„Die Zukunft gehört dem Bio-Landbau“ « kleinezeitung.at

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Štefan Merkac bricht eine Lanze für eine biologische Landwirtschaft. Auch durch eine Umstellung der Ernährung, etwa weniger Fleisch-Verzehr, kann man einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Von Rosina Katz-Logar | 10.20 Uhr, 05. September 2021

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Štefan Merkac gründete den Verein „Eco-direkt“, der im „Gšeft“ landwirtschaftliche Produkte aus dem Alpe Adria Raum anbietet © (c) Rosina Katz-Logar

 

“Die Landwirtschaft in Österreich verursacht zehn Prozent des CO2-Ausstoßes. Das entspricht dem EU-Schnitt“, sagt Štefan Merkac, Biobauer und promovierter Biologe. Die Landwirtschaft ist gleichzeitig Hauptleidtragende der Klimakrise. Hitzewellen, Starkregen und anhaltende Dürreperioden beeinflussen die Ernteerträge negativ. Die Verlängerung der Vegetationsperiode ist wegen der Fröste im Frühjahr und im Herbst schuld an so manchem Ernteausfall. „Dabei könnte die Landwirtschaft, zum Beispiel durch intelligenten Humusaufbau, viel dazu beitragen, um das Klima zu retten“, glaubt der 57-Jährige.

Vor allem die industrielle Produktion müsse sich einem schnellen Wandel unterziehen und sofort auf Kunstdünger verzichten. „Die meisten Emissionen werden in der Landwirtschaft durch Methan und Lachgas verursacht, die bei der Tierhaltung und beim Düngen anfallen“, berichtet er.

Bewusstsein muss sich ändern

Weltweit werden etwa 20 Prozent der gesamten Emissionen der Tierhaltung zugeordnet. Dabei gibt es Alternativen. Die Landwirte könnten beispielsweise Biogas aus Kuhfladen erzeugen, Heu statt Kraftfutter verwenden oder kein Soja für die Schweinezucht einsetzen. Düngen die Landwirte ihre Felder mit zu viel Gülle, sei auch das Grundwasser durch die Nitratbelastung in Gefahr.

„Wenn wir unsere Ernährung bewusst in Richtung vegetarisch entwickeln, wäre dies ein großer Schritt für den Klimaschutz“, sagt Merkac. Heute sei es ja schon relativ einfach, regionale Produkte bei Biobauern und heimischen Landwirten zu erwerben. „Wir sollen nicht spartanisch leben, aber das Bewusstsein muss sich ändern“, meint Merkac, der in St. Michael ob Bleiburg den Verein „Eco-direkt“ gegründet hat, der im „Gšeft“ rund 600 landwirtschaftliche Produkte aus dem Alpen-Adria-Raum anbietet. „In meiner Kindheit haben wir nur an Sonntagen Fleisch gegessen, heute ist es umgekehrt“, stellt er fest.

Förderungen umstellen

Der Biologe wünscht sich auch eine Umstellung der Förderkulisse durch die EU und die Landwirtschaftskammer. „Die Fördergelder sollen in CO2-Bindungen fließen und nicht flächenbezogen“, sagt er. Dies wäre eine letzte Chance, in die Klimakrise noch positiv einzugreifen. Außerdem müssten die Mobilität und die Massentierhaltung mit ihren qualvollen Tiertransporten radikal umgestellt werden. „Die Zukunft liegt in der biologischen Landwirtschaft, weil sie nachhaltig und zukunftsorientiert ist“, ist Merkac überzeugt.

Štefan Merkac ist Biobauer und hat ein Ingenieurbüro für Biologie. Er ist Experte für Projektmanagement mit den Schwerpunkten Naturschutz, Biolandbau und erneuerbare Energie sowie Obmann des Vereines „Eco-direkt“ mit Sitz in der Gemeinde Feistritz. Im „Gšeft“ des Vereins gibt es 600 Produkte von Produzenten aus dem Alpen-Adria Raum.

In den 1990er-Jahren organisierte Merkac als Projektentwickler bei Bio Ernte Austria Kärnten die Zusammenarbeit von Biobauernorganisationen aus Österreich, Slowenien, Friaul, Veneto und Kroatien. Er leitete die Arge gentechnikfreie Regionen und später grenzüberschreitende Ökoprojekte. Er ist auch Gesamtkoordinator den Energiemasterplan für Kärnten mit 2000 Beteiligten.