Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

Das parkähnliche Areal mit den mächtigen alten Bäumen und den geschichtsträchtigen Gebäuden bot eine beeindruckende Kulisse für die Open Air Veranstaltung mit den endlich wieder so lang ersehnten Live-Auftritten. Am Samstagabend eröffneten Wolfram Karrer und Gerd Plankenhorn vom Theater Lindenhof mit dem Theaterpicknick „Gaisburger Marsch“ den Reigen der Aufführungen, der eigentlich schon zwei Tage vorher mit einem Benefizkonzert des Herresmusikkorps Ulm erfolgen sollte.

© Susanne Grimm

Die beiden Köche entlocken selbst Tassen und Möhren musikalische Töne.

Doch wetterbedingt mussten sowohl diese Veranstaltung als auch der für Freitag geplante Auftritt abgesagt, sagt Martin Roscher bedauernd. Nachdem die Wetterfrösche aber einigermaßen trockene Vorhersagen für Samstag gegeben hatten, „haben wir uns jetzt einfach getraut, denn immer nur prophylaktisch absagen bringt uns nicht weiter!“ Gegen die immer wieder einsetzende, moderate Nässe von oben trafen Publikum und Veranstalter Gegenmaßnahmen in Form von verteilten Regencapes, aufgespannten Schirmen und sogar zeltähnlichen Unterständen.


Auf Irrwegen durch die schwäbische Küche

Auch die Theaterköche haben sich weder vom Wetter noch von widerspenstiger Technik beeindrucken lassen und servierten launig und immer mal wieder erfrischend improvisierend ihren Gaisburger Marsch.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

© Susanne Grimm

Zuhören, genießen, aufatmen: Die Kultur gewinnt wieder an Fahrt.

Natürlich mit witzigen und haarspalterischen Irrwegen durch die schwäbische Küche, wobei sie bewiesen, dass Krautwickel und Ofenschlufer sich auch bestens dazu eignen, musikalisch verarbeitet zu werden – im Rap-Stil, versteht sich. Was sie – immerhin ist man auch international unterwegs – zu Wraps führte, „zämmegrollte Pfannekuche mit ebbes drin“.


Die Liebe zum Ländle geht durch den Magen

Dass die Liebe zum Ländle für einen Eingeborenen – Karrer bezeichnete diese als Alb-Aborigines – durch Mark, Bein und Magen geht, stellten die beiden keineswegs in Frage, doch ein Schwabe kann durchaus auch unverträglich sein. Besonders, wenn es um Fructose, Lactose und Gluten – „des isch dr Bäpp im Mehl“ – geht, deren Unverträglichkeiten sich Koch Gerd im Internet angelesen hat. Köstliche Steilvorlagen für seinen Kompagnon, der versuchte, ihm seine Ängste auszureden mit Sätzen wie dieser: „Das Leben ist halt wie eine Krankheit mit tödlichem Ausgang“.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

© Susanne Grimm

Der Schlosshof bietet eine traumhafte Kulisse.

Bis dahin aber sollte das Dasein genossen werden mit Spätzle, Pfannkuchen und Krautwickel, an die der schwäbische Darm immerhin nach Jahrhunderten angepasst sei. So wie die Eingeweide der Eskimos, die seit Urzeiten rohen Fisch und rohes Robbenfleisch essen. Die kämen auch nicht auf die Idee, bei Unwohlsein eine Spätzles-Diät zu machen, wie Kumpel Gerd, der sich mit dem Gedanken trug, eine Eskimo-Diät zu machen.


Lebensform gehört unter Naturschutz gestellt

Ihre schwäbisch-philosophischen Abhandlungen, teils musikalisch verpackt, informierten das Publikum mit viel Humor über die kosmopolitischen Wurzeln der Schwaben, da sie und ihre kulinarischen Spuren überall auf der Welt zu finden sind.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

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Ein Damen-Trio hat sich gemütlich eingerichtet.

Der Ursprung und die Lebensart dieses Volkes „liegt natürlich im Ländle, weshalb die Lebensform der Schwaben nun unter Naturschutz gestellt werden soll“, interpretierte Koch Wolfram zur Erheiterung des Publikums die Einrichtung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.


Applaus für Tassen-Möhren-Combo

Ein weiteres Merkmal der Schwaben, den Erfindergeist, demonstrierten die beiden Köche anhand einer Möhre, die unter ihren Händen zu einer Flöte mutierte. Ausgehöhlt, mit Löchern versehen und mit einem Trichter als Schallverstärker, taugte sie tatsächlich zum Musizieren, wenn auch etwas schräg. Koch Gerd verpasste einer Tasse ein Mundstück entlockte ihr damit ebenfalls Töne.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

© Susanne Grimm

Nicht ganz ohne Regenintermezzo übestand die Event-Wiese ihre Premiere 2021.

Dass diese einmalige Tassen-Möhren-Combo viel Applaus erhielt, war keine Frage, ob jedoch wegen der weltweit einzigartigen Musik oder des Einfallsreichtums, diese Frage ist unbeantwortet geblieben.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

© Susanne Grimm

Kultur und Kulinarisches schaffen den Brückenschlag.

Dem Publikum hat es jedenfalls bestens gefallen, was der Applaus am Ende und die Rufe nach Zugaben bescheinigten. Letztere mussten jedoch ausfallen, da der Himmel wieder Anstalten machte, seine Schleusen aufzudrehen.


Kulturpicknick im Grünen

Bis zum 14. August bietet das Veranstaltungsprogramm der Event-Wiese ein für jeden Geschmack und jedes Alter abwechslungsreiche Veranstaltungen. Der ZOLLERN-ALB-KURIER begleitet die Veranstaltsungsreihe als Medienpartner.

Die Lautlinger Event-Wiese startet mit einem deftigen Gaisburger Marsch

© Susanne Grimm

Gerd Plankenhorn und Wolfram Karrer servieren schwäbische Schmankerl.

Es warten Auftritte von Wolfgang Fischer, Bernd Kohlhepp, Tobias Conzelmann, dem Ebinger Kammerorchester und vielen anderen Künstlern auf die Besucher.

Das Programm bietet eine breite Vielfalt: Von Konzerten und Theater über Kabarett und DJ-Picknicks bis hin zu einem Poetry Slam und Kammermusik ist für jeden Geschmack etwas mit dabei.


Besucher können Quadrate buchen

Das Konzept, das man schon von 2020 kennt, bleibt gleich: Im Schlosshof in Lautlingen können die Besucher Quadrate buchen. Tickets gibt es in der Tourist-Information im Rathaus in Ebingen sowie auf reservix.de. Tickets gibt es auch bei der ZAK-Geschäftsstelle in Albstadt und beim Verlag in Balingen. Alle Informationen zur Albstädter Event-Wiese: albstadt-tourismus.de.