Ernährung: Kann man mit Kitkat die Welt und das Klima retten?

Nestlé ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Konzern geschickt ein ökologisch sauberes und nachhaltiges Image zulegen will – obwohl der Hersteller von Süßigkeiten wie Kitkat oder Choco Crossies eher ein Fall für die Diabetesprävention ist.

In einer Homestory plauderte Nestlés Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch jetzt aus, dass bei ihm zu Hause keine Milch mehr auf den Tisch komme – jener tierische Rohstoff also, der etlichen Produkten seines Arbeitgebers beigemengt wird. Außerdem teilte Boersch mit, dass er sich im Januar freiwillig vegan ernährt habe. Wie es der Zufall will, tauchte jetzt ein »Geheim­papier« auf, in dem sich Nestlés Manager ob der ungesunden Produkt­palette zerknirscht zeigen und Besserung geloben.

Natürlich unterstützt die Firma auch den Nutri-Score – die fünfstufige Farbskala von A (dunkelgrün) bis E (rot) hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nur zögerlich auf den Weg gebracht. Die Nährwertkennzeichnung soll dem Konsumenten vorgeblich dabei helfen, gesunde von ungesunden Lebensmitteln zu unterscheiden.

Doch die Ampel, die Hersteller freiwillig auf ihre Produkte drucken dürfen, ist umstritten. Als »legale Irreführung« bezeichnete Mitte vergangenen Monats etwa der Vorstand der Ver­braucherzentrale Bundesverband die Etikettierung des Kakaopulvers Nesquik mit dem Gesundheit suggerierenden hellgrünen Nutri-Score B – trotz eines Zuckergehalts von 70 Prozent. Hersteller: Nestlé.

Der Imageschaden könnte beträchtlich sein. Doch der Schoko­multi setzt unverdrossen seine eigenen guten Nachrichten dagegen: Ab 2025 soll auch Kitkat endlich klimaneutral sein. Darauf hat die Welt gewartet.

Dank der Klöckner-Ampel darf sich auch die Discounterkette Lidl als Botschafter der gesunden Ernährung inszenieren. Ihre Pizza »Trattoria Alfredo« bekommt beispielsweise ein grünes »B«; das bedeutet jedoch nicht, dass es sich um ein gesundes Lebensmittel handelt. In Wahrheit heißt das lediglich, dass andere Pizzen im Vergleich schlechter wegkommen.

Andere biegen sich die Interpretation des Nutri Score einfach nach Belieben zurecht. Der Knabberartikel-Hersteller Lorenz etwa bekommt für seine Produkte ein orangefarbenes »D« – das ist eigentlich nicht schön. Doch das Unternehmen deutet das Fiasko als »Knabberspaß mit Verantwortung« um. Und als Zeichen dafür, dass die Firma doch zu den Guten gehört, druckt Lorenz auch noch das einigermaßen absurde Label »Oft länger gut« auf seine Produkte – als »Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung«. Die Konsumentin und der Konsument sollen also das tun, was ohnehin jeder Mensch bei Verstand macht: Ein Lebensmittel auf seine Genießbarkeit hin prüfen.

Vielleicht haben auch Sie ja noch irgendwo ein paar Salzletten aus dem Jahr 2005 rumliegen, die Sie am Abend knuspern könnten. Auch wenn sich der Genuss in Grenzen hält, Sie verhalten sich damit garantiert nachhaltig.

Herzlich

Ihr Frank Thadeusz

(Feedback & Anregungen?) 

Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche:

  • Etwas Kindisches tun und davon profitieren, möchte das nicht jeder von uns? Etwa mit diesem Bakterien aufsaugenden Schleim zum Selbstanrühren.

  • Australien ist ein von Naturkatastrophen geplagtes Land. Wenn nicht Trockenheit Verheerungen anrichtet, dann sind es Feuersbrünste. Zudem wimmelt es Down Under von gefährlichen Tieren – und vor der Küste patrouilliert der Weiße Hai. Nun kommt eine weitere Plage hinzu, die aus europäischer Sicht gar nicht besonders exotisch ist: Mäuse zerstören in Australien Ernten, Auto und Haushaltsgeräte.

  • Eine »Epidemie in der Pandemie« haben Experten ausgemacht, wie mein Kollege Detlef Hacke berichtet. Im Homeoffice verrenken sich etliche Betroffene den Rücken und geraten in eine Spirale des Schmerzes.

  • Wissenschaftler der Ernst-August-Universität Göttingen haben herausgefunden, wie man Sportler überführen kann, die dopen. Diese verhalten sich nämlich ganz anders, als man eigentlich vermuten würde.

  • Der erste Anruf mit einem Mobiltelefon erfolgte zu einer Zeit, als noch kein Mensch Steve Jobs kannte und die Firma Nokia aus Finnland ihr Geld noch vorwiegend mit Papier und Gummiartikel verdient.

  • Wer seinen Nachwuchs mit einem Kinderbuch für die Reise ans Meer vorbereiten möchte: Meine Kollegin Agnes Sonntag hat einige Lesetipps zusammengestellt.

Quiz*

1.Wie heißt das Leiden, das nach Meinung von Experten derzeit infolge des Corona-Lockdowns in der Gesellschaft stark auf dem Vormarsch ist?

a: Homeoffice-Herz
b: Homeoffice-Hand
c: Homeoffice-Rücken

2. Wann erfolgte der erste Anruf mit einem Mobiltelefon?

a: Am 17. Juni 1946
b: Am 17. Juni 1956
c: Am 17. Juni 1966

3. Eine gefährliche Plage macht derzeit Australiens Bauern zu schaffen. Wovon ist die Rede?

a: Von Ratten
b: Von Mäusen
c: Von Heuschrecken

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Bild der Woche

Der Traum vom Reichtum treibt in diesen Tagen Hunderte meist bitterarme Menschen mit Schaufel und Hacke auf ein trockenes Stück Land in der Nähe der südafrikanischen Stadt Ladysmith. Ein Hirte hatte dort glänzende Steine gefunden, die wie Dia­man­ten aussehen, aber wahrscheinlich nur Quarz sind. Ein Team aus Geologen und Bergbauexperten soll nun für Klarheit sorgen, doch einige der Glücksjäger haben ihre Funde schon verkauft – für 6 bis 18 Euro. Das ist zu wenig für Diamanten, reicht aber für Brot.

Fußnote

8,9 Millionen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbei­teten im Jahr 2018 in den Forschungseinrichtungen der Welt – mindestens. So viele wie noch nie, wie ein neuer Unesco-Bericht zeigt, der die Lage von Forschung und Entwicklung ­beleuchtet. Demnach stiegen die Ausgaben für die Wissenschaft zwischen 2014 und 2018 um 19 Prozent. Vor allem geht es darum, »den grünen und ­digitalen Wandel« voranzutreiben. 51 Prozent der Ausgaben gingen auf das Konto von China und den USA, 19 Prozent ent­fielen auf die EU.

Empfehlungen aus der Wissenschaft 

*Quizantworten

1. c. Homeoffice-Rücken
2. a. am 17. Juni 1946
3. b. von Mäusen