Adipositas-Hypertonie: Gewichtsreduktion kann Blutdruck senken

/Africa Studio, stock.adobe.com

Dallas/Texas Eine Adipositas gehrt fr die American Heart Association zu den wichtigsten Ursachen fr den Bluthochdruck und eine Gewichtsreduktion zu den effektiven blutdrucksenkenden Therapien. Die beste Wirkung wird laut einer wissenschaftlichen Stellungnahme in Hypertension (2021; DOI: 10.1161/HYP.0000000000000202) durch eine bariatrische Operation erzielt, doch auch eine Dit und Medikamente zur Gewichtsreduktion knnen im Nebeneffekt den Blutdruck senken.

Nicht nur in den USA sind viele Menschen zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schtzt, dass weltweit mehr als 1 Milliarde Menschen bergewichtig und mehr als 650 Millionen mit einem Body-Mass-Index von 30 oder mehr adips sind. Epidemiologische Studien zeigen, dass die meisten Menschen mit Adipositas auch einen erhhten Blutdruck haben. Die Experten der American Heart Association sind davon berzeugt, dass die Gewichtsprobleme mit fr den hohen Blutdruck verantwortlich sind.

Das Team um Michael Hall vom University of Mississippi Medical Center in Jackson sieht verschiedene Mechanismen am Werk. Eine Adipositas fhre in vielen Geweben zu einer Ausdehnung des extrazellulren Flssigkeitsvolumens und zu einem erhhten Blutfluss, was einen Anstieg des vensen Rckflusses und des Herzzeitvolumens zur Folge habe.

Die Volumenexpansion werde durch eine erhhte renale tubulre Natriumreabsorption vermittelt. Dies geschehe durch eine vermehrte Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) und des sympathischen Nervensystems. Auch die Nierenkompression durch das umgebende Fettgewebe knnte an der Pathophysiologie der Adipositas-Hypertonie beteiligt sein.

Nach dieser Theorie msste eine Gewichtsabnahme auch den Blutdruck senken. Eine naheliegende aber fr viele Menschen schwer umzusetzende Methode ist eine Dit. Derzeit werden eine mediterrane Ernhrung und die DASH-Dit (Dietary Approaches to Stop Hypertension) empfohlen. Letztere wurde speziell fr die Behandlung der Hypertonie entwickelt.

Sie senkte in Studien den systolischen Blutdruck um 7,6 mm Hg und den diastolischen Wert um 4,2 mm Hg. Die Wirkung kann durch eine Kombination von Gewichtsreduktion mit Sport auf 16,1/9,9 mm Hg verstrkt werden. In der DASH-Salz-Studie wurde der systolische Blutdruck durch eine Salzreduktion um 10,4 mm Hg gesenkt (bei Ausgangswerten von ber 150 mm Hg).

Die mediterrane Kost erreicht laut einer Cochrane-Meta-Analyse nur eine Senkung des Blutdrucks um 3,0/2,0 mm Hg, was auch daran liegen knnte, dass die Gewichtsreduktion bei der mediterranen Kche in der Regel gering ist. Das derzeit moderne intermittierende Fasten ist nach Einschtzung der AHA-Autoren ebenfalls nicht in der Lage, Blutdruck und Krpergewicht deutlich zu senken.

Auch Sport senkt den Blutdruck nur, wenn das Gewicht zurckgeht. Aber nur wenige Menschen knnen sich zu 200 bis 300 Minuten Sport in der Woche aufraffen, die laut der American Heart Association fr eine langfristige Gewichtsreduktion um 5 % bis 10 % und eine Senkung des Blutdrucks um 5/4 mm Hg notwendig wren.

Fr viele Patienten wre die Einnahme von Medikamenten der bequemere Weg. Doch die Wirkung der zugelassenen Medikamente zur Gewichtsreduktion auf Gewicht und Blutdruck ist minimal. Eine bessere Wirkung versprechen GLP-1-Agonisten wie Liraglutid und Semaglutid, die zur Behandlung des Typ-2-Diabetes entwickelt wurden.

Die synthetischen Hormone, die die Patienten tglich oder wchentlich selbst subkutan injizieren mssen, hemmen allerdings auch den Appetit, was mit einer deutlichen Gewichts- und Blutdrucksenkung verbunden sein kann. Semaglutid erreichte in einer Studie in Kombination mit einer Lebensstilnderung eine Gewichtsreduktion um 14,9 %, die von einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 6,2 mm Hg begleitet wurde.

Die greren Auswirkungen erzielt eine Adipositas-Operation, der sich pro Jahr (2016) bereits 216.000 US-Amerikaner unterziehen. Die primre Indikation ist eine morbide Adipositas. Nach der Operation bessern sich hufig auch Blutzucker und Blutdruck in der Regel bereits vor der Gewichtsabnahme. Dies spricht dafr, dass hormonelle Umstellungen, die durch die Magenverkleinerung oder den Darmbypass erzwungen werden, fr die Wirkung verantwortlich sind.

In der GATEWAY-Studie, die als 1. gezielt die Auswirkung einer bariatrischen Operation auf den Blutdruck untersucht hat, konnte die Hlfte der Patienten nach Anlage eines Roux-en-Y-Bypasses nach 12 Monaten auf die Einnahme von Blutdruckmedikamenten verzichten und jeder 4. erreichte einen normalen Blutdruck.

Die beiden Ziele wurden in der Kontrollgruppe von keinem Patienten erreicht (Circulation 2018; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.032130). Auch 3 Jahre nach der Operation kamen die operierten Patienten mit weniger Medikamenten aus (Annals of Internal Medicine 2020; DOI: 10.7326/M19-3781). Die gute Wirkung auf den Blutdruck lie sich auf die deutliche Reduktion des Krpergewichts zurckfhren, die durch die Operation erzwungen wurde. Die Studie beweist damit auch die enge Verbindung von Adipositas und Hypertonie. © rme/aerzteblatt.de