichten”, sagt Petter.

Vegane Ernährung lasse sich übrigens auch gut mit Sport vereinbaren. Nicht ohne Grund würden immer mehr Sportler ihre Ernährung umstellen. Für den Ausdauersport sei die fleischlose Ernährungsvariante sogar besonders vorteilhaft. Dem Körper werden dabei laut Experten mehr Kohlenhydrate zugeführt – also eine schnell verfügbare Energiequelle für den Körper.

Auch Profifußballspieler Philip Hosiner stellte im Jahr 2018 seine Ernährung um. Der 33-Jährige hat seit fünf Jahren kein Fleisch mehr gegessen. Ausschlaggebend sei anfangs sein hoher Cholesterinspiegel gewesen, wie er der “Wiener Zeitung” erklärt.

Nachdem er sich dann immer mehr mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt hatte, sei ihm bewusst geworden, was Fleisch essen eigentlich bedeutet: “Mir wurde in dieser Zeit erst wirklich klar, was Fleisch für eine Umweltbelastung ist und wie unmenschlich die Tiere behandelt werden”, erzählt Hosiner. Die Umstellung sei zuerst schon sehr schwierig gewesen, “aber nach drei Monaten hat sich mein Körper daran gewöhnt. Durch die Ernährung hat sich auch meine Ausdauer sowie meine Regenerationszeit verbessert. Ich fühle mich nun viel wohler in meiner Haut”, sagt Hosiner. Ob sich die Sportler nach einem veganen Doppelwhopper auch so wohl fühlen, wird die Erfahrung zeigen.

Ein Selbsttest zeigt: Beim ersten Biss ist der vegane Burger kaum von seinem fleischlichen Kollegen zu unterscheiden – lediglich die Konsistenz des Patties ist unterschiedlich. Was die Nuggets betrifft, so meinte ein Kollege: “Geht gar nicht” – und ließ den Inhalt seines Mundes unauffällig in seiner Serviette verschwinden. Geschmäcker sind eben verschieden.