​Gänsbacher erklärt: „Politik muss Pandemie aktiv bekämpfen“ – Gesundheit

Immunologe Bernd Gänsbacher übt Kritik an der Corona-Politik in Deutschland und Österreich. Er fordert die Politik hierzulande zum Handeln auf.

Eigentlich gehört die Radiosendung „Gänsbacher erklärt“ jeden Donnerstag nach 13 Uhr auf Rai Südtirol den Hörern. Sie können dort live Ihre Fragen an unseren Corona-Experten richten. Diese Woche begann Gänsbacher die Sendung mit einem Rundumschlag. Der Sarner kritisierte angesichts der Rekord-Infektionszahlen vor allem die Politik in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Die Politik habe versagt. In der Politik gelte das Dogma, dass jeder Depp alles könne. Wenn der Gärtner zum Finanzminister oder der Metzger zum Gesundheitsminister wird, dürfe man sich nicht wundern, wenn es nicht klappt, so Gänsbacher.

„Hinterherlaufen ist keine gute Strategie“

Der Corona-Experte lobt explizit die Corona-Politik von Mario Draghi etwa durch die Einführung der 3G-Pflicht am Arbeitsplatz. Gänsbacher forderte die
Politik auf, die Pandemie aktiv zu bekämpfen und nicht dieser hinterherzulaufen. „Wenn ich diesen Winter wieder nicht Skifahren darf, dann werde ich sehr sauer“, sagte Gänsbacher wörtlich.

„Impfen wichtiger als testen“

Angesichts der Diskussionen rund um 2G, 2G+, 3G oder 3G+ als Zutrittskriterien etwa für Gasthäuser oder Museen unterstrich Gänsbacher einmal mehr die Bedeutung der Impfung. „Ein negativer Test schützt nicht vor einer Infektion. Ich kann als negativ Getesteter ins Konzert gehen und wenn ich rauskomme, infiziert sein. Auch Infizierte können das Virus ausscheiden und damit andere anstecken.“

„Grippe- und Coronaimpfung zeitgleich, das passt“

Zur Kombination von Grippe- und Corona-Impfung präzisierte Gänsbacher, dass man sich die Corona-Auffrischungsimpfung und die Grippeimpfung sowohl zeitgleich als auch zeitversetzt verabreichen lassen kann. Es gebe keine Studie, die belege, dass ich durch die eine oder andere Vorgehensweise mehr oder weniger Schutz durch Antikörper aufbaue. Laut Gänsbacher ist die Grippeimpfung heuer besonders wichtig, weil das Influenza-Virus im Vorjahr durch das viele Maskentragen kaum verbreitet war und dadurch wenige Menschen neue Antikörper gegen Influenzaviren aufgebaut haben.

„Vielleicht müssen wir uns jährlich impfen“

Zur Auffrischungsimpfung sagte Gänsbacher, dass der Großteil der Menschen sechs Monate lang gut geschützt sei, speziell jüngere Menschen. In Altenheimen oder generell bei älteren oder kränklichen Menschen sei das oft nicht so.  Auch der Impfstoff von AstraZeneca schütze gut, allerdings sei nach vier Monaten kein Schutz mehr vor einer symptomatischen Infektion gegeben. Durch die dritte Dosis sind die Menschen laut Gänsbacher wieder gut geschützt. Möglicherweise brauche es aber jährlich eine Impfung, denn bekanntlich würden Coronaviren keine starke Immunantwort auslösen, so Gänsbacher.

In „Gänsbacher erklärt“ berichtete der Sarner Immunologe auch von der Entwicklung eines neuen Impfstoffes von AstraZeneca, der die Phase-2-Studie bereits abgeschlossen habe. Dieser Impfstoff sei nicht gegen das Stachelprotein des ursprünglichen Virus gerichtet, sondern gegen jenes der südafrikanischen Variante. Die Forscher glauben, dass man dadurch das Virus an seiner empfindlichsten Stelle trifft.

mk