Coronavirus-Pandemie in Deutschland: 1700 Neuinfektionen mehr als vor einer Woche – Inzidenz bei 83,5 – Wissen

Ethikrats-Vorsitzende sieht Einschränkungen für Ungeimpfte kritisch

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, zeigt sich kritisch gegenüber Einschränkungen für Menschen, die sich bisher nicht gegen Corona impfen ließen. Grundsätzlich sei aus ethischer Perspektive das 3G-Modell, also geimpft, genesen oder getestet, besser, sagte sie der „Welt“. „Je mehr Teilhabe für alle Menschen möglich ist, desto besser. Es wäre also schön, wenn man bei der Regelung bleiben könnte.“

Private Anbieter könnten die 2G-Regelung, von der nur geimpfte oder genesene Personen profitieren, einsetzen, etwa um Planungssicherheit zu erhalten, so die Medizinethikerin. „Staatlich sollte man das maßvoll einsetzen, so kurz wie möglich und nur dann, wenn die milderen Mittel ausgeschöpft sind und eine Gefährdungssituation droht“, sagte die seit 2020 amtierende Ethikrats-Vorsitzende, die nach eigenen Worten bislang nicht geimpft ist.

Impfanreize etwa durch Geld seien in der ethischen Diskussion umstritten, sagte Buyx. Niedrigschwelliges Impfen bleibe wichtig; dabei sollten höchstens kleine Anreize wie ein Donut oder ein kleiner Einkaufsgutschein eingesetzt werden. „Sonst wäre das auch für bereits Geimpfte irritierend: Die Menschen, die besonders lange mit ihrer Impfung gewartet haben, werden dafür nun noch belohnt.“

Eine gesellschaftliche Spaltung infolge der Pandemie befürchtet Buyx nach eigenen Worten nicht. „Wir waren nie eine homogene Gesellschaft, in der alle einer Meinung sind oder es allen gleich gut geht.“ Doch seien diese Unterschiede in der Covid-Krise deutlich geworden. „Was mich bekümmert, ist die Vehemenz und die Polarität, mit der die Debatten geführt wurden.“

Um den inneren Zusammenhalt zu befördern, sei ein großer gesellschaftlicher Einsatz und Aufwand erforderlich, betonte die Ethik-Expertin. „Wir brauchen eine Phase zum Aufarbeiten, Lernen, Heilen. So viele Menschen haben gelitten und viel verloren.“ Sei es den Job, einen Angehörigen, ihre Lebensfreude oder die Abiturfeier. „Diese Verluste müssen wir anerkennen und bewältigen“, sagte Buyx. „Dafür brauchen wir als Gesellschaft einen Heilungsprozess.“ (KNA)