Anuga: Bunte Pommes – und Essen aus dem 3D-Drucker

Köln. 
Gesünder essen, anders essen, ausgefallener essen. Das sind die Trends und Kuriositäten der Anuga, der Messe rund um das Thema Ernährung.

Sagen wird mal so. Man kann auf dieser Messe nicht verhungern. Fisch und Fleisch, Obst und Gemüse, Wurst und Käse, Brot und Gebäck -es gibt nichts, was es nicht gibt und fast alles gibt es in den unterschiedlichsten Versionen. „Wollen Sie nicht mal probieren“, wird man gefragt und aufgefordert: „Greifen Sie ruhig zu.“ Denn diese Messe heißt Anuga und ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Messe rund um das Thema Lebensmittel – selbst, wenn sie wie in diesem Jahr wegen Corona mit rund 4600 Ausstellern aus knapp hundert Ländern nur zu gut zwei Drittel belegt ist.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema

Großes Thema der Messe ist „Nachhaltigkeit“. Trotzdem mag Christoph Minhoff (62), Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland sowie des Dachverbands der deutschen Lebensmittelindustrie (BVE) das Wort „Trend nur ungern in den Mund nehmen. Nicht nur, weil der Trend längst im Mainstream angekommen ist. „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern für uns alle überlebenswichtig“, sagt Minhoff und spricht von einer „Transformation“ in der Branche: „Transparenz bezüglich der Inhaltsstoffe, pflanzliche Ersatzprodukte oder umweltfreundliche Verpackungen werden immer wichtiger.“

Auch Gin ist ein großes Thema auf der Messe / FUNKE Foto Services 

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

So gibt es kaum ein Wort, das man derzeit öfter liest in den Messehallen als „Bio“. Knapp dahinter liegen die Begriffe „vegan“ oder „vegetarisch“. Gerne geworben wird auch mit dem Label „rein pflanzlich.“ Man darf sich dadurch aber nicht täuschen lassen „Es gibt gar nicht so viele Menschen, die sich ausschließlich vegan oder vegetarisch ernähren“, hat der Sprecher eines großen deutschen Pizza-Herstellers festgestellt. Dennoch ist die selbst belegbare Pizza Margherita der Renner des Unternehmens. „Die wird aber vor allem von Flexitariern gekauft“ – von Menschen also, die ihren Fleischkonsum bewusst einschränken und möglichst wenig, nur selten oder nur bestimmte Qualitäten von Fleisch essen.

Es geht nicht nur um Gemüse-Burger

Oder eben etwas, das wie Fleisch aussieht und im besten Fall auch so schmeckt. Fleischersatz bleibt jedenfalls eines der großen Themen der Lebensmittelbranche. Nur geht es mittlerweile nicht mehr nur um Gemüse-Burger oder Bratwurst aus Erbsen. „Die neuen Alternativen reichen von Laborfleisch oder zellbasiertem Fleisch bis hin zu Insekten“, sagt Minhoff.

Auch sonst sollte man seinen Geschmacksnerven auf der Anuga nicht blind trauen. Denn nicht alles ist, wonach es schmeckt. Zu den Neuheiten gehören beispielsweise Vollkornknäckebrot aus Kichererbsen oder Honig aus Tapiokasirup. Den Nachwuchs kann man künftig täuschen mit Chicken-Wings aus Broccoli und Blumenkohl, die eine finnische Firma erfunden hat und Käpt‘n Iglu muss vielleicht um seinen Job bangen, denn: Auf der Anuga gibt es Fischstäbchen aus Pflanzen.

Mit Kaffe gegen Falten und Schokolade für das Immunsystem

Das Auge trinkt mit auf der Anuga in den Kölner Messehallen. FUNKE Foto Services 

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Gute Nachrichten gibt es dagegen für die Freunde des Kaffees. Eine türkische Firma hat einen entwickelt, der dank seines hohen Kollegangehaltes Faltenbildung verhindern soll. Ja selbst Schokolade kann auf der Anuga gesund sein. Mit Vitaminen und Mineralien, die zur Stärkung des Immunsystems beitragen sollen, hat ein Anbieter in Köln sie angereichert und noch ein wenig Koffein hineingepackt.

Manche Neuheit ist vor allem etwas für das Auge. Aus Taiwan etwa kommen Pommes, die ein wenig Farbe in das Abendessen bringen sollen. Neben den klassischen gelben sind auch rote und lila Fritten in der Packung enthalten. Etwas verwundert lässt einen das zu Würfeln gefrorene Pesto eines italienischen Herstellers zurück, dass man auf das heiße Essen legen soll. „Bequemer, sei das versichert man am Firmenstand. Innovation des Jahres ist dann auch etwas anderes geworden. Eine mindestens drei Monate gereifte Käseknolle, die den Namen „Granitbeißer“ trägt. Ein Titel, der schon erahnen lässt, dass dieser Hartkäse nicht als klassische Brotauflage dienen kann. „Wie Parmesan“, sagt die Mitarbeiterin am Stand. Zum Reiben, raspeln oder Hobeln.“

Essen kommt aus dem 3D-Drucker

Und dann ist da auch noch etwas für Menschen, die ansonsten schon alles haben. Der Super Garden 3D-Drucker aus Litauen macht aus zuvor gefriergetrockneten und pulverisierten Nahrungsmitteln binnen kurzer Zeit wahlweise Rindfleisch, Rote Beete oder Brokkoli. Kleine Schwäche der Maschine bisher: Egal was man wählt, alles kommt in Form kleiner Würfel aus dem Drucker. Guten Appetit.

Klare Kante, klare Meinung – das ist Klartext, die kommentierende Kolumne von Alexander Marinos, Vize-Chefredakteur der WAZ.
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