Deutsche kaufen immer mehr Lebensmittel ohne Gentechnik

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr rund 13,2 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgegeben, die das „Ohne Gentechnik“-Siegel tragen. Das seien 4,3 Prozent mehr als 2020, teilte der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) diese Woche mit. Er forderte die Bundesregierung auf, sich bei der Europäischen Kommission dafür einzusetzen, dass auch Produkte neuer gentechnischer Verfahren streng reguliert bleiben.

9,3 Milliarden Euro bezahlten die Verbraucher*innen nach Angaben des Verbandes 2021 allein für Milch und Milchprodukte, die die grüne VLOG-Raute auf der Packung tragen. Das sind 70 Prozent der Gesamtausgaben für Produkte „Ohne Gentechnik“. Mit Geflügelfleischprodukten wurden 2,3 Milliarden Euro (17 Prozent), mit Eiern 1,1 Milliarden Euro (8 Prozent) und mit sonstigen Produkten 0,5 Milliarden Euro (4 Prozent) erzielt. „Die Zahlen belegen, dass ,Ohne Gentechnik‘-Produkte bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nach wie vor hoch im Kurs stehen“, freute sich VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. Großes Wachstumspotenzial gebe es noch bei Rind- und Schweinefleisch.

Wie Hissting weiter mitteilte, beruhen seine Zahlen auf Auskünften der knapp 500 Lizenznehmer des „Ohne Gentechnik“-Siegels über ihre erwarteten Umsätze, zu denen dann noch pauschale Handelsspannen und Mehrwertsteuer addiert werden. Nach dieser Berechnung soll sich der „Ohne Gentechnik“-Umsatz 2022 erneut erhöhen und zwar um 4,2 Prozent. Das Problem: Die erwarteten Umsätze wurden im Januar und Februar 2022 abgefragt, also bevor Russland die Ukraine angriff. Inzwischen seien die Auswirkungen dieses schon fast vier Monate andauernden Krieges auf den Lebensmittelmarkt „unkalkulierbar“.

Zugleich warnte der VLOG erneut vor „unnötig geschürten Verunsicherungen“ durch Falschinformation. Es sei weiterhin ausreichend gentechnikfreies Eiweißfutter für die „Ohne Gentechnik“-Produktion auf dem Markt erhältlich. „Niemand muss aus dem System aussteigen“, versicherte Hissting. Wie berichtet hatten Vertreter von Agrarverbänden und Molkereien bereits mehrfach gewarnt, gentechnikfreie Soja und Raps könnten knapp werden, weil Anbau in und Export aus der Ukraine kriegsbedingt erschwert sind. Die einschlägigen Institutionen prognostizieren für den europäischen Markt für 2022 jedoch eine gute Versorgung mit Eiweißfutter. [vef]