Demo gegen Preis-Explosion im Odenwald: „Wenig Sprit im Auto – und kein Geld mehr!“ | Regional

Brensbach – Nachmittags, 13.30 Uhr: Im kleinen Ort Brensbach (5222 Einwohner) versammeln sich 50 Odenwälder vor dem Gemeindehaus. Sie demonstrieren, weil alles teurer wird: Benzin, Lebensmittel, Gas und Heizöl.

Zur Demo aufgerufen hatte Rentnerin Doris Sauer (78) – und das, obwohl es ihr selbst finanziell gut geht: „Auf die Idee kam ich, weil ich gemerkt habe, dass vor allem Rentner, Familien und Geringverdiener unter den steigenden Kosten leiden. Aber der Preis-Anstieg betrifft uns alle!“

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Etwa 50 Odenwälder hatten sich mit Masken vor dem Gemeindehaus versammelt

Foto: Jörg Halisch

Alle, auch die Jüngsten. Das wird klar, als Kinderpsychotherapeutin Marlene Schwarz (62) ans Mikrofon tritt und aus ihrem Alltag berichtet: „Ein siebenjähriger Junge war während unserer Sitzung ganz unruhig, erzählte mir: ,Ich weiß nicht, ob mein Papa heute von der Arbeit nach Hause kommt. Es ist nur noch wenig Sprit im Auto und wir haben kein Geld mehr‘. Ein anderer Junge wollte mit mir kochen. Dem Wunsch bin ich nachgekommen. Ich dachte, er wolle einfach etwas gemeinsam mit mir machen, bis mir klar wurde, dass er Hunger hat. Er fragte, ob er etwas für seine Familie mit nach Hause nehmen könne. Ich war geschockt.“

Markus Mai, Betriebsleiter vom AWO-Seniorenheim Oberscholzenhof: „Auch Pflege wird teurer, die Heimbewohner sind die Leidtragenden. Alle Kosten, die entstehen, müssen wir weitergeben.“

Teaser-Bild

Auch Bürgermeister Rainer Müller (60, SPD) kam zur Demo

Foto: Jörg Halisch

Jung-Landwirtin Alicia Völker (22): „BILD schrieb von der Brötchen-Inflation. Ich will klarstellen, dass nicht wir Landwirte Schuld tragen, dass Lebensmittel teurer werden. Auch wir haben höhere Kosten für Diesel, Dünger und Pflanzenschutzmittel.“

Rentner Karlheinz Kitschke (74) berichtet vom Projekt „Wir helfen einander“, wo Menschen – ähnlich wie bei der „Tafel“ – Lebensmittel bekommen können: „Uns besuchen immer mehr Menschen und nehmen die Hilfe an. Die Regierung muss ärmere Haushalte dringend bei den Energiekosten entlasten.“